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Marburg Erste Geflüchtete in Notunterkunft angekommen
Marburg Erste Geflüchtete in Notunterkunft angekommen
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20:38 16.03.2022
Die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine kommen am 16.03.22 im Marburger Georg-Gaßmann-Stadion an.
Die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine kommen am 16.03.22 im Marburger Georg-Gaßmann-Stadion an. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Seit dem Wochenende stehen Verantwortliche und Helfer der Notunterkünfte in Marburg-Biedenkopf bereit, um die ersten Geflüchteten aus der Ukraine aufzunehmen, die nicht bei Verwandten oder Bekannten unterkommen können. Am Mittwoch (16. März) kamen die ersten Bewohner auf Zeit an.

Etwa ein Dutzend Menschen, darunter Frauen und Kinder, trafen am Nachmittag mit dem eigenen Pkw am Georg-Gaßmann-Stadion ein und wurden etwa von Kräften des DRK begrüßt. Dort bleiben konnten sie zum Teil nicht, zumindest eine erste Gruppe Geflüchteter musste von dort aus weiter nach Dautphetal reisen, wo sie in der Hinterlandhalle untergebracht wurde. Die Menschen waren zuvor bereits bei der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen in Gießen angekommen und von dort aus weitergeleitet worden und wohl versehentlich in Marburg gelandet. Die Belegung und Leitung der Notunterkünfte hat das Land in der Hand, das auch die Zuweisungen der Geflüchteten organisiert.

Wie die Pressestelle des Landkreises bestätigt, waren die ersten Geflüchteten für die Unterbringung in Dautphetal vorgesehen, sie wurden aus organisatorischen Gründen dorthin weitergeleitet. Weitere Menschen aus der Ukraine werden wahrscheinlich auch in den nächsten Tagen im Kreis eintreffen. Geplant ist, dass zunächst die Notunterkünfte in Marburg und Dautphetal belegt werden, wenn weiterer Platz benötigt wird, auch die Unterkunft in Cölbe, berichtet Kreissprecher Stephan Schienbein.

Schausteller Toni Ahlendorf baut am 16.03.22 mit seinen Mitarbeitern ein Zelt für die Flüchtlinge aus der Ukraine im Georg-Gaßmann-Stadion in Marburg auf. Quelle: Thorsten Richter

Der Landkreis hatte die Umgestaltung der Hallen in Marburg, Dautphetal und Cölbe nach Vorgabe des Landes organisiert und umgesetzt, insgesamt würden dort bis zu 1 000 Menschen Platz finden, die für wenige Tage bleiben sollen, bevor sie eine feste Unterkunft erhalten. Die Ausstattung stammt hauptsächlich aus dem Katastrophenschutz-Zentrallager. Zudem wurden Dusch- und Toilettencontainer aufgestellt, weitere Zelte sind für die Verpflegung und als Aufenthaltsbereiche für die Bewohner gedacht.

Und noch ein großes Zelt wuchs neben dem Stadion in die Höhe, das Schausteller Toni Ahlendorf und sein Team dort im Auftrag der Stadt Marburg für die ukrainischen Geflüchteten aufbauten – speziell gedacht für Kinder und Jugendliche, denn aus der Leichtbauhalle wird praktisch ein Freizeit- und Spielzelt. „Wir haben hier 450 Quadratmeter und die Halle ist sieben Meter hoch, man kann hier sogar Rhönrad fahren“, berichtet Ahlendorf. Er freut sich, dass er den Auftrag in der anhaltenden Corona-Flaute erhalten hat und dann noch für so einen Zweck: „Ich bin froh darüber, das wird sicher schön für die Kinder und sorgt vielleicht für ein bisschen Ablenkung.“

Die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine kommen am 16.03.22 im Marburger Georg-Gaßmann-Stadion an Quelle: Thorsten Richter

Das ist auch das Ziel der Stadt – im Rahmen der Ukrainehilfe organisiert dort das Sportamt gemeinsam mit dem Fachdienst Gesunde Stadt, dem Modellprojekt Kombine und der städtischen Jugendförderung ein durchgehendes Angebot mit Spiel, Sport und Bewegung für Kinder und Jugendliche verschiedener Altersgruppen aus der Unterkunft, wie die Pressestelle der Stadt Marburg mitteilt.

Bedarf an Spenden ist noch unklar

Es ist ein zusätzliches Angebot, viele Hilfsprojekte werden in den Kommunen des Landkreises derzeit realisiert, seit Beginn des Ukrainekriegs vor drei Wochen gibt es eine anhaltende Welle der Hilfsbereitschaft.

Der Landkreis dankt der Bevölkerung in einer Mitteilung für die große Unterstützung der ukrainischen Geflüchteten, weist aber auch darauf hin, dass an den drei Notunterkünften derzeit keine weiteren Alltagsgüter benötigt werden. Wie der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow berichtet, sei die Versorgung der Menschen vor Ort gesichert.

Er bittet alle, die helfen möchten, um Geduld – es müsse erst abgewartet werden, „bis konkrete Bedarfe feststehen“. Sachspenden seien momentan nicht erforderlich und könnten vor Ort auch gar nicht gelagert werden. Der logistische Aufwand ist groß und noch ist nicht geklärt, wie damit umgegangen werden soll.

Der Kreis stimme sich aktuell mit den Städten und Gemeinden ab, wie die Logistik für Sachspenden am besten organisiert werden könne, und wolle „so schnell wie möglich konkrete Bedarfe mitteilen, damit genau die Hilfe ankommt, die auch gebraucht wird“.

Von Ina Tannert