Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Ungewöhnliche Marburg-Visionen
Marburg Ungewöhnliche Marburg-Visionen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 03.11.2021
Der Marburger Fotograf Bodo Langner wirft einen faszinierenden Blick auf Marburg. Diese Fotografik zeigt das Kunstmuseum in der Biegenstraße – in Gold getaucht und gespiegelt.
Der Marburger Fotograf Bodo Langner wirft einen faszinierenden Blick auf Marburg. Diese Fotografik zeigt das Kunstmuseum in der Biegenstraße – in Gold getaucht und gespiegelt. Quelle: Bodo Langner
Anzeige
Marburg

Marburg hat wahrlich viele und vor allem romantische Fotomotive. Die Gassen und Fachwerkhäuser der Oberstadt, die Elisabethkirche, das Landgrafenschloss, das Rathaus mit dem wunderbaren Marktplatz, den alten botanischen Garten oder den Kaiser-Wilhelm-Turm, der auf den Lahnbergen hoch über der Stadt aufragt – um nur einige zu nennen. Alle diese Motive werden Jahr für Jahr tausendfach von Touristen in Bildern festgehalten.

Das sind auch gern geschossene Bilder des Marburger Fotografen Bodo Langner, aber eben nicht nur. Langner will mit seinem Fotokalender „Marburg Visionen“ zum Jubiläumsjahr Marburg 800 im Jahr 2022 mit ungewöhnlichen Motiven und vor allem ungewöhnlichen Techniken einen Gegenpol zu den „romantisierenden Stadtansichten“ setzen.

Das Marburger Werk des Impfstoffherstellers Biontech, nicht gerade ein architektonisches Glanzstück, wirkt in seinem Foto wie ein Ozeanriese, der gerade in See sticht. Die alte Hauptpost, eine in Beton gegossene Architektur des sogenannten Brutalismus, erscheint bei ihm wie ein grafisches Kunstwerk. Den Silberwürfel der alten Universitätsbibliothek taucht er in Blau, das Kunstmuseum in der Biegenstraße in Gold.

Bodo Langner arbeitet mit Verfremdungen. Symmetrische und asymmetrische Spiegelungen machen aus den hoch aufragenden gotischen Türmen der Elisabethkirche einen Kristall, aus den silberglänzenden Aufbauten des Erwin-Piscator-Hauses eine Schlucht aus Aluminium, Farben aus dem Affenfelsen ein abstraktes Kunstwerk.

Ein Jahr intensive Arbeit

„Marburg Visionen“ ist ein aufwendiger „Foto Grafik Kalender“, an dem der 69-Jährige nach eigener Auskunft gut ein Jahr intensiv gearbeitet hat. Fast 3 000 Fotos habe er dafür geschossen, schließlich für den Kalender 13 Motive (inklusive Deckblatt) ausgewählt und bearbeitet. Ein traditionelles Fachwerkhaus ist trotzdem darunter – es steht am Steinweg. Und auch dieses Bild wurde mit Farben und Spiegelungen verfremdet.

Zwar steht die Architektur im Zentrum des Marburg-Kalenders wie die zum Kussmund verfremdete DVAG Holding in der Bahnhofstraße, doch hat der ehemalige Lehrer Langner zwei für die Marburger Geschichte zentrale Persönlichkeiten in seinen großformatigen Kalender aufgenommen: Den Medizin-Nobelpreisträger Emil von Behring und eine extreme Nahaufnahme der Statue der „französischen Elisabeth“ aus der Elisabethkirche. Die beiden Fotos fallen zumindest inhaltlich aus dem Rahmen, den er sich mit Architekturfotos gesteckt hat.

Bodo Langner fotografiert seit 40 Jahren. „Aber künstlerisch hat mein Leben vor zehn Jahren angefangen. Da hatte ich das Gefühl: Ich will andere Fotos machen, Fotos, die es nicht schon tausendmal gibt“, sagte er der OP. Überregional bekannt wurde er mit seinem Projekt „Sportfotografie“. Bewusst arbeitete er dabei mit Bewegungsunschärfen, „aber mit ganz konventioneller Technik“, sagt er und ergänzt: „Ich habe fast fanatisch darauf geachtet, dass alles handwerklich geschieht.“ Die Auszeichnung: Im Jahr 2018 wurden seine faszinierenden Fotos von verschiednen Sportarten im Deutschen Sport- und Olympia-Museum in Köln ausgestellt.

Hommage an Marburg

Sein Fotokalender „Marburg Visionen“ ist nun eine Hommage an Marburg, an die Stadt, in der er seit den 1970er-Jahren lebt, die Stadt, die er liebt: „Marburg ist fotogen, spannend und unterhaltsam“, sagt er. „Ich fühle mich nirgendwo in Deutschland so zu Hause wie hier.“ Die romantischen Ecken der Stadt hat er längst fotografiert, auch die hässlichen. „Aber wer will sich etwas hässliches an die Wand hängen?“, fragt er rhetorisch. Und die romantischen Ecken kennt jeder Marburger, der mit offenen Augen durch die Stadt geht.

Nun also ein etwas anderer Blick auf die Stadt – in Hochglanzbildern, gedruckt auf stabiles, dickes Fotopapier im großen Format DIN-A2. Er weiß: „Der Kalender ist etwas für Einheimische.“ Denn seine Bilder sind zugleich Rätsel. Ohne die Erläuterungen unter den Fotos würde sich so mancher fragen: Was für ein Gebäude ist das überhaupt?

Ab kommender Woche öffnet Bodo Langer in der Oberstadt in der Wettergasse 9 eine sogenannte Pop-up-Galerie, in der er seine Marburg-Motive zeigt, die es auch als Postkarten zu kaufen gibt, ebenso wie großformatige Drucke seiner Fotos. Geöffnet ist sie jeweils von Mittwoch bis Samstag von 13 bis 18 Uhr.

Der Kalender „Marburg Visionen“ im Format DIN-A2 kostet im Buchhandel 45 Euro.

Von Uwe Badouin

03.11.2021
Marburg Überfälle im Oktober - Kripo sucht nach Tankstellenräuber
03.11.2021
03.11.2021