Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Uraufführung über Hannah Arendt
Marburg Uraufführung über Hannah Arendt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:59 11.12.2021
Eine Szene aus dem Stück „Hannah! Das Erwachen eines politischen Bewusstseins".
Eine Szene aus dem Stück „Hannah! Das Erwachen eines politischen Bewusstseins". Quelle: Jan Bosch
Anzeige
Marburg

Eigentlich sollte das Stück „Hannah! Das Erwachen eines politischen Bewusstseins“ schon vor einem Jahr am Hessischen Landestheater Marburg Premiere feiern. Doch dann versank das Stück von Christian Franke – wie so viele andere Produktionen – im Corona-Lockdown des Winters 2020/21.

Ein Jahr später grassiert zwar noch immer die Corona-Pandemie, doch haben sich die Rahmenbedingungen geändert: Am Samstag findet nun tatsächlich die Uraufführung statt – auf der kleinen Bühne im Theater am Schwanhof unter der 2G-Regel: Zugang haben nur Geimpfte und Genesene, die Besucherzahl ist extrem begrenzt, die Premiere daher ausverkauft.

Autor Christian Franke führt auch selbst Regie. „Hannah! Das Erwachen eines politischen Bewusstseins“ ist seine erste Arbeit am Landestheater. Franke, der in Jena Literaturwissenschaft, Philosophie und Angewandte Ethik studierte und anschließend als Regieassistent, Dramaturg, Autor und Regisseur unter anderem am Schauspiel Frankfurt tätig war, „begibt sich auf die Spuren Hannah Arendts, die sie in Marburg hinterlassen hat und die doch weit darüber hinausreichen“, wie das Landestheater schreibt.

Hannah und die Liebe

Hannah Arendt lebte knapp zwei Jahre in Marburg: Von 1924 bis 1925 studierte sie an der Philipps-Universität Philosophie sowie Evangelische Theologie und Gräzistik. Sie verliebte sich in den verheirateten Philosophen Martin Heidegger. Die beiden führten eine geheime Beziehung, bis Heidegger Hannah Arendt Anfang 1926 dazu drängte, den Studienort zu verlassen.

Die Jüdin Hannah Arendt wurde 1933 in Berlin von der Gestapo verhaftet, nach acht Tagen Haft wieder freigelassen. Ihr gelang die Flucht über Karlsbad, Genf und Paris in die USA. Berühmt wurde die Publizistin durch ihre Berichterstattung über den Prozess gegen den SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann 1961 in Jerusalem.

Franke hat schon mehrere Theaterstücke über bekannte Persönlichkeiten verfasst: Etwa „Wut und Gedanke“ über Theodor W. Adorno, „Der Spieler: Dostojewski“ über den russischen Autor oder „Capa! Taro“ über den Kriegsfotografen Robert Capa.

Mit der Idee eines Stückes über Hannah Arendt ist er an die Intendantinnen Carola Unser und Eva Lange herangetreten. Die sagten zu. „Der Anlass war für mich, dass Hannah Arendt in Marburg studiert hat und sich hier mit Martin Heideggers Denken auseinandergesetzt hat“, sagte er der OP. Zwar steht Hannah Arendt im Zentrum, doch ist das Stück für Franke kein biografisches Theater. „Hannah! Das Erwachen eines politischen Bewusstseins“ spiele in dem Zeitraum von 1924 bis zu ihrer Verhaftung durch die Nazis im Jahr 1933.

Ein Fokus des Dramas liegt auf Rahel Varnhagen, einer jüdischen Schriftstellerin, die von 1771 bis 1833 in Berlin lebte und für die jüdische Emanzipation und die Emanzipation der Frauen eintrat. In Frankes Stück wird Rahel Varnhagen zur besten Freundin von Hannah Arendt.

Wie geht man mit einem Stück um, das fast ein Jahr fast fertig auf Halde liegt? „Es lag nicht so richtig. Ich habe mich bemüht, das Stück immer in der Schwebe zu halten und mich weiter damit beschäftigt“, sagt Franke, der unterdessen mit „Two Women Waiting For...“ ein weiteres Drama über Hannah Arendt am Theater Bielefeld auf die Bühne gebracht hat.

Es spielen Saskia Boden-Dilling, Jorien Gradenwitz und Christian Simon. Bühne und Kostüme stammen von Sabine Mäder, die Musik verantwortet Tim Roth.

Die Premiere am Samstag, 11. Dezember, um 19.30 Uhr ist ausverkauft. Weitere Aufführungen sind am 16. und 17. Dezember sowie am 13. und 16. Januar ab 19.30 Uhr.

Von Uwe Badouin