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Marburg Fußball als „Spiegelbild der Gesellschaft“
Marburg Fußball als „Spiegelbild der Gesellschaft“
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08:00 12.06.2019
Der „Champions League“-Pokal vor dem Anstoß im Stadion in Madrid vor einigen Wochen. An der Marburger Uni gab es ein Seminar zum Thema Fußball. Quelle: dpa
Marburg

„Wir sind nicht das Zentralorgan des deutschen Fußballs“, machte „Kicker“-Chefredakteur Jörg Jakob in seinem einstündigen Vortrag auf Einladung der Macher des interdisziplinären Seminars klar. Zwar könne jeder über Fußball reden. Das Ziel des „Kicker“-Magazins sei es allerdings, weder „Fake News“ noch Stammtisch-Gespräche zu verbreiten.

Die Druckauflage des „Kicker“-Magazins hat sich in den vergangenen Jahren nahezu halbiert, ähnlich wie beim bundesweiten Trend für alle Printprodukte. Aber unter anderem aufgrund von Online-Live-Tickern erreiche der „Kicker“ bis zu 12 Millionen Menschen in Deutschland, vermeldete Jakob stolz. Dabei gibt es in der Leserschaft noch ein klassisches Rollenbild: Rund 94 Prozent der Leser sind Männer.

„Der Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“, sagte der „Kicker“-Chefredakteur. Er müsse auch viele gesellschaftspolitische Themen schultern. Allerdings wäre ohne die Berichterstattung über die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Katar die Debatte über die Missstände bei der Behandlung ausländischer Bauarbeiter in Katar nicht aufgekommen, meinte Jakob. Der globale Fußballbetrieb sei ein „Illusionstheater mit Widersprüchen“. Jeder Fußballfan wolle einerseits für fünf Euro im Stadion einen Stehplatz finden und hoffe zugleich, dass sein Verein Meister werde.

„Fußball und Politik“: Das war die eine Facette des Seminars, die Politik-Professor Thomas ­Noetzel einbrachte. Das zweite Thema lautete „Fußball und Religion“. Professor Marcel Sass vom Fachbereich Evangelische Theologie hat erstaunliche Ähnlichkeiten zwischen Religion und Fußball entdeckt wie die Gruppengesänge. „Viele Fangesänge basieren sogar auf Kirchenliedern“, sagte Sass im Gespräch mit der OP. Auch eine Exkursion zum Spiel eines Kultclubs, im Stadion der Offenbacher Kickers, stand auf dem Seminarprogramm. Die Studierenden wollten vom „Kicker“-Chefredakteur nach seinem Vortrag unter anderem wissen, wieso in der Zeitschrift nicht so ausführlich über die gerade gestartete Fußball-WM der Frauen berichtet wird wie sonst über die Männer-Weltmeisterschaften. Auch Themen wie „Homosexualität und Fußball“ oder die gehäufte Zahl von Trainerentlassungen kamen zur Sprache.

von Manfred Hitzeroth