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Marburg Die nächste Klimaretter-Gruppe in Marburg
Marburg Die nächste Klimaretter-Gruppe in Marburg
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09:57 16.07.2020
„German Zero“ – in Marburg hat sich eine Ortsgruppe von der bundesweiten Klima-Initiative gegründet. Clemens Weichert (stehend, hinten links) hat sie gegründet. Quelle: Björn Wisker
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Marburg

In der Universitätsstadt gibt es mit „Fridays for future“ und „Extinction Rebellion“ seit vergangenem Jahr schon zwei auffällige, demo-aktive Gruppen junger Klima-Aktivisten – mit „Marburg Zero“ ist nun eine dritte hinzugekommen. Clemens Weichert hat sie gegründet; nicht trotz der bestehenden international auftretenden Initiativen, sondern eben wegen ihnen.

„Bei anderen Gruppen habe ich meine Heimat nicht gefunden, mir sind da neben dem Kernanliegen Klimakrise zu viele andere Themen reingemischt worden“, sagt er. CO2-Reduzierung, Klimaneutralität, maximal 1,5 Grad Erderwärmung – darum müsse es gehen und erst mal nur darum gehe es eben der „Zero“-Bürgerinitiative.

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Weichert und seinen Mitstreiter wie Mariele Diehl geht es dabei neben öffentlichen Kampagnen – die erste hat es am Samstag, ausgerüstet mit Laptops auf denen Klima-Videos, Wissenschaftler-Statements abgespielt wurden in der Oberstadt gegeben – um direktes politisches Arbeiten.

„Es geht, wenn man nur will“

„Wir wollen nicht nur die Apokalypse ausrufen, sondern Auswege aufzeigen und sie im politischen Verfahren voranbringen“, sagt Mariele Diehl. Viele junge Menschen wie sie seien nach eineinhalb Jahren voller Fridays-Klimademos „sehr frustriert“ – und zwar darüber, dass „alles rund ums Klima politisch weiter viel zu lange dauert“.

Vor allem die Corona-Pandemie, wie widerspruchslos die Politik da der Wissenschaft gefolgt sei, zeigt Diehl, Weichert und Co.: „Es geht, wenn man nur will. Wir erleben jetzt: Bei Corona will man, beim Klima will man nicht.“

Stadtverordnete, Magistrat, Landtags- und Bundestagsabgeordnete, Verbände: „Marburg Zero“ sieht klassische, direkte Lobbyarbeit als eine zentrale Aufgabe an, um bei der Klimapolitik zu echten Erfolgen zu kommen. Es brauche mit und nach dem Druck der Straße die „Mobilisierung der Politik“, da letztlich in den Parlamenten und Regierungen die Entscheidungen getroffen würden.

Ziel: unterstützen, wer Klimaschutz vorantreibt

Daher macht „Marburg Zero“ nun, ein Jahr vor der Bundestagswahl 2021 und den im März nächsten Jahres stattfindenden Kommunalwahlen in der Universitätsstadt eine Ansage: „Wir werden die vielversprechendste und glaubwürdigste Person unterstützen, die bereit ist, den Gesetzentwurf von ’German Zero’ erfolgreich durch den Bundestag zu bringen.“

Gesetzentwurf? Tatsächlich hat ein Bürgerrat der Organisation als Antwort auf das Klimapaket der schwarz-roten Bundesregierung ein Konzept erarbeitet, sodass Deutschland bis 2035 klimaneutral sein könnte. Der Plan beinhaltet drei Komponenten: Klimaschutz soll zum Staatsziel werden, sodass keine Gesetze mehr erlassen werden können, die zu mehr CO2-Emissionen führen.

Forderung: Das muss schneller gehen

Ein CO2-Steuergesetz soll dafür sorgen, dass klimaschädliches Verhalten teurer (ab nächstem Jahr 60 Euro pro Tonne) und klimafreundliches Verhalten günstiger wird. Zudem sollen alle Vorhaben, die dem Klimaschutz dienen, beschleunigt werden – vom Bäume pflanzen über den Nahverkehrs-Ausbau bis zur Errichtung von Solaranlagen und Gebäudesanierungen.

Den in Marburg geltenden Klimanotstand, den kürzlich vorgestellten Klimaaktionsplan der Stadtverwaltung – der als kommunale Handlungsempfehlung, aber nicht als bindendes Stadtgesetz viele der Forderungen enthält – unterstützt die „Zero“-Bewegung daher nicht nur ideell, die Mitglieder wollen auf der Straße wie im Internet explizit dafür werben.

Von Björn Wisker

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