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Marburg Innensanierung für Hörsaalgebäude und Mensa
Marburg Innensanierung für Hörsaalgebäude und Mensa
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12:00 11.05.2022
Leon Wenz, Philip Ring und Roman Welker sitzen in der Mittagspause vor dem Hörsaalgebäude der Uni Marburg. Das Gebäude muss saniert werden.
Leon Wenz, Philip Ring und Roman Welker sitzen in der Mittagspause vor dem Hörsaalgebäude der Uni Marburg. Das Gebäude muss saniert werden. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Zwei große Zweckbauten im Lahntal sind in die Jahre gekommen. Für das Uni-Hörsaalgebäude an der Biegenstraße sowie das Mensagebäude (Studentenhaus) des Studentenwerks steht in den kommenden Jahren noch vor der 500-Jahr-Feier im Jahr 2027 eine Komplettsanierung an.

So soll zunächst die Sanierung des im Jahr 1964 fertiggestellten Uni-Hörsaalgebäudes über die Bühne gehen, erläuterte Maja Turba von der Uni-Bauabteilung im Uni-Senat. Dabei handelt es sich um das größte Gebäude der Philipps-Universität, in dem bis zu 3 000 Studierende parallel belehrt werden können.

Gestartet war das Mammutprojekt der Grundsanierung des aus den 60er-Jahren stammenden Gebäudes, als von 2009 bis 2011 die Gebäudehülle saniert wurde und der Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht wurde. Jetzt steht der letzte Bauabschnitt der Rundumsanierung an. Dabei handelt es sich um eine energetische Sanierung der Innenräume. Unter anderem steht der Austausch der Beleuchtung an, auch die weitere Technik im Inneren ist nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Losgehen soll es im Jahr 2023

Dann soll das Hörsaalgebäude rund zwei Jahre – vom April 2023 bis zum Start des Sommersemesters im Jahre 2025 – wegen der anstehenden Arbeiten geschlossen bleiben. In dieser Zeit sind alle Hörsäle im Uni-Hörsaalgebäude nicht nutzbar, machte Turba deutlich.

Das bedeutet aber auch, dass für diese Zeit nach Alternativlösungen für den universitären Lehrbetrieb gesucht wird. Eine Idee sieht so aus, dass eine Art „Leichtbau-Hörsaal“ mit einem Fassungsvermögen von 500 Plätzen errichtet werden könnte, der dann auf dem Vorplatz des Hörsaalgebäudes stehen würde. Mindestens so viele Sitzplätze werden nach Berechnungen der Uni-Verwaltung für die größten universitären Lehrveranstaltungen benötigt. Diese finden derzeit noch im Audimax statt – dem größten Hörsaal im Hörsaalgebäude mit einem Fassungsvermögen von mehr als 900 Plätzen.

COME-Programm

Bereits im Frühling 2008 startete der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) für die von ihm bewirtschafteten Liegenschaften ein „CO2-Minderungsprogramm“, um bei Sanierungsmaßnahmen und im Gebäudebetrieb eine höchstmögliche CO2-Minderung zu erzielen. Das Programm wurde zunächst mit einem Budget von 47 Millionen Euro ausgestattet und orientierte sich am Sanierungszyklus von Gebäuden.

Mit den Beschlüssen der Nachhaltigkeitskonferenz des Landes Hessen vom Oktober 2008 und Juli 2009 änderten sich die Rahmenbedingungen für das CO2-Minderungsprogramm des LBIH. Das CO2-Minderungsprogramm wurde als Teilprojekt in das Projekt CO2-neutrale Landesverwaltung integriert.

Seit der Fertigstellung der Maßnahmen im Jahr 2020 werden in einem zweiten Programm (COME-Hochschulen) bis 2025 insgesamt 200 Millionen Euro für die energetische Sanierung und Ertüchtigung und von Hochschulgebäuden bereitgestellt.

Zusätzlich zu dem provisorischen Leichtbau-Hörsaal werden aber noch weitere Alternativstandorte benötigt. So rechnen die Uni-Verantwortlichen fest damit, dass sie die acht Seminarräume mit einem Fassungsvermögen zwischen 40 und 100 Plätzen nutzen können, die in dem Seminargebäude entstehen, das zeitgleich zum neuen Bildarchiv-Bau auf dem ehemaligen Brauerei-Areal am Sprachatlas gebaut wird. Aber auch die Nutzung der Turnhalle am Uni-Stadion, zumindest im Sommer, und eine Verlagerung von Lehrveranstaltungen vom Lahntal auf die Lahnberge werde angedacht.

Auch für universitäre Tagungen, die ansonsten üblicherweise im Hörsaalgebäude stattfinden, werden Ausweich-Szenarien erwogen, beispielsweise das Ausweichen in das neue Synmikro-Gebäude auf den Lahnbergen. „Insgesamt ist das Ganze eine echte Hausnummer, und wir brauchen Flexibilität“, machte Turba deutlich.

Und Uni-Präsident Professor Thomas Nauss warb um Verständnis dafür, dass die Innensanierung im Hörsaalgebäude nicht schon jetzt während der intensiven Corona-Phase geschafft wurde. Der Zeitplan hänge schließlich auch davon ab, wann die Fördergelder zur Verfügung stünden. Laut der Zielvereinbarung der Uni mit dem Land Hessen kommen dafür insgesamt rund 12,5 Millionen Euro aus zwei Fördertöpfen: dem Hochschulbauprogramm Heureka II sowie dem „COME“-Programm zur Förderung der Energieeffizienz.

An die Fördergelder gebunden ist auch das zweite Großprojekt, das ebenfalls über das „COME“-Programm der Landesregierung mitfinanziert wird. Die Auswirkungen der geplanten Schließung der Erlenring-Mensa in den Jahren 2024 und 2025 betreffen ebenfalls vor allem die Marburger Studierenden. Dabei handelt es sich um ein Projekt mit einem Finanzierungsvolumen von 12 Millionen Euro.

Auch die Mensa Erlenring muss saniert werden. Quelle: Thorsten Richter

Auch in diesem Fall gibt es ein Ausweich-Szenario. „Eventuell können wir eine Zelt-Mensa auf dem Erlenring-Parkplatz aufbauen“, erläuterte Maja Turba. Zudem könnte auch mehr Mittagessen in den dezentralen Cafeterien des Marburger Studentenwerks ausgegeben werden, die die Mensa am Erlenring betreiben.

Die Universität hat die Planungen für das Projekt an das LBIH (Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen) vergeben, erläutert Franziska Busch, Sprecherin des Studentenwerks, auf Anfrage der OP. „Aktuell finden Besprechungen mit den entsprechenden Fachplanern statt, also Küchen-, Elektro- und Sanitärplanern“, berichtete Busch. Dabei sei zutage getreten, dass der Bedarf an Sanierungsmaßnahmen über das hinausgehe, was die unter das „COME“-Programm fallende reine energetische Sanierung beinhalte.

Die größten Uni-Baustellen

Die größten Baustellen der Universität lagen in den zurückliegenden Jahren sowohl im Lahntal als auch auf den Lahnbergen.

Der „Campus Firmanei“ im Lahntal bildet am Fuße der Oberstadt ein neues geistes- und sozialwissenschaftliches Zentrum. Der Campus umfasst ein circa zwölf Hektar großes Gebiet, zu dem das ehemalige Klinikviertel zwischen Ketzerbach, Pilgrimstein und Deutschhausstraße und der Alte Botanische Garten ebenso gehören wie das Areal um die ehemalige Brauerei und das zentrale Hörsaalgebäude in der Biegenstraße.

Am Pilgrimstein wurde 2016 der Neubau des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas eingeweiht und im April 2018 wurde als Herzstück des Campus Firmanei die neue Universitätsbibliothek eröffnet. Zeitgleich werden die historischen, teilweise denkmalgeschützten ehemaligen Klinikbauten für geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Institute umgebaut.

Auf den Lahnbergen entstanden in den vergangenen Jahren als Uni-Bauten unter anderem das Biomedizinische Forschungszentrum (2005), das BSL-4-Labor (2007), der Modulbau Synmikro ZSM 1 (2013), das Zentrum für Tumor- und Immunbiologie (2014), der Chemie-Neubau (2014) und der Forschungsbau Synmikro ZSM 2 (2021).

Von Manfred Hitzeroth

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