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Marburg Marburger leben gerne in ihrer Stadt
Marburg Marburger leben gerne in ihrer Stadt
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00:18 25.01.2019
Bei einer Umfrage geben Marburger an, dass sie überwiegend zufrieden mit der Lebensqualität in ihrer Stadt sind. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

In einer Umfrage, deren Ergebnisse die Stadt Anfang 2018 vorgestellt hat, sagen rund 90 Prozent der Befragten, sie lebten gerne in Marburg. Als wesentliche und in Marburg besonders positive Merkmale werden die hohe Qualität und die Breite des Bildungsangebotes, die Weltoffenheit und Internationalität der Stadt, Sport, Kultur und wesentliche soziale Aspekte betrachtet.

Die Umfrage ist eines der ersten Projekte der Bürgerbeteiligung in Marburg. Ihre Ergebnisse wurden vor fast genau einem Jahr vorgestellt. Seitdem nutzt der Magistrat gelegentlich die Ergebnisse, um damit politische Schwerpunkte seiner Arbeit zu begründen.

Die Stadt schneidet in den Themenfeldern am besten ab, in denen sie selbst ihre Schwerpunkte sieht: Ein reiches Sport- und Kulturangebot sowie ein breites Bildungsangebot schätzen jeweils um die 90 Prozent der Befragten. Und dass die Stadt Menschen anderer Kulturkreise unterstützt, sehen mehr als 90 Prozent der Befragten ganz oder teilweise so.

Schlechte Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum

Weniger als 50 Prozent schätzen dagegen die Einkaufsmöglichkeiten in Marburg, nur etwas mehr als 50 Prozent die Sicherheit in der Stadt. Auch der Aussage „Marburg bietet gute berufliche Möglichkeiten“ stimmen weniger als die Hälfte ganz oder teilweise zu.

So sehen die Menschen Marburg als Stadt Quelle: Grafik: Nikola Ohlen

Jeweils weniger als die Hälfte aller Befragten stimmen ganz oder teilweise den Behauptungen zu, Marburg verfüge über einen ausreichend ausgebauten Öffentlichen Personennahverkehr und berücksichtige alle in der Verkehrspolitik. Das mit Abstand schlechteste Zeugnis stellen die Menschen aber der Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum aus: Noch nicht einmal jeder Fünfte ist ganz oder teilweise der Auffassung, Marburg tue hier genug.

„Mehr bezahlbarer Wohnraum“, so schlussfolgert Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) in seiner Haushaltsrede, „ist die wichtigste Forderung an die Stadt.“ „Marburg wird wachsen“, sagte der OB in seiner Haushaltsrede. Gerade die „Best Agers“ zögen an den Randbereich der Städte zurück. Und: 25 000 Einpendler kommen jeden Tag in die Stadt und prägen den Verkehr.

Westumfahrung bereichert Verkehrsdiskussion

Auch in der OP-Umfrage zum Jahreswechsel (OP vom 17. Januar) stehen verkehrspolitische Themen – von der Sperrung der Weidenhäuser Brücke bis zur Diskussion um die Westumfahrung – mit im Zentrum. Letzteres ist um so bemerkenswerter, als dieses Thema von der OP-Redaktion nicht als eigener Vorschlag über die Ereignisse des Jahres 2018 genannt worden war.

Wofür soll die Stadt mehr Geld ausgeben? Anfang vergangenen Jahres lagen in den Antworten der Bürger die Modernisierung der Schulen und mehr Ausgaben für Kindertagesstätten und -krippen vorne, knapp gefolgt von Angeboten für Ältere und Ausgaben für den Öffentlichen Personennahverkehr.

Dafür soll die Stadt Marburg mehr Geld ausgeben. Quelle: Grafik: Nikola Ohlen

Ob damit auch kostenlose Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren gemeint sind, wie vom OB einst angekündigt, dann aber einkassiert, geht aus der Umfrage nicht hervor. Spies jedenfalls sagt heute: „Bevor wir keine 100-prozentige Abdeckung bei der U3-Betreuung haben, können wir sie nicht kostenfrei machen.“

Die Stadt verweist jüngst gern darauf, dass die Menschen aus den Außenstadtteilen jetzt zum gleichen Preis wie Menschen aus der Kernstadt ins Stadtzentrum kommen. Seit Jahren wird aber auch die Frage im politischen Bereich diskutiert.

von Till Conrad