Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg (Noch) kein generelles Böllerverbot in Marburg
Marburg (Noch) kein generelles Böllerverbot in Marburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:46 20.11.2020
Prächtiges Feuerwerk an Silvester 2019 über Marburg: Wird es auch in diesem Jahr möglich sein?
Prächtiges Feuerwerk an Silvester 2019 über Marburg: Wird es auch in diesem Jahr möglich sein? Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

In den Niederlanden ist es schon verboten, in Hannover und Frankfurt wird geprüft, weitere deutsche Städte bereiten ein Feuerwerksverbot vor. Der diesjährige Jahreswechsel könnte also ziemlich trostlos ausfallen, denn große Partys und Feiern wird es nach jetzigem Stand auch nicht geben.

„Ein Silvesterfeuerwerk wird es bei uns dieses Jahr nicht geben“, teilte Vila Vita auf OP-Nachfrage mit. Hunderte Marburger feiern normalerweise im Kongresszentrum den Jahreswechsel und bestaunen anschließend das Höhenfeuerwerk, das von den Afföllerwiesen gezündet wird. Derartige Absagen freut die Polizeigewerkschaft. Zum Feuerwerk gesellten sich rasch Alkohol, Personengruppen und Partystimmung – „das sei nicht angesagt“, so Rainer Wendt, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft. Und auch der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach sich ebenfalls für ein Verbot aus, entscheiden müssten aber die Kommunen.

Das sieht die Marburger Stadtverwaltung anders: „Der Magistrat der Stadt Marburg kann ohne entsprechende Rechtsgrundlage kein lokales Feuerwerks- und Böllerverbot wegen Corona aussprechen. Unabhängig von der Frage, ob das Infektionsschutzgesetz in der derzeitigen Lage überhaupt für ein Böllerverbot herangezogen werden kann, könnte eine derartige Regelung nur das Gesundheitsamt treffen.“

Das würde also heißen, dass das bekannte Böllerverbot in der Oberstadt rund um das Schloss und den Lutherischen Pfarrhof sowie vor der Elisabethkirche zwar weiterhin gelten würde, in den anderen Stadtteilen aber privat Raketen und Böller abgefeuert werden können – so wie immer also.

Das wiederum würde den Verband der pyrotechnischen Industrie sehr freuen. Ein Verbot würde viele Pyrotechnik-Unternehmen in ihrer Existenz bedrohen. Silvester sei der Tag, an dem 90 Prozent des Jahresumsatzes generiert werden.

„Natürlich werden in diesem Pandemiejahr keine großen Silvesterfeiern möglich sein. Wir sind aber der Überzeugung, dass es möglich ist, im kleinen Kreis Corona-konform Feuerwerk abzubrennen“, sagt Klaus Gotzen, Verbandsgeschäftsführer. „Die Menschen mussten doch in diesem Jahr auf so viel verzichten. Da muss es doch möglich sein, diese ja auch emotionale Tradition aufrechtzuerhalten. Das ist doch der Ursprung von Feuerwerk: die bösen Geister dieses Jahres mit Getöse zu verabschieden“, ergänzt er noch.

Zumindest wird es für den Endverbraucher schwieriger überhaupt Raketen und Böller zu kaufen. Bereits im vergangenen Jahr hatten einige Händler Silvester-Feuerwerk aus ihrem Sortiment gestrichen. In diesem Jahr kommen die Baumärkte Hornbach und Obi dazu. Die Handelsgesellschaft für Baustoffe (Hagebau) wird 2020 zum letzten Mal Feuerwerkskörper im Gesamtsortiment haben. 2021 werden daher nur noch vereinzelt Hagebaumärkte Feuerwerk anbieten.

Die großen Supermarktketten halten allerdings weiter am Verkauf von Böllern fest. Eine Pressesprecherin von Kaufland teilte beispielsweise mit, dass man die aktuelle Diskussion zum Thema Feuerwerksverbot an Silvester sehr aufmerksam verfolge. „Sollte es entsprechende Reglementierungen geben, werden wir diese selbstverständlich einhalten.“ Eine verbindliche Aussage sei aufgrund der dynamischen Corona-Situation nicht möglich. Man plane also mit dem Verkauf in den Filialen, das Sortiment umfasst rund 80 Artikel.

Der Städte- und Gemeindebund spricht sich auch gegen ein generelles Feuerwerksverbot aus. „Die Leute haben doch Frust ohne Ende. Alles wird verboten, nirgends kann man hin“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg gestern. Für die einzelnen Haushalte sehe er keinen Anlass für ein großes Verbot. Genauso sieht es auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Auch er lehnt ein generelles Verbot ab.

Das hessische Innenministerium verwies auf das Sozialministerium. „Die Entscheidung darüber, ob oder in welchem Rahmen Feuerwerk oder Menschenansammlungen an Silvester stattfinden können, fallen in den Bereich des Gesundheitsschutzes“, hieß es auf OP-Nachfrage.

Es wurde aber dennoch darauf hingewiesen, dass „die Polizei wie jedes Jahr auch in diesem Jahr an Silvester für Sicherheit und Ordnung sorgen und die dann möglicherweise geltenden Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie kontrollieren wird“.

Von Katja Peters

Marburg Bühnenjubiläum für Beate Lambert - Der Nachtclubkönig und die Kinderliedermacherin
19.11.2020
19.11.2020
19.11.2020