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Marburg Ungeimpfte abholen und Überzeugungsarbeit leisten
Marburg Ungeimpfte abholen und Überzeugungsarbeit leisten
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19:59 25.11.2021
Dies ist eine der Grafiken, die im Wochenbericht des Kreises zu sehen ist.
Dies ist eine der Grafiken, die im Wochenbericht des Kreises zu sehen ist. Quelle: Grafik: Landkreis Marburg-Biedenkopf
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Marburg

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf intensiviert zum einen seine Öffentlichkeitsarbeit zur Corona-Lage im Kreis, zum anderen appelliert er in Person des Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow an alle Nichtgeimpften, sich doch zum eigenen Schutz, aber auch zum Schutz der Mitmenschen gegen Corona impfen zu lassen. Die sechs mobil tätigen Teams sollen in den nächsten Tagen auf insgesamt zwölf aufgestockt werden.

Pro Tag sollen in den drei neu eingerichteten Impfzentren in Dautphetal, Marburg und Stadtallendorf sowie mit Teams in wechselnden Orten 1000 Impfungen geschafft werden. Damit möchte der Kreis die Arbeit der Haus- und Fachärzte flankieren, die nach wie vor die meisten Impfungen vornehmen, allerdings immer nur nach Terminvergabe.

Der Plan ist, spätestens ab dem 5. Dezember 400 000 Menschen pro Woche in Hessen zu impfen. 250 000 sollen die niedergelassenen Ärzte übernehmen, 150 000 der öffentliche Gesundheitsdienst. Auf den Landkreis bezogen, sind das zwischen 6 000 und 7 000 pro Woche.

Impfen ohne Terminvergabe

Die Leistungen, die der Kreis mit seinem Gesundheitsamt, den Johannitern und dem Deutschen Roten Kreuz anbietet, sind niederschwellig und bewusst ohne Terminvergabe. Jeder, der will, soll kommen und im besten Fall seine Erst- oder Zweitimpfung, gerne aber auch seine Drittimpfung erhalten. Letztere ist aber nur möglich, wenn seit der Zweitimpfung mindestens fünf Monate vergangen sind.

„Wir tun unser Möglichstes, haben aber auch nicht x-beliebig Personal zur Verfügung“, sagt Dr. Constanze Schul, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes.

Sie bittet wie Zachow um Verständnis, wenn es bei den Impfaktionen, die bewusst ohne Terminvergabe stattfinden, zu längeren Wartezeiten kommen kann. Die Menschen, die sich in den Teams engagieren, arbeiteten wie auch die Haus- und Fachärzte seit sehr langer Zeit am Limit und ließen dennoch nicht nach. Es wäre schön, ihnen dafür zu danken, als ihnen unfreundlich und genervt zu begegnen, nur weil man Wartezeiten auf sich nehmen musste.

Dr. Schul bittet allerdings auch um Verständnis, dass nicht immer der Reihe nach geimpft werde, sondern schon Menschen wie etwa Schwangere und Ältere, die weniger Kraft haben, sich anzustellen, bevorzugt geimpft werden.

„Wir wollen und dürfen nicht nachlassen und die Zahlen geben uns ein Ansporn“, sagt Marian Zachow. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf liegt in aktuellen Corona-Statistiken immer unter dem Durchschnitt, besitzt aktuell in Hessen die niedrigste Inzidenz. „Impfen, Impfen, Impfen“ sei das eine Gebot der Stunde.

Kontaktbeschränkungen beachten

Das andere, weiter Vorsicht walten zu lassen. Das betreffe nicht nur die Ungeimpften, sondern auch die Geimpften. Je weniger Kontakt, auch im privaten Bereich, umso sicherer sei man. Und wenn Kontakt, dann immer nur mit FFP2-Maske oder medizinischem Mund- und Nasenschutz und immer wieder ans Testen denken. Auch in der kälteren Jahreszeit müsse man dafür werben, dass es immer besser ist, Kontakte draußen zu haben als drinnen. „Nur so können wir die Infektionsdynamik einbremsen“, sagt Zachow.

Er habe aktuell mit den Bürgermeistern und der Bürgermeisterin des Kreises gesprochen, damit diese mithelfen, besondere Impfangebote in ihren Gemeinden zu organisieren, etwa „Impfsamstage“ oder auch mal eine „coole Impfnacht“.

Darüber hinaus organisieren die mobilen Impfteams auch Impfaktionen, die nicht öffentlich bekannt gemacht werden, sondern sich ausschließlich mit Menschen befassen, die sonst schwieriger für dieses Thema zu erreichen sind, weil sie von sich aus nicht kommen. Da gehe es dann auch darum, mit Dolmetschern zu arbeiten, um Vertrauen für eine Impfung zu schaffen.

Zachow sagt ganz offen, dass es ein Fehler war, die Impfzentren im September geschlossen und abgebaut zu haben. Das könne man aber den Kreisen nicht anlasten. „Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten schon im Sommer daraufhin gearbeitet, im Herbst und Winter für eine vierte Welle vorbereitet zu sein“, sagt Zachow.

So wurden die Menschen, die wieder am meisten gefährdet waren, also die Menschen in Alten- und Pflegeheimen zuerst mit Booster-Impfungen versorgt. Denn gerade in dieser Altersgruppe ist die Sterblichkeit nach einer Corona-Infektion besonders hoch. Jetzt gehe es aber auch wieder vermehrt um Erstimpfungen, um die Quote der Geimpften zu erhöhen. Natürlich werde man auch weiter Angebote an weiterführenden Schulen machen. Mittlerweile seien fast alle im Landkreis mindestens einmal besucht worden. Der Landkreis bestätigt in diesem Zusammenhang 140 Corona-Fälle an den Schulen.

Damit könne man noch gut umgehen. Keine Schule müsse deshalb um den Präsenzunterricht fürchten. Allerdings sei es angeraten, die Maskenpflicht auch wieder am Platz stringent durchzuhalten.

Jeweils donnerstags veröffentlicht der Landkreis seit der 45. Kalenderwoche einen Wochenbericht mit Grafiken und aktuellen Zahlen, die sich auch mit Zahlen aus den Vorwochen vergleichen lassen.

Der aktuelle zweite Bericht zeigt die Zahlen bis zur Kalenderwoche 46, sprich bis zum 21. November. Zu finden sind die Zahlen und Ausführungen hier. 

Eine Übersicht über die bisher geplanten Impfaktionen des Gesundheitsamtes mit mobilen Teams findet sich auf der Homepage des Kreises unter dem Stichwort „Impfaktionen: Termine“.

Von Götz Schaub