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Marburg Land will Notunterkünfte schließen
Marburg Land will Notunterkünfte schließen
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14:00 12.05.2022
So sahen sie aus: die Notunterkünfte für bis zu 1.000 geflüchtete Menschen aus der Ukraine in der Sporthalle der Kaufmännischen Schulen in Marburg.
So sahen sie aus: die Notunterkünfte für bis zu 1.000 geflüchtete Menschen aus der Ukraine in der Sporthalle der Kaufmännischen Schulen in Marburg. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg.

Mit Blick auf sinkende Zugangszahlen bei ukrainischen Kriegsflüchtlingen will Hessen auf Notunterkünfte in Sporthallen verzichten. Das Land habe mehrere Kreise und die Stadt Frankfurt darüber informiert, dass diejenigen landeseigenen Notunterkünfte zum 11. Juni geschlossen werden können, die in Sporthallen eingerichtet sind, teilte das Innenministerium in Wiesbaden mit.

In Hessen sind laut Ministerium mehr als 57.400 Menschen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine angekommen (Stand 8. Mai). Rund 50.900 seien in den Kommunen untergebracht worden, mehr als 6.500 lebten aktuell in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen, deren Außenstellen oder in den Notunterkünften.

„Hessen steht auch zweieinhalb Monate nach Putins Kriegsbeginn solidarisch an der Seite der Ukrainerinnen und Ukrainer, die sich weiterhin unserer Unterstützung sicher sein können“, erklärte Innenminister Peter Beuth (CDU). Da in den vergangenen Wochen aber weniger ukrainische Flüchtlinge gekommen seien und gleichzeitig die Aufnahmekapazitäten in der Erstaufnahmeeinrichtung erhöht worden sei, könnten die im März errichteten Notunterkünfte schließen.

„Sie stehen damit wieder für die reguläre Nutzung und damit insbesondere für den Sport und den Vereinen zur Verfügung“, betonte Beuth. Sollten im weiteren Kriegsverlauf wieder mehr Menschen nach Hessen kommen, würden erneut Notunterkünfte bereit gestellt.

Wie Thorsten Haas von der Pressestelle des Regierungspräsidiums Gießen am Mittwoch erklärte, waren die Notunterkünfte in Marburg-Biedenkopf am Mittwoch noch mit 188 (Marburg), 93 (Cölbe) und 5 (Dautphe) Geflüchteten aus der Ukraine belegt.

11. März 2022: Aufbauarbeiten für die Notunterkünfte für bis 1.000 geflüchtete Menschen aus der Ukraine beginnen im Landkreis Marburg-Biedenkopf, hier in der Sportalle im Georg-Gassmann-Stadion in Marburg Quelle: Thorsten Richter

Weiter sagte Haas, dass bis auf Weiteres die Unterkunftsstandorte in Limburg und Alsfeld noch weiter vorgehalten werden: „Dort würden Menschen aus der Ukraine dann schwerpunktmäßig untergebracht, bevor sie Wohnraum in den Kommunen finden.“

Unklar ist derzeit noch, ob das Regierungspräsidium oder die Kommunen für die Räumung beziehungsweise den Abbau der Notunterkünfte zuständig sind.

Wegen der Eilbedürftigkeit habe der Kreis Marburg-Biedenkopf seinerzeit die Einrichtung der Notunterkünfte organisiert, sagte am Mittwoch Sascha Hörmann von der Pressestelle des Landkreises Marburg-Biedenkopf: „Da war Eilbedürftigkeit gegeben, das ist jetzt nicht der Fall.“

Der Landkreis habe bislang lediglich Kenntnis darüber, dass Notunterkünfte in Sporthallen bis zum 11. Juni 2022 geschlossen werden können, so Hörmann weiter: „Darüber hinaus liegen dem Landkreis keine weiteren Informationen, insbesondere keine zur Abwicklung der Einrichtungen im Kreisgebiet, vor.“

Zahlen

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Mitte Februar sind auch Zehntausende Menschen auf der Flucht nach Hessen gekommen.

Dem Innenministerium zufolge kamen bislang rund 57 400 Flüchtlinge.

Rund 6 500 Menschen leben aktuell in einer Erstaufnahmeeinrichtung oder Notunterkünften.

Etwa 50 900 Flüchtlinge sind in den Kommunen untergebracht.

Nach einem Aktionsplan des Landes Hessen wird für die Unterstützung der Geflüchteten aus der Ukraine mit Mehrkosten von 200 Millionen Euro gerechnet.

Als Teil eines Aktionsplans sollen Fördermittel für weitere 80 Deutsch-Kurse bereitgestellt werden.

Von Carsten Beckmann und unserer Agentur