Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Angeklagte nahm selbst Narkosemittel ein
Marburg Angeklagte nahm selbst Narkosemittel ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 30.03.2019
Die Angeklagte im Frühchen-Prozess, Elena W., mit ihren Anwälten Dr. Andreas Bentsch (rechts) und Dietmar Kleiner.  Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Dabei erhärtete sich der Verdacht, dass die angeklagte ehemalige Krankenschwester während ihrer Ausbildungszeit selbst Midazolam konsumiert haben könnte. An den vorherigen Verhandlungstagen war ein Eigenkonsum der Angeklagten bereits Thema gewesen.

Eine ehemalige Mitschülerin­ aus ihrer Bielefelder Ausbildungszeit hatte der Polizei gegenüber dementsprechend ausgesagt. Die Angeklagte habe das Mittel eingenommen, um ihrer Prüfungsangst und ihren Schlafproblemen entgegenzuwirken. Allerdings stand auch zur Debatte, ob die fragliche Mitschülerin möglicherweise das „Schlafhormon“ Melatonin gemeint haben könnte, das ebenfalls zur Bekämpfung von Schlafstörungen eingesetzt wird.

Einer der gestern vernommenen Polizisten bestätigte jedoch noch einmal, dass es sich um Midazolam gehandelt habe. Die Mitschülerin habe von einem „Mittel, das zur Vornarkose bei Kindern verwendet wird“ gesprochen – diese Beschreibung trifft auf Midazolam zu, nicht aber auf das Hormon Melatonin.

Die Narkosemittel Midazolam und Ketamin wurden im Dezember 2015 und Januar­ 2016 drei Frühchen im Uniklinikum verabreicht, obwohl sie nicht ärztlich verschrieben worden waren. Deswegen muss sich die damalige Kinderkrankenschwester Elena W. nun vor Gericht verantworten.

In einer­ Haarprobe der Angeklagten wurden von der Rechtsmedizin ebenfalls beide Wirkstoffe nachgewiesen. Eine Nachricht, die bei der Angeklagten seinerzeit eine starke emotionale Reaktion hervorrief.

Die damalige Mitschülerin, die Elena W. mit ihrer polizeilichen Aussage so stark belastet hat, soll im weiteren Verlauf des Prozesses gehört werden. Bislang sind 70 Verhandlungstage bis ins Jahr 2020 angesetzt. Weiter geht es am Donnerstag ab 9 Uhr im Marburger Landgericht.

von Melchior Bonacker