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Marburg Verband erteilt CO2-Steuer eine Absage
Marburg Verband erteilt CO2-Steuer eine Absage
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20:00 22.08.2019
Ein Auslieferungsfahrer hält auf dem Betriebsgelände eines Heizöllieferanten die Zapfpistole eines Tanklasters für die Auslieferung von Heizöl in den Händen. Quelle: Hauke-Christian Dittrich
Marburg

Im Ringen um eine zukunftsträchtige, klimafreundliche Energiegewinnung und im Zuge der Debatte über eine mögliche CO2-Steuer warnt der Verband für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH) vor „übereiltem Aktionismus“, sagt Hans-Jürgen Funke, Geschäftsführer des VEH im Gespräch mit der OP. Der Druck auf den Brennstoffhandel wächst, ebenso wie die Sorge um einen schrumpfenden Mineralölmarkt. Der Verband sieht sich derzeit mit potenziellen Neuregelungen im Bereich Wärme konfrontiert und mischt mit in der Debatte um neue Einsparpotenziale der CO2-Emissionen.

Die sieht Verbandschef Funke­ vor allem in Privathaushalten: Der Großteil an Emissionen werde dort durch die Energiegewinnung erzeugt, Strom, Wärme, Transport. Den Hauptteil mache die Wärme aus, „es gibt am Wärmemarkt viel Einsparmöglichkeiten, aber auch Investitionshürden“, sagt Funke. Als zielführend betrachtet der Verband dabei die technische Aufwertung und den – stärker staatlich geförderten – Austausch ­alter Ölheizungen, die weniger verbrauchen.

Mit aus diesem Grund spreche sich der Verband auch gegen eine potenzielle CO2-Steuer aus: Dass diese im Rahmen mehrere Ausbaustufen bei bis zu 180 Euro liegen könne, könne zu einer „zu hohen Belastung“ für Ölheizungsbetreiber werden, meint Funke. Ein Preis auf CO2 könne zwar eine „Lenkungswirkung“ haben, doch dadurch steigende Kosten würden im Umkehrschluss wieder bei der Erneuerung der Anlagen fehlen, etwa um alte Heizungen zu modernisieren.

Die mögliche Abkehr vom teureren Öl könne den Markt wiederum Kunden kosten, auch wenn sich der Verband für sparsamere Anlagen ausspreche. „Wir rufen aktiv zum Energiesparen auf“, sagt Funke. Verluste am Markt nehme man in Kauf, Hauptsache die Abnehmer bleiben: „Es ist wichtig, die Kunden zu halten.“

Hessenweit nutzen nach Angaben des Verbandes etwa 1,8 Millionen Menschen eine Ölheizung – etwa 30 Prozent. Mit rund 500.000 Anlagen gehört Hessen zu den Bundesländern mit einem vergleichsweise ­hohen Bestand an Ölheizungen. Bundesweit würden etwa 5,5 Millionen Ölheizungen betrieben.

„Die Ölheizung aus dem Markt zu drängen ist der falsche Weg – es gibt keine Alternativen“, meint Funke. Man stelle sich nicht gegen eine Wärme- und Energiewende an sich: „Es geht uns um die Umsetzung, wir wehren uns nicht gegen den Wandel.“ Wandel – das heißt für den Verbandschef nicht die sofortige, vollständige Abkehr vom Öl. Nach heutigem Stand könne die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen nicht mit Erneuerbaren ersetzt werden, „dafür wäre drei Mal so viel Erneuerbare Energien nötig“, sagt Funke.

Dahingehend spricht er sich verstärkt für die politische Förderung von Alternativen aus, etwa für synthetisches Öl. Das könne klimafreundlich aus Wasser, beziehungsweise Wasserstoff – über das sogenannte „Power-to-Gas“-Verfahren erzeugt – und unter Zugabe von Kohlendioxid (CO2) hergestellt werden. Und das mittels Öko-Strom – nur dann würde auch bei der Verbrennung nur so viel CO2 freigesetzt, wie vorher gebunden werde.

Verband für Energiehandel Südwest-Mitte

Der VEH vertritt bundesweit die Interessen der Händler für Brennstoffe und Mineralöle. Dem VEH Südwest-Mitte gehören nach Verbandsangaben etwa 400 vorwiegend mittelständische Firmen in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und im Saarland an.

In synthetischen Kraftstoffen,­ in den sogenannten „E-Fuels“ sieht Funke eine Zukunft für den Markt, statt mit Erdöl, könne künftig mit dem Erdölersatz geheizt werden. Langfristig könne man sich damit vom Erdöl „verabschieden – vielleicht in Stufen, im Laufe von Jahren und Jahrzehnten erweitern wir auf 100 Prozent“.

Nur brauche das laut Verband mehr Zeit, noch laufe die Entwicklung eher mäßig, nur wenige Pilotprojekte befassen sich hierzulande mit der Herstellung von synthetischem Öl, das bislang „noch nicht wirtschaftlich produziert werden kann, dabei ist das technisch ausgereift“.

von Ina Tannert