Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Mobilo-Pavillon zerstört
Marburg Mobilo-Pavillon zerstört
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:58 10.11.2020
Fassungslos stehen Carin und Lutz Götzfried vor den zerstörten Pavillonplanen.
Fassungslos stehen Carin und Lutz Götzfried vor den zerstörten Pavillonplanen. Quelle: Foto: Carsten Beckmann
Anzeige
Marburg

Es gibt wohl kaum einen Touristen, der diesen Aussichtspunkt nicht ansteuert, und auch viele Marburgerinnen und Marburger kommen gern zum Kaiser-Wilhelm-Turm, um das Panorama zu genießen. Doch leider scheint dieser idyllische Ort auch Menschen anzuziehen, die nicht von der Postkartenromantik fasziniert sind, sondern ihrem blinden Zerstörungstrieb nachgehen. An den vergangenen zwei Wochenenden wurde der vor dem Turm auf der Aussichtsterrasse stehende Bühnenpavillon Ziel bisher unbekannter Täter, die die Planen aufschlitzten. Spätestens seit dem zweiten Vorfall, der sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag ereignet haben muss, ist die Anlage vorerst nicht mehr nutzbar. Betreiber des Turmcafés und des dazugehörigen Außengeländes ist der gemeinnützige Verein „Mobilo“.

„So etwas passiert dort zum ersten Mal“

„Die Anlage haben wir 2017 mit Spenden und viel Eigenleistung bauen können“, erinnert sich die „Mobilo“-Vorsitzende Carin Götzfried. 40 000 Euro habe der Pavillon seinerzeit gekostet, den aktuellen Schaden beziffern Carin Götzfried und der für das Kulturprogramm verantwortliche Lutz Götzfried auf mehrere tausend Euro. Grundsätzlich könne man die Planen durch neue ersetzen und der Pavillon sei auch gegen Vandalismus versichert. Doch vorerst werde wohl nichts repariert, meinten die Götzfrieds gestern im Gespräch mit der OP und warfen die bange Frage auf: Was, wenn die Zerstörungen weitergehen?

Polizeisprecher Martin Ahlich sagte gestern auf Anfrage der OP, dass das Areal rund um den Kaiser-Wilhelm-Turm bisher nicht als „Brennpunkt polizeilicher Maßnahmen“ aufgefallen sei: „So etwas passiert dort zum ersten Mal.“ Die beiden vorliegenden Strafanzeigen gegen Unbekannt rechtfertigten allerdings, so Ahlich, nicht den Einsatz einer Objektschutzstreife. Der Polizeisprecher führte in diesem Zusammenhang auch die derzeitige Belastung der Beamten durch die A-49-Thematik sowie die Corona-Pandemie ins Feld. Mit dieser Begründung hatte die Polizei auch den Götzfrieds bereits wenig Hoffnung auf mehr Polizeipräsenz am Kaiser-Wilhelm-Turm gemacht, als sie Anzeige erstatteten.

Kameraüberwachung ist nicht zulässig

Eine Kameraüberwachung im Außenbereich sei nicht zulässig, so Lutz Götzfried, der für den Dezember durchaus noch die eine oder andere coronakonforme Veranstaltung auf der Pavillonbühne geplant hatte – vorausgesetzt, dass bis dahin die Lockdown-Regelungen wieder gelockert sind. So wollte etwa der Marburger Friedens- und Konfliktforscher Dr. Johannes M. Becker sein traditionelles Programm „Weihnachten ist schon ’n gemeiner Trick“ dort aufführen, und auch die Winterlesung der Marburger Schreibwerkstatt hätte im Pavillon stattfinden können.

Festangestellte in Kurzarbeit

Einen privaten Sicherheitsdienst mit der nächtlichen Bewachung der Anlage zu betrauen, könne sich der Verein vermutlich nicht leisten, sagen die „Mobilo“-Verantwortlichen, die ohnehin schon – wie alle Kulturschaffenden – unter der Pandemie zu leiden haben: Die festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, die geringfügig Beschäftigten müssten wieder zum Kreisjobcenter, sagt Carin Götzfried.

Wer sich für die Arbeit von „Mobilo e.V.“ interessiert, findet weitere Informationen unter www.spiegelslustturm.de

Von Carsten Beckmann

Marburg Vandalismus auf den Lahnbergen - Pavillon am Turm zerstört
10.11.2020
09.11.2020