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Marburg Die Woche der Warnstreiks
Marburg Die Woche der Warnstreiks
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08:00 02.05.2022
Eine Demonstrantin trägt Anfang April bei einem Protestmarsch durch die Friedberger Innenstadt einen Regenschirm mit einem Plakat und der Aufschrift „Wer eine Horde Kinder managt verdient auch ein Managergehalt“. Die Gewerkschaft Verdi ruft nunmehr zu weiteren Warnstreiks in hessischen Kindertagesstätten sowie in der Sozialarbeit und der Behindertenhilfe auf.
Eine Demonstrantin trägt Anfang April bei einem Protestmarsch durch die Friedberger Innenstadt einen Regenschirm mit einem Plakat und der Aufschrift „Wer eine Horde Kinder managt verdient auch ein Managergehalt“. Die Gewerkschaft Verdi ruft nunmehr zu weiteren Warnstreiks in hessischen Kindertagesstätten sowie in der Sozialarbeit und der Behindertenhilfe auf. Quelle: Frank Rumpenhorst
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Marburg

Die Gewerkschaft Verdi hat im Tarifkonflikt der Sozial- und Erziehungsberufe die Beschäftigten für diese Woche bundesweit zu Warnstreiks aufgerufen.

Auch in Hessen sind Kitas, Schulhorte, aber auch die Behindertenhilfe betroffen. Damit soll der Druck auf die kommunalen Arbeitgeber vor der dritten Verhandlungsrunde am 16. und 17. Mai in Potsdam erhöht werden, teilte die Gewerkschaft in Berlin mit.

Die Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 330.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst werden zentral geführt. In der zweiten Runde Ende März hatte es keine Annäherung gegeben. Verdi fordert in den Tarifverhandlungen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und die finanzielle Anerkennung der Arbeit der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst.

In dieser Woche lassen in Hessen zunächst Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter die Arbeit ruhen, dann Kitabeschäftigte und schließlich Beschäftigte der Behindertenhilfe.

40.000 Beschäftige in Hessen betroffen

Rund 40 .000 Beschäftigte in Hessen sind direkt von der Tarifauseinandersetzung betroffen. Insgesamt arbeiten dort jedoch an die 100. 000 Menschen in diesem Beschäftigungsfeld. Sie kommen zu rund 75 Prozent aus der Kindertagesbetreuung, zu 15 Prozent aus der Sozialarbeit und zu 10 Prozent aus der Behindertenhilfe. Da sich auch Arbeitgeber außerhalb des öffentlichen Dienstes direkt am Tarifvertrag orientieren, können Verbesserungen auch den dortigen Beschäftigten zugutekommen, betont Verdi.

Die Aktionen beginnen am Montag (2. Mai) mit den Beschäftigten aus der Sozialarbeit. Der Schwerpunkt liegt in Kassel. Am Mittwoch (4. Mai) werden Kitabeschäftigte in Gießen, Frankfurt, Wiesbaden, Hanau und Kassel demonstrieren und am Donnerstag (5. Mai) findet ein landesweiter Aktionstag von Beschäftigten aus der Behindertenhilfe in Marburg statt. „Die bundesweit geführten Verhandlungen sind aus Sicht der Beschäftigten bisher enttäuschend verlaufen. Die Arbeitgeberseite zeigte bei den ersten beiden Verhandlungsrunden kaum Entgegenkommen. Dabei sind nachhaltige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, Entlastung und die finanzielle Aufwertung der Tätigkeiten enorm wichtig“, sagt Gewerkschaftssekretärin Kristin Ideler, bei Verdi Hessen zuständig für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie Erzieherinnen und Erzieher: „Es ist fünf nach zwölf und die Arbeitgeber handeln nicht. Es fehlt immer mehr Personal. Es muss jetzt gehandelt werden. Die Arbeitsbedingungen des Bestandspersonals müssen besser werden. Denn so geht’s nicht weiter. Deswegen startet Verdi am Mittwoch (4. Mai) auch eine Buchreise durch hessische Kitas mit dem Titel ,Die unendliche Geschichte des Personalmangels’. Damit zeigen Beschäftigte direkt und ungeschönt auf, wie schlimm es ist und dass es so nicht weitergeht“, ergänzt Kristin Ideler.

Streik und Kundgebung in Kassel und Gießen

Am Montag (2. Mai) sind Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen in allen Jugendhäusern und sonstigen Einrichtungen, Landkreisverwaltungen nordhessischer Kommunen und der Stadt Kassel zum Streik aufgerufen. Es werden auch Kolleginnen und Kollegen aus den Landkreisverwaltungen Bad Hersfeld Rotenburg und Fulda erwartet. Um 10 Uhr wird es eine Kundgebung auf dem Opernplatz geben.

In Gießen treffen sich am Mittwoch (4. Mai) die Streikenden aus Mittelhessen um 10 Uhr beim Parkplatz Hessenhallen. Von dort aus zieht eine Demonstration zum Berliner Platz, wo es ab 11 Uhr eine Kundgebung gibt.

Landesweiter Aktionstag der Behindertenhilfe in Marburg

Am Donnerstag (5. Mai) gibt es einen landesweiten Aktionstag der Behindertenhilfe in Marburg. Um 10 Uhr ist Treffpunkt am Parkplatz Georg-Gaßmann-Stadion. Dort startet eine Demonstration mit Ziel Marktplatz am Rathaus. Bei der anschließenden Kundgebung dort spricht das Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler.

Von Michael E. Schmidt