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Marburg Verbände fordern Gleichbehandlung mit dem Breitensport
Marburg Verbände fordern Gleichbehandlung mit dem Breitensport
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18:58 21.03.2021
Solche Bilder wie dieses vom Auftritt des Klangforums Marburg im März 2019 sehnen viele Sängerinnen und Sänger wieder herbei.
Solche Bilder wie dieses vom Auftritt des Klangforums Marburg im März 2019 sehnen viele Sängerinnen und Sänger wieder herbei. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Mit Unverständnis und Verärgerung reagieren hessische Chöre, Sängerbünde und Musikvereine auf die hessische Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung (CoKoBeV). Darin heißt es in §1 Absatz 2b lapidar: „Es wird davon ausgegangen, dass ein besonderes öffentliches Interesse für Chorproben nicht besteht; Chor- und Orchesterproben, die nicht beruflich bedingt sind und für die deshalb kein öffentliches Interesse besteht, dürfen daher aktuell nicht stattfinden. Umfasst sind alle Zusammenkünfte zum Musizieren.“

Über eine Millionen Menschen singen in Chören

Das ärgert Chöre und Orchester. In einem offenen Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier und Kai Klose, den hessischen Minister für Soziales und Integration, weisen mehrere Verbände wie der Hessische Sängerbund, der Hessische Musikverband, darauf hin, dass es in Hessen über eine Million Menschen jeden Alters gibt, „die leidenschaftlich gemeinsam in Chören und Orchestern der Amateurmusik musizieren“.

Diese Ensembles seien eine „essenzielle Stütze des zivilgesellschaftlichen Engagements, kulturellen Schaffens und wichtige Sozialisationsinstanzen“. Als Orte der Zusammenkunft trügen sie zum demokratischen Austausch und gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.

Aus Gründen des Infektionsschutzes nicht in Präsenz

Die vielfältige Chor- und Orchester-Szene in Hessen sei momentan nur aus Gründen des Infektionsschutzes nicht in Präsenz aktiv. Dies sei allerdings nicht mit „fehlendem öffentlichen Interesse“ von über einem Sechstel der Hessischen Bevölkerung gleichzusetzen, „sondern mit unserer Vernunft und unserem gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein“, heißt es in dem Schreiben. Offensichtlich seien „unsere zahlreichen Mitglieder (bewusst) zu leise“ gewesen, „weshalb ihre Bedeutung von Ihrer Seite auf fatale Weise falsch gedeutet wurde“.

Verbände fordern Gleichbehandlung von Amateurmusik und Amateursport

Die Verbände erwarten „vom Land Hessen eine Gleichbehandlung von Amateurmusik und Amateursport“. Musikproben und -konzerte könnten mit effektiven Hygienemaßnahmen ebenso im Freien stattfinden wie sportliche Aktivitäten. Sie werfen der hessischen Landesregierung „eine Vernachlässigung der Amateurmusik“ vor. Viele Ensembles und Vereine stünden nach einem Jahr Corona-Lockdown vor existenziellen Problemen. Noch gebe es in nahezu jedem Dorf einen Chor oder ein Orchester.

Online-Treffen mit dem Oberbürgermeister

Auch bei einem Online-Treffen mit Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies sprachen etwa 20 Vertreterinnen und Vertreter von Marburger Chören über die derzeitige Situation im Chorwesen. Dies teilte Almuth Westecker mit, Sprecherin einer Gruppe, die in Marburg das „Chöre Kultur Haus“ initiiert hat. Die vielfältige und lebendige Chorszene Marburg gelte es zu fördern, habe Spies bei diesem Treffen betont.

Finanziert wird das „Chöre Kultur Haus“ von der Stadt. Bislang allerdings konnten in dem Gebäude aufgrund der Corona-Bedingungen noch keine regulären Proben von Chören stattfinden. Spies sieht das „Chöre Kultur Haus“ gleichwohl als wichtige Starthilfe, um Chören auch während der Pandemie so bald wie möglich wieder das gemeinsame Singen zu ermöglichen.

Spies setzt sich für Singen im Chor ein

Befragt zur neuesten Corona-Verordnung der Hessischen Landesregierung kündigte Spies an, er werde sich auf der Ebene städtischer Kulturdezernenten und in weiteren Gremien dafür einsetzen, dass auch dem Singen im Chor öffentliches Interesse bescheinigt werde.

Nur so sei es möglich, analog zum Breitensport, die Tätigkeit von Chören und anderen Kulturgruppen als öffentliches Anliegen zu betrachten und in Öffnungsstrategien während der Corona-Pandemie zu berücksichtigen.

Von Uwe Badouin