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Marburg VR Bank Lahn-Dill bleibt auf Wachstumskurs
Marburg VR Bank Lahn-Dill bleibt auf Wachstumskurs
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12:56 01.02.2020
Das Geschäfts- und Wohnhaus in der Dillenburger Rathausstraße war 2019 die größte Einzelinvestition der VR Bank Lahn-Dill.  Quelle: Frank Rademacher
Biedenkopf

Null- oder gar Negativzinsen, Handelskriege mit Strafzöllen, Exportrückgänge, der anstehende „Brexit“, Fachkräftemangel, Konjunktureintrübungen und Unsicherheiten in Bezug auf den digitalen Wandel – Gründe, warum es für die fusionierte VR-Bank Lahn-Dill nicht so laufen sollte, gäbe es genug. Aber die Bilanz der Genossenschaftsbank fällt rundum positiv aus. Das Jahr eins nach der Fusion der drei Volksbanken aus dem Hinterland und dem ehemaligen Dillkreis wartet mit positiven Zahlen auf. Fast 4 Milliarden Euro betrug das betreute Kundenvolumen, eine Steigerung um 193 Millionen oder 5,2 Prozent. Den Hauptzuwachs gab es bei den Einlagen der Kunden, die um 160 Millionen auf 2,495 Milliarden Euro zugelegt haben, wie Vorstand Klaus Königs anlässlich der Bilanzpressekonferenz in Dillenburg mitteilte.

Auch hier zeigt die anhaltende Niedrigzinsphase Wirkung. Die Kunden orientierten sich vermehrt hin zu Wertpapier-Anlagen und Vorsorgeprodukten. Allein in diesem Segment habe es einen Zuwachs von 105 Millionen Euro gegeben.

Und ein weiterer Trend sei festzustellen. „Immer mehr Kunden fragen ganz gezielt nachhaltige Anlagemöglichkeiten nach“, erklärt Königs. Das decke sich auch mit dem Genossenschaftsmodell der Bank, ergänzt sein Kollege Ralph-Uwe Orth. Das Thema „Nachhaltigkeit“ werde denn auch einen Schwerpunkt in den kommenden Jahren bilden. Negativzinsen für die Sparer schloss Sprecher Königs aus.

Im Kreditgeschäft fiel der Zuwachs nicht ganz so stark aus: Das Kreditvolumen stieg um 32 Millionen auf 1,429 Milliarden Euro. Fast 3 950 neue Kreditvereinbarungen seien im vergangenen Jahr getroffen worden mit einem Volumen von 285 Millionen Euro. „Das Geld bleibt in der Region“, nennt Orth einen Grundsatz der VR-Bank, an dem auch die Fusion nichts geändert habe.

Kapitalausstattung „überdurchschnittlich“

Die Kapitalausstattung der Bank befinde sich auf einem überdurchschnittlichen Niveau, hatte zuvor Armin Wickel gesagt. Damit stelle das regionale Geldhaus sicher, dass auch künftig ausreichend Geld für Investitionen vorhanden sei. „Die Kreditvergabemöglichkeiten sind bei uns nicht eingeschränkt“, versprach Orth auch mit Blick auf die vielen mittelständischen Unternehmen aus der Region. Die zeigten sich bislang trotz der schwieriger werdenden internationalen Rahmenbedingungen als robust und investitionsbereit.

Unter dem Strich erwirtschaftete die VR Bank Lahn-Dill 2019 einen Überschuss von 15,8 Millionen Euro. Negativ hatten sich die niedrigen Zinsen ausgewirkt. Hier war das Ergebnis um 1,3 Millionen auf 32,1 Millionen Euro gesunken. Dafür gab es bei den Provisionen einen Zuwachs um 600.000 Euro auf 15,5 Millionen Euro. Nicht zuletzt durch Synergieeffekte der Fusion konnten die Verwaltungskosten von 33,1 auf 31,5 Millionen Euro gesenkt werden.

Der Vorstand schlage deshalb das Auszahlen einer Dividende von fünf Prozent vor. Positiv hat sich im vergangenen Jahr auch die Zahl der Mitarbeiter entwickelt. Waren es Ende 2018 noch 353 gewesen, stieg ihre Zahl auf 367. 244 davon sind Vollzeitstellen. 2019 seien wieder zehn neue Auszubildende eingestellt worden. Man bekomme den Fachkräftemangel zu spüren. Deshalb werde großer Wert auf Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten gelegt, erklärte Ralph-Uwe Orth.

Die regionale Ausrichtung zeige sich auch bei den Investitionen, betonte Vorstand Klaus-Dieter Theis. 6,4 Millionen Euro habe das Geldinstitut investiert, wovon überwiegend Firmen aus der Region profitiert hätten. Der neben der Dillenburger Zentrale errichtete und inzwischen vermietete Gebäudekomplex sei die größte Einzelinvestition gewesen. In diesem Jahr sollen rund fünf Millionen Euro verbaut werden: So soll die Hauptstelle Biedenkopf neugestaltet werden, außerdem wird in die neue Filiale im Breitscheider Gesundheitszentrum und den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses in Herborn investiert.

von Frank Rademacher