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Marburg CSL: Nur eine betriebsbedingte Kündigung
Marburg CSL: Nur eine betriebsbedingte Kündigung
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19:56 13.10.2021
Die Umstrukturierung bei CSL Behring in Marburg ist abgeschlossen.
Die Umstrukturierung bei CSL Behring in Marburg ist abgeschlossen. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Es waren acht „harte Monate“, wie Michael Schröder, Geschäftsführer von CSL Behring Marburg, sagt. Denn: Im Februar war bekannt geworden, dass der Pharmakonzern in Marburg rund 150 Stellen abbauen will (die OP berichtete). Im Februar hatte das Unternehmen die Mitarbeiter über den Stellenabbau informiert, „dann haben wir begonnen, Interessenausgleich und Sozialplan zu verhandeln – das war eine Zeit, in der die Mitarbeiter auch sehr nervös waren“, lässt Schröder die Zeit Revue passieren. Denn die Belegschaft sei verunsichert gewesen, was genau passieren werde und letztlich am Ende des Prozesses stehe.

Rückblick: Zunächst hatte CSL angekündigt, dass die Bereiche Forschung und Entwicklung in eine eigenständige Gesellschaft – die CSL Behring Innovation – outgesourct werden. Im Februar kam dann die Hiobsbotschaft, dass rund 150 Vollzeitstellen abgebaut werden sollen – aus der IT und dem administrativen Bereich. Denn: Die IT-Dienstleistungen erbringt das internationale Unternehmen Capgemini. Zudem gebe es in den „Enabling Functions“ wie Rechnungs- und Personalwesen oder Einkauf und weiteren Bereichen Doppelstrukturen, wie Schröder seinerzeit berichtete – dort werde man schauen, wie man die Organisation optimieren und Synergien schaffen könne, hatte er angekündigt.

Transformation abgeschlossen

Dieser Transformationsprozess ist nun abgeschlossen. „Aus meiner Sicht haben wir einen wirklich sehr guten Sozialplan und Interessenausgleich verhandelt – wenn man in dem Zusammenhang von ,gut’ sprechen kann“, so Schröder. Doch habe über allem gestanden, dass „wir immer den Mitarbeiter im Blick haben und auch die Größenordnung des Personalabbaus mit mehr als 100 Stellen so sozialverträglich wie nur irgend möglich umsetzen“, sagt der Geschäftsführer im Gespräch mit der OP. Dieses Ziel „haben wir auch durch extremst intensive Arbeit gemeinsam in größten Teilen erreicht“, sagt Schröder.

Doch wie sehen diese Teile aus? Dazu erläutert Personalchefin Tanja Templer: „Wir haben für alle abzubauenden Stellen Lösungen finden können, sodass wir Stand heute tatsächlich nur eine einzige betriebsbedingte Kündigung aussprechen mussten.“

Dennoch heiße das nicht, dass nur eine Person habe gehen müssen. Vielmehr basiere der Stellenabbau auf drei Säulen: Einem Freiwilligenprogramm, bei dem Mitarbeitern eine Abfindung angeboten worden sei, wenn sie das Unternehmen verlassen, „und wir haben auch den Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten“, erläutert Templer. Diese Transfergesellschaft solle die Mitarbeiter fit machen mit weiteren Qualifizierungsmöglichkeiten oder „auch Unterstützung zum Beispiel bei der Stellensuche“.

Darüber hinaus habe das Unternehmen eine so genannte „Tandemlösung“ angeboten. „Dabei haben wir geschaut, wo es rentennahe Mitarbeiter gibt, die vergleichbare Tätigkeiten haben zu Mitarbeitern, die vom Stellenabbau betroffen sind“, erläutert die Personalchefin. Diese rentennahen Mitarbeiter hätten am Freiwilligenprogramm partizipieren können, „wir konnten dann eigentlich vom Stellenabbau betroffene Mitarbeiter auf die so freigewordenen Stellen versetzen“.

Und als dritte Säule hätten sich von Kündigungen betroffene Kollegen auch auf andere CSL-Stellen bewerben können.

Letztlich sei durch die konstruktiven Verhandlungen mit dem Betriebsrat im Sozialplan „der Grundstock für diese maßgeschneiderten Ansätze gelegt worden“.

Möglichkeiten „sehr gut angenommen“

Wie viele Menschen letztlich das Freiwilligenprogramm oder die Tandemlösung in Anspruch genommen hätten, konnte Tanja Templer, die aus dem Urlaub zugeschaltet war, ad hoc nicht sagen. Doch seien die genannten Möglichkeiten „sehr gut angenommen“ worden. Insgesamt sei es „ein großer Erfolg“, dass es bei mehr als 100 Stellen nur eine betriebsbedingte Kündigung gegeben habe, „das hätten wir nicht zu hoffen gewagt“.

Michael Schröder fast zusammen: „Ja, wir haben Stellen abgebaut. Wir mussten aber nur eine einzige betriebsbedingte Kündigung aussprechen – denn wir konnten den betroffenen Mitarbeitern einen Strauß an Möglichkeiten anbieten“, und zwar ganz nach der jeweiligen Lebenssituation maßgeschneidert.

Wie viel Geld ist insgesamt in beispielsweise die Abfindungen geflossen? Das verrät der Geschäftsführer gegenüber der OP nicht. „Ja, der Prozess mit Abfindungen, Transfergesellschaft und Tandemlösungen hat Geld gekostet.“ Doch sei das Geld vor dem Hintergrund der Sozialverträglichkeit des Prozesses „eine gute Investition“, wenn man das in diesem Zusammenhang sagen könne. Denn schließlich „steht hinter jeder Stelle, die wir abbauen, ein Mensch. Wir verlieren Mitarbeiter, die sich jahrzehntelang um das Unternehmen verdient gemacht haben und jetzt nichts dafür können, dass ihre Stelle im Rahmen der Transformation wegfällt.“

Von Andreas Schmidt