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Marburg Unterricht auf Abstand
Marburg Unterricht auf Abstand
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07:56 20.05.2020
Christian Beyer, Lehrer am Gymnasium Philippinum, steht vor seiner Klasse. Mit Sicherheitsabstand. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Erik ist froh, dass er wieder in die Schule darf. „Das ist besser, weil man die Lehrer direkt fragen kann, wenn man was nicht versteht“, sagt der Elfjährige und fügt lächelnd hinzu: „Eltern wissen ja auch nicht immer alles.“

Nach wochenlangem Homeschooling freut sich Erik vor allem, seine Klassenkameraden der 5a des Gymnasium Philippinums wiederzusehen. Wenn auch unter verschärften Corona-Bedingungen.

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Die Klasse wurde geteilt, nur 13 Schülerinnen und Schüler sitzen weit voneinander entfernt im Zimmer, der Rest wird in einem anderen Raum unterrichtet.

Die Fenster sind auf, genauso wie alle Türen im gesamten Gebäude. Maske müssen die Schülerinnen und Schüler nur tragen, wenn sie ihre Klassenzimmer verlassen.

Schüler halten sich an die Regeln

Im Entenmarsch geht es nur klassenweise auf den Pausenhof. Auch dort sind wie überall im Gebäude Abstandsmarkierungen auf die Böden geklebt. „Nicht so eng aufschließen, nicht überholen“, sagt Michael Breining, Schulleiter des Gymnasiums Philippinum.

Er ist begeistert, wie diszipliniert sich die Schülerinnen und Schüler an die neuen Regeln halten. Als ein wenig komisch beschrieb er im Gespräch mit der OP das Gefühl, das er zum coronabedingten „Schulstart“ im großen Stil mitten im laufenden Schuljahr hatte.

Nachdem die Zwölftklässler zwischenzeitlich schon wieder angefangen hatten, kamen fast 200 Schüler verschiedener Klassenstufen nun im Philippinum hinzu. An jedem dritten Tag hat jeweils ein Drittel der Schüler Unterricht.

Keine Klassenarbeiten mehr an der E-Schule

Los ging es aber noch nicht mit Fachunterricht. Erst ging es um das Ankommen in der Schule. Es sind schließlich überall auch bei den Schülern viele Ängste“, sagt der Schulleiter. Eine „große Pause“ für alle gibt es in seiner Schule noch nicht. Allerdings konnten die Schüler im Klassenverbund schon einmal eine Freiluftpause auf dem Schulhof genießen.

Das allmähliche Einüben von „Schul“-Normalität steht auch auf der anderen Seite der Leopold-Lucas-Straße an der Elisabethschule auf dem Stundenplan.

Immerhin 170 Schülerinnen und Schüler kamen am gestrigen Montag dort wieder zusammen. Wie in den anderen Schulen ist es aber immer wegen Abstandsregelungen nur die halbe Klasse, die sich in einem Klassenraum trifft. Und noch etwas ist besonders: Bis zu den Sommerferien werden erst einmal keine Klassenarbeiten mehr geschrieben, erläutert Schulleiter Gunnar Merle. Die Noten werden prinzipiell nach dem bis Mitte März erreichten Leistungsstand vergeben.

Den Lehrern tut das Wiedersehen gut

Wie das zwischenzeitliche Online-Lernen so funktionierte, das wurde an der Elisabethschule bisher noch nicht bilanziert. Momentan geht es Lehrern und Schülern erst einmal darum, wieder eine Art Gemeinschaftsgefühl in der Schule zu erleben.

„Die Freude ist groß, die Schüler wieder zu sehen. Und auch den Kollegen im Lehrerzimmer hat es gutgetan, sich wieder miteinander zu unterhalten“, sagt Merle.

Sein Schulleiterkollege Klaus Schäfer von der Emil-von-Behring-Schule hat zum „Neustart“ an seiner Schule bereits alle Schüler begrüßt. „Viele waren froh, dass es endlich wieder ein Stück Normalität gibt“, sagt er.

Die meisten haben Lust auf „richtige“ Schule

Wie an allen anderen Schulen geht es auch bei der Behring-Schule um die strikte Einhaltung eines Hygiene-Plans. Das gilt für die Abstandsregelungen im Klassenraum und in den Gebäuden sowie das regelmäßige Lüften der Unterrichtsräume und die Toilettengänge während der Stunde.

Doch überwiegend herrscht an den Schulen jetzt erst einmal Erleichterung über den Schulstart. „Die Schüler freuen sich unbändig, dass sie sich wieder haben“, sagt Thomas C. Ferber, Leiter der Richtsberg-Gesamtschule. Selbst wenn die Ausstattung mit I-Pads zwischendurch den Online-Unterricht erleichtert hätte, hätten die meisten doch auch wieder Lust gehabt, bei allen doch notwendigen Corona-Beschränkungen sich in der Schule zu treffen.

Von Nadine Weigel und Manfred Hitzeroth