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Marburg Corona hat den Uni-Alltag noch im Griff
Marburg Corona hat den Uni-Alltag noch im Griff
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13:58 18.06.2021
Die Uni Marburg bereitet sich auf das vierte coronabedingte Semester mit einem Mix aus Präsenz- und Online-Lehre vor.
Die Uni Marburg bereitet sich auf das vierte coronabedingte Semester mit einem Mix aus Präsenz- und Online-Lehre vor. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Corona hat auch noch den Universitätsalltag im Griff, und das wohl bis weit in das kommende Wintersemester hinein, das traditionell Anfang Oktober beginnt. Die Uni-Verantwortlichen hoffen aber stark, dass immer mehr Studierende, die coronabedingt nicht permanent in Marburg lebten, wieder in die Stadt zurückkehren werden.

Noch längst nicht sind alle Uni-Angehörigen geimpft. Immerhin gibt es jetzt die ersten Impf-Termine für die Landesbediensteten der Universität, die bisher noch keine Impfungen hatten, berichtete Uni-Vizepräsident Professor Thomas Nauss. Uni-Vizepräsidentin Professorin Evelyn Korn machte am Mittwoch im Senat deutlich, dass es aber wohl auch im besten Fall bis mindestens Mitte November dauern werde, bis auch alle Studierenden Impfangebote bekommen hätten.

Keine Entwarnung

Zwar gelte die Bundesnotbremse nur noch bis zum 30. Juni, aber auch danach sei in Sachen Corona-Lage noch lange keine Entwarnung angesagt, machte Korn klar. Es gebe auf jeden Fall eine Reihe von Unwägbarkeiten. „Wir wissen noch gar nicht, wie die Regeln ab Anfang Juli aussehen werden“, erklärte die Vizepräsidentin. Auch sei es nicht ausgeschlossen, dass die Corona-Lage ab dem Spätherbst durch die Delta-Variante des Virus noch einmal verschärft werde.

Unabhängig von möglichen Risiken stehen aber die Zeichen auch an den hessischen Universitäten auf vorsichtige Öffnungen zum Wintersemester hin. So jedenfalls interpretiert Korn die Signale, die von der Landesregierung aus Wiesbaden nach Marburg kommen. „Der Wunsch wird deutlich, dass wir wieder mehr Präsenzformate anbieten sollen“, sagte die Vizepräsidentin. Im Laufe des Wintersemesters zu einer Art von Normalbetrieb bei den Vorlesungen zurückzukehren, hält Korn jedoch für illusorisch. Denn sie geht nach dem jetzigen Stand davon aus, dass die Abstandsregeln in Sachen Corona-Vorschriften noch bis Ende des Jahres Bestand haben werden.

Mix aus Online und Präsenz

Demnach hätte der größte Vorlesungssaal der Universität – das Audimax – weiterhin nur ein Fassungsvermögen von 140 Zuhörern statt wie im früheren Normalbetrieb rund 900 Menschen. Und die nächstkleineren Hörsäle hätten nur ein Fassungsvermögen von 50 oder 60 Hörern. Unter diesen Voraussetzungen seien Vorlesungen mit mehreren hundert Studierenden nicht organisierbar.

Geplant ist deswegen zunächst einmal ein „Hybrid-Semester“ mit einem erneuten Mix aus Online- und Präsenzlehre. Die pragmatische Lösungsvariante der Hochschulspitze für das Dilemma lautet also, alle Lehrveranstaltungen außer Vorlesungen möglichst in Präsenz anzubieten.

Hygienekonzept sind das A und O

Doch zumindest für die Geisteswissenschaften könnte diese Idee logistisch kompliziert werden. „Was ist mit Seminaren, zu denen bei uns in der Regel 30 bis 40 Studierende kommen? So viele Räume kriegen wir nicht“, warnte der Medienwissenschaftler Uni-Senator Professor Malte Hagener. Wenn es keine Erleichterungen beim Hygienekonzept gebe, würde das dann doch wieder bedeuten, alles digital anbieten zu müssen, meinte er.

Ganz so sieht es die Uni-Senatorin und Politikwissenschaftlerin Professorin Ursula Birsl nicht, in deren Fach in der Vor-Corona-Zeit sogar Seminare mit bis zu 100 Teilnehmern keine Seltenheit waren. „Ich glaube nicht, dass alle Studierenden im Wintersemester wieder nach Marburg kommen“, meinte Birsl. Sie schätzt, dass man zunächst einmal Auslastungsquoten von rund 50 Prozent bei den Seminaren planen könne.

Rückkehr nach Marburg

Dass viele Studierende derzeit gar keine Wohnung in Marburg haben und erst allmählich wieder in die Universitätsstadt zurückkommen werden, bestätigte auch die Vizepräsidentin. Als vielleicht noch schwieriger könne es sich aber auch erweisen, die Lehrenden wieder zu einer Rückkehr nach Marburg zu bringen, von denen viele sich an ihr „Homeoffice“ in Wohnorten außerhalb von Marburg gewöhnt hätten.

Das Hybrid-Semester könnte auch noch ungewöhnliche Ideen für studentische Aufenthaltsmöglichkeiten zwischen einem Online-Termin und einem Präsenztermin mit sich bringen. So erwägt die Uni-Leitung vor allem für die Lahnberge die Anmietung von Zelten. Im letzten Winter gab es diese Idee schon einmal, wegen des verschärften Lockdowns war sie dann aber ad acta gelegt worden.

Von Manfred Hitzeroth

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