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Marburg Gesund essen im Studium – geht das?
Marburg Gesund essen im Studium – geht das?
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08:00 10.05.2022
Für viele Studierende, die für wenig Geld essen wollen, ist die Mensa Anlaufstelle Nummer eins.
Für viele Studierende, die für wenig Geld essen wollen, ist die Mensa Anlaufstelle Nummer eins. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Eine offene Dose Ravioli, ein Sixpack Bier und sonst gähnende Leere. So oder so ähnlich stellt man sich den typischen Kühlschrank eines Studierenden vor. Nicht gerade gesund also. Oftmals sieht die Realität dann doch ganz anders aus. „Der Grundgedanke, sich gesund zu ernähren, ist immer da“, sagt der Marburger Medizinstudent Nils Gerland. „Wenn ich in der Mensa die Wahl zwischen etwas Fettigem oder Gesundem habe, entscheide ich mich immer für die gesunde Variante“, meint der 26-Jährige. Also lieber die Ofenpaprika anstelle des Burgers.

Lediglich in Stressphasen werden auch Studierende schwach. „Wenn es in der Uni stressiger wird, zum Beispiel in der Prüfungsphase, geht es häufiger darum, satt zu werden. Man hat einfach weniger Zeit“, erklärt Emma Süllow, die in Marburg Medizin studiert. „Doch wenn mehr Zeit da ist, wie am Wochenende, koche ich, worauf ich Lust habe“, sagt die 29-Jährige. Dem schließt sich auch Gerland an. „Wie gesund man sich ernährt, kommt auf die Phase des Studiums an“, sagt er. „Wenn es entspannt ist, ernähre ich mich gesünder.“

Wie gesund ernähren sich Studierende? Laura Kondraschow (20, Jura; von links), Leon Siemund (20, Jura) und Greta Schütte (21, Politikwissenschaften) sprachen mmit der OP über dieses Thema. Quelle: Lucas Heinisch

Für Studierende, die mit Kochen weniger am Hut haben, trotzdem aber für kleines Geld essen möchten, ist wohl die Mensa die erste Adresse. Vor allem seit es wieder Präsenzveranstaltungen gibt, kämen mehr Studierende zur Mensa, meint Franziska Busch vom Studentenwerk Marburg. „Die Besucherzahl steigt in den letzten Monaten konstant. Es ist schön, dass die Studierenden wieder in ihre Mensa kommen“, freut sie sich. Dabei passten sie die Gerichte den Ansprüchen der Studierenden an. „Wir bieten täglich mindestens ein komplett veganes Menü inklusive veganem Dessert an. Zusätzlich gibt es täglich auch ein vegetarisches Menü. Der Verkauf dieser Gerichte hat in den letzten Jahren stark zugenommen“, sagt Busch. Aber auch Klassiker wie Schnitzel und Burger sind zu haben.

5 Tipps von der Expertin

Wer knapp bei Kasse ist, muss überlegen, für was und wie er sein Geld ausgibt. Ernährungsexpertin Misava Macamo aus Marburg gibt fünf Tipps für eine gesunde Ernährung auch bei kleinem Geldbeutel. Macamos Devise: „Gesunde Ernährung muss nicht kompliziert und aufwendig sein.“

Leitungswasser trinken: „Man braucht kein Wasser zu kaufen. In Deutschland kann man Leitungswasser bedenkenlos trinken“, sagt Macamo.

Vollkornprodukte essen: „Der Preisunterschied zum ,normalen‘ ist nicht so groß. Außerdem enthalten Vollkornprodukte Ballaststoffe und halten länger satt“, erklärt die 24-Jährige. Auch Haferflocken können auf den Speiseplan. „Sie sind günstig und nahrhaft.“

Eigenes Einkaufsverhalten beobachten: „Das eigene Einkaufsverhalten zu analysieren kann dabei helfen, herauszufinden, welche Lebensmittel überhaupt sinnvoll sind“, sagt die Expertin. Auch wenn man für ein sogenanntes Vorteilspack im Verhältnis weniger zahle, sei dies nicht unbedingt von Vorteil. Man esse dadurch mehr. Dann lieber nur zwei Quarkbällchen zum normalen Preis anstelle von fünf im Angebot. Allgemein weist Macamo darauf hin, dass man sowohl drei Portionen Obst als auch Gemüse pro Tag essen solle. „Dabei ist auch Tiefgekühltes okay“, sagt sie. „Eine gesunde Ernährung hilft dabei, leistungsfähiger und konzentrierter zu sein.“

Saisonalität und Regionalität: „Wenn man saisonale Produkte isst, wie zum Beispiel Kohl im Winter oder Beeren im Sommer, kann es auch günstig sein“, so die Ernährungsexpertin. Auch „Superfoods“ aus Deutschland seien gut: Rote Bete, Leinsamen und Beeren.

Vegetarische Gerichte: „Man sollte häufiger auf vegetarische Gerichte zurückgreifen“, meint Macamo. Gemüse sei nicht zwangsläufig teuer.

Dass eine ausgewogene Ernährung auch mit dem Essensangebot der Marburger Mensa möglich ist, bestätigen mehrere Pharmaziestudierende. „Ich gehe gerne in die Mensa. Man kann immer etwas anderes essen“, sagt Vanessa Breitbarth. Das meiste Geld im Monat gebe sie für ihre Wohnung und Lebensmittel aus. Kommilitone Nils Gerowitz ist ebenfalls ein Mensa-Gänger. „In der Mensa kann man gut, gesund und abwechslungsreich essen.“ Allerdings sehen sie beide die Preiserhöhung für die Gerichte kritisch. Auch allgemein „werden gesunde Lebensmittel teurer“, ergänzt Gerowitz.

Geld für Wohnung und Lebensmittel

Dazu trage auch die Inflation bei, meint Jura-Student Leon Siemund. „Mit der gestiegenen Inflation ist es schwieriger geworden, sich gesund zu ernähren“, sagt der 20-Jährige. Trotzdem habe er fast immer Obst zu Hause. In der Mensa esse er häufig Gemüse. Kommilitonin Laura Kondraschow ergänzt, dass – auch wenn die Preise erhöht wurden – „man sich gesund und ausgewogen ernähren kann“. Greta Schütte, die Politikwissenschaften studiert, fügt hinzu: „Mittags gehe ich immer in die Mensa. Nach der Uni ist man häufig zu müde, um zu kochen.“

Das liebe Geld

Locker sitzt das Geld bei den meisten Studierenden nicht. Das spiegelt auch der durchschnittliche BAföG-Förderbetrag von 574 Euro für das Jahr 2020 wider (Quelle: statista).

Laut einer aktuellen Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts zahlen Studierenden im Januar dieses Jahres 350 Euro Komplett-Miete inklusive Nebenkosten für ein WG-Zimmer in Marburg. Laut der Januar-Erhebung aus dem Vorjahr lag der monatliche Mietpreis bei 340 Euro. Der bundesweite Durchschnittspreis für ein WG-Zimmer lag im Januar 2022 bei 414 Euro.

In Frankfurt liegt der Durchschnittspreis bei monatlich 550 Euro, in Heidelberg bei 450. Spitzenreiter ist München. Dort zahlt man für ein WG-Zimmer im Durchschnitt 680 Euro pro Monat.

Von Lucas Heinisch, Leonie Rink und Larissa Pitzen