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Marburg Der Uni fehlen 13 Millionen Euro im Etat
Marburg Der Uni fehlen 13 Millionen Euro im Etat
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14:00 16.07.2020
Uni in Corona-Zeiten – am Fachbereich Physik in Marburg laufen die laborpraktischen Übungen. Katharina Gejer (Mitte) mit den Studentinnen Dana Putze und Lara Kleinsorge. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Gar nicht rosig sind die Zeiten derzeit an der Philipps-Universität in Marburg. Durch Corona gibt es im Moment weniger Präsenzlehre und manche Studenten sind gar nicht erst wieder angereist.

Aber auch Unsicherheiten bei den Planungen mit Fördergeldern und Zuschüssen verdunkeln den Blick in die Zukunft. Der Blick in die Vergangenheit hingegen ist durchaus positiv.

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„2019 war ein normales Jahr. Ich erinnere mich gerne daran. Und trotzdem haben wir viele Angelegenheiten gemeinsam vorangebracht“, sagte Universitätspräsidentin Prof. Katharina Krause bei der jüngsten Sitzung des Unisenates.

So habe es Erfolge bei diversen Anträgen gegeben, es wurden neue Strukturen geschaffen und es gab „zukunftsträchtige Weichenstellungen“, wie beispielsweise auf der Klausur in Dreihausen wo die „mittelfristige Entwicklungsplanung“ unter anderem mit der Strukturreform der Modularisierung festgelegt wurde.

„Die Forschung ist nicht erlahmt“

Mit den neuen Strukturen meinte Krause die Servicestelle für digitalgestützte Forschung, die von der Universität koordiniert wird. Oder auch, dass die Grundlagen für ein Kompetenzzentrum für künstliche Intelligenz geschaffen wurden. Ebenso wurde eine Antidiskriminierungsstelle in Marburg etabliert. Außerdem erwähnte sie das Zentrum für Zukunftsforschung in Tunis, das mit Hilfe der Universität aufgebaut werden soll und „sechs bis sieben Jahre Vorlaufzeit benötigt“, so die Präsidentin.

Derzeit läuft die Universität, trotz Corona fast im Vollbetrieb, hob Krause hervor und betonte: „Die Forschung ist nicht erlahmt. Trotz der Kinderbetreuung gab es nur wenige Abstriche.“ Sie wünscht sich ein „noch präsenteres Wintersemester“, auch wenn die Aussichten nicht so positiv sind. Schon jetzt gibt es Diskussionen, was die Nutzung der Räume angeht.

Praktika sind in Gefahr

Sechs Quadratmeter müssen pro Student verfügbar sein. Das ist vor allem in den Praxisräumen kaum zu gewährleisten. Dabei seien diese sicherer als ein Seminarraum, weil dort ein achtfacher Luftaustausch sei und sogar Einbahnstraßenlösungen möglich sind.

Sollte es diesbezüglich keine Lockerungen geben, dann sind einige Praktika in Gefahr. Das Sicherheitsreferat beschäftigt sich mit dem Thema und gibt zu bedenken, dass in den Praxisräumen mehr Platz pro Student sein muss, weil dort mehr Bewegung ist, als im Seminarraum, wo sich niemand groß bewegt.

Vizepräsidentin Dr. Evelyn Korn ist sich sicher, „dass es bis zum Wintersemester weder einen Impfstoff noch ein Medikament geben wird. Die Grundregeln müssen daher erhalten bleiben, über Details kann man reden. Auch Kompromisse müssen sicher eingegangen werden.“

Einreisestopp bremst Ausländer aus

Einen Abwärtstrend gibt es bei den Promotionen außerhalb der Medizin zu verzeichnen. Grund sei wohl vor allem der gut funktionierende Arbeitsmarkt, für den derzeit auch ein Masterabschluss ausreiche. Präsidentin Krause sprach allerdings auch von „normalen Schwankungen“ bei den Zahlen.

Dennoch müssen die englischsprachigen Angebote nicht zuletzt wegen der Internationalisierung bekannter gemacht werden. Aber gerade jetzt seien die Einreisebestimmungen problematisch. Und wenn sich das bis zum Wintersemester nicht normalisiert hat, dann könnten bis zu zwölf Prozent an ausländischen Studenten fehlen. Das wäre ein Loch, welches nicht so leicht zu kompensieren ist.

Ein großes Loch gibt es auch im Budget für das Jahr 2021, das, so Kanzler Dr. Friedhelm Nonne, „mit großen Unsicherheiten“ daher kommt. Weder der Hochschulpakt sei sicher beschlossen, noch würde die Höhe der Bundesmittel feststehen.

An einigen Posten half Corona beim Sparen

Schon jetzt ist klar, dass die Universität im kommenden Jahr 9,5 Millionen Euro mehr benötigt. In diesem Jahr konnte ein fast ähnlich großes Defizit, nämlich 8,8 Millionen, noch mit Rücklagen ausgeglichen werden. Das ist für 2021 nicht mehr möglich. Im Gegenteil. Durch Tarifsteigerungen und weitere Co-Finanzierungen von Förderungen wird es im kommenden Jahr ein Defizit von insgesamt 13,4 Millionen geben.

„Das ist zu viel“ sagte Nonne, der allerdings auch darauf verwies, dass es im laufenden Jahr vermutlich insgesamt zu einer Kostenminderung kommen könnte, da es weniger Dienstreisen und auch weniger kostenintensive Einladungen gab. Ebenso konnten einige Projekte nicht umgesetzt werden, sodass es auch dort eventuell zu Einsparungen kommen könnte.

Keine Überbuchung mehr

Neben den ausländischen Studenten könnten generell aufgrund der Corona-Pandemie weniger Studierende nach Marburg kommen. „Oder aber, es kommen sehr viele, weil viele ihre Ziele nicht realisieren können, wie beispielsweise ein Auslandssemester oder ein Job-and-Travel-Jahr“, fand Vizepräsidentin Korn auch positive Ansätze. Dennoch betonte sie: „Es geht bei den Planungen nicht um Wachstum, es geht um das Verhindern von Schrumpfen. Denn Schrumpfen ist teuer.

Eine Überbuchung von 140 Prozent wird nicht mehr passieren.“ Langfristige Strategien sind derzeit mit zu vielen Unwägbarkeiten verbunden, bei kurzfristigen Strategien müssen Programme evaluiert werden. Dennoch sieht das Präsidium nicht pessimistisch in die Zukunft. Das jedenfalls sagte die Präsidentin Katharina Krause nach der Vorstellung der Budgetplanung 2021.

Von Katja Peters

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