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Marburg Mit Freude noch einmal ein Wagnis eingehen
Marburg Mit Freude noch einmal ein Wagnis eingehen
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12:01 23.04.2019
Erika Völker (von links) und ihre Stellvertreterin in der Kita Löwenzahn, Liane Wagner, freuen sich mit Monika Forneck (von rechts) und Ulrich Preis von „Arbeit und Bildung“, dass Ann-Kathrin Siebert (Mitte) über die Umschulung ihren Traumjob im Kindergarten gefunden hat. Quelle: Götz Schaub
Marburg

Ann-Kathrin Siebert ist Erzieherin. Mit Leib und Seele. Genauso wie es sich Erika Völker, Leiterin der Cölber Kindertagesstätten, wünscht. Für sie ist klar: Nur wer diesen Beruf als Berufung für sich ansieht, ist da auch genau richtig aufgehoben. Diesen Anspruch möchte sie eigentlich halten, doch weiß auch sie, dass schon seit Jahren einfach nicht mehr ausreichend Nachwuchskräfte zur Verfügung stehen. Deshalb ist sie sehr glücklich, Ann-Kathrin Siebert in ihrem Team zu wissen.

Dass ihre berufliche Zukunft einmal in Cölbe liegen würde, hätte Siebert nach Ablauf ihrer Schulausbildung nie gedacht. Sie neigte zwar damals schon zum Beruf der Erzieherin, doch stammt sie aus der Schwalm und hätte dafür nach Alsfeld fahren müssen. Das war damals ebenso wenig zu machen, wie einfach mal in Alsfeld ein Zimmer zu nehmen. „Das war finanziell nicht drin“, sagt sie. Also ging es für sie in eine ganz andere Richtung, sie absolvierte wohnortnah erfolgreich eine Bankausbildung. Sie startete auch eine Karriere als Beraterin, doch 2014, mit 24 Jahren, wusste sie, dass das nicht „ihr Job für immer“ sein kann.

„Es ist dann schon schwierig, noch mal anzufangen, zumal wenn man ein festes Gehalt hatte“, sagt sie. Wie sollte es jetzt gehen, doch Erzieherin zu werden? Nun, über eine Umschulung. Und die konnte sie sich leisten aufgrund des einzigartigen Angebots über den Verein Arbeit und Bildung in Marburg in Kooperation mit dem Kreis-Jobcenter und der Käthe-Kollwitz-Schule. In einem Vorkurs bei „Arbeit und Bildung“ werden an zwei Tagen in der Woche sozialpädagogische Praxiserfahrungen ermöglicht und an drei Tagen pädagogisches Grundlagenwissen erlernt. Dann an der Käthe-Kollwitz-Schule geht es mit zwei Tagen Schule und drei Tagen Praxisarbeit weiter. So kam Ann-Kathrin Siebert schon mit der Kindertagesstätte Löwenzahn in Cölbe in Berührung.

Danach folgten ein Berufspraktikum von zwölf Monaten an einer anderen Einrichtung und die fachpraktische Prüfung an der Käthe-Kollwitz-Schule. Siebert hielt aber Kontakt nach Cölbe. Und dort durch die praktische Arbeit während der Ausbildung schon bestens bekannt, wurde sie dann nach bestandener Prüfung dem Team zugeschlagen. Monika Forneck und Ulrich Preis, beide Diplompädagogen bei „Arbeit und Bildung“, freuen sich, dass über diese Schiene viele Umschüler ihr Berufsziel erreichen können. „Am Anfang dachten wir, dass sich das besondere Angebot für Umschüler nach zwei, drei Kursen erledigt hat“, sagt Preis. Mittlerweile gibt es das Angebot seit zehn Jahren bei stetiger Nachfrage. Und Cölbe hat davon schon dreimal profitiert. Erika Völker sagt: „Ann-Kathrin Siebert ist die Dritte, die so zu uns gekommen ist.“

Die Erfahrungen zeigen ihr, dass diese Form der Ausbildung sehr nachhaltig ist. Ann-Kathrin Siebert bestätigt dies sehr gerne. Sie fühlte sich rundum gut vorbereitet auf das, was sie jetzt macht.

Kerstin Warnecke, Pressereferentin von „Arbeit und Bildung“, sagt, dass diese Form der Umschulung für schon etwas ältere Menschen ein Segen ist. Das Durchschnittsalter im Kurs von Ann-Kathrin Siebert betrug 35 Jahre. „Ich war mit 24 dort das Küken und war schon sehr froh darüber, dass ich nicht mit 16- und 17-Jährigen in die Ausbildung gehen musste.“

  • Der Bewerbungsschluss für die Ausbildung ist immer der 15. Februar des jeweiligen Jahres. Eine Beratung erfolgt fallbezogen direkt bei „Arbeit und Bildung“, Ulrich Preis, Telefon 0 64 21 / 96 36 0, E-Mail: preis@arbeit-und-bildung.de

von Götz Schaub