Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Uni Marburg wirbt Humboldt-Professur ein
Marburg Uni Marburg wirbt Humboldt-Professur ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:58 19.11.2020
Depressionsforscher Stefan G. Hofmann soll von Boston nach Marburg kommen. Quelle: Cydney Scott/Boston University
Anzeige
Marburg

Er ist einer von acht Forschern, die für 2021 für den höchstdotierten internationalen Forschungspreis Deutschlands ausgewählt wurden. Der Psychologe ist einer der führenden Experten in der Behandlung von Angststörungen und Depressionen durch Methoden der Kognitiven Verhaltenstherapie. Zum ersten Mal in der zehnjährigen Geschichte des Forschungspreises hat sich die Uni Marburg im Wettbewerb um den begehrten Preis durchgesetzt. Wenn Hofmann sich mit der Uni Marburg jetzt in den Berufungsverhandlungen einigt, dann bringt er als neuer Professor das Preisgeld von fünf Millionen Euro mit und kommt Anfang kommenden Jahres an die Philipps-Universität.

„Das ist ein echter Meilenstein für die Philipps-Universität. Ich freue mich sehr, dass wir mit unserer Nominierung erfolgreich waren“, sagt die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause. „Mit der Humboldt-Professur werden wir die Klinische Psychologie noch enger mit den Neurowissenschaften verzahnen und auch auf internationaler Ebene unsere Strahlkraft in diesem Bereich ausbauen“, sagt Krause. Vor einigen Tagen war Hofmann schon für ein Sondierungstreffen in Marburg. „Das erste Gespräch mit Hofmann stimmt mich optimistisch, dass wir ihn dauerhaft an Marburg binden können“, sagt Krause.

Anzeige

„Für den Fachbereich Psychologie bedeutet das, dass die Forschungsinfrastruktur deutlich gestärkt würde“, sagte Prodekan Professor Martin Pinquart. Über den Erfolg der Marburger Universität freut sich auch der Marburger Psychologie-Professor Winfried Rief, der Hofmanns hohe Reputation als Forscher in der Klinischen Psychologie und Psychotherapie schätzt.

Stefan G. Hofmann hat eine Marburger Uni-Vergangenheit. So studierte er Psychologie an der Philipps-Universität Marburg, wo er 1990 das Diplom in Psychologie ablegte und dann auch 1993 von seiner Doktormutter Professorin Irmela Florin promoviert wurde. Nach Stationen an den Universitäten Göttingen und Dresden sowie einem DAAD-Forschungsstipendium an der Stanford University (USA) wechselte er 1996 an die Boston University. Dort hat er eine Professur am „Department of Psychological and Brain Sciences“ inne und leitet das „Psychotherapy and Emotion Research Laboratory“. Hofmann erforschte unter anderem, wie zwischenmenschliche Prozesse einen Einfluss auf die Regulierung der Emotionen bei Angststörungen haben und wie diese genutzt werden können. Bis zu 15 Prozent der Bevölkerung leiden im Laufe ihres Lebens unter einer Form von Angststörung. Und sie haben im schlimmsten Fall auch schon eine mit Herzrasen, Schwitzen, Zittern und dem Gefühl zu ersticken verbundene Panikattacke erlitten.

Doch gerade bei Angststörungen zeigt eine Kognitive Verhaltenstherapie gute Erfolge. Sie bietet Interventionen an, durch die die Betroffenen lernen können, ihre übersteigerten Emotionen zu regulieren, unangemessene Gefühlsreaktionen zu erkennen, ihnen zu begegnen und sogar umzulernen.

Hofmann arbeitet an der Schnittstelle zwischen Neurowissenschaften und Klinischer Psychologie. So machte er Erkenntnisse über die neuronalen Vorgänge bei Angststörungen im Gehirn für die Prozesse der Verhaltenstherapie nutzbar. An der Uni Marburg soll der Humboldt-Professor mit seiner Expertise auf diesem Gebiet in leitender Position den Aufbau eines Zentrums für Translationale Klinische Psychologie begleiten. Hier sollen interdisziplinär Ergebnisse aus der neurowissenschaftlichen Forschung in die Klinische Psychologie übertragen werden. Das Forschungsfeld von Hofmann würde nach Ansicht von Professor Rief perfekt bisher noch vorhandene Lücken am Fachbereich Psychologie und in der Klinischen Psychologie ausfüllen. Zudem könne Hofmann aufgrund seiner Expertise in bildgebenden Verfahren auch ein wichtiges Bindeglied zur Psychiatrie an der Universität darstellen.

Von Manfred Hitzeroth