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Marburg Feuerwehren verzichten auf das Üben
Marburg Feuerwehren verzichten auf das Üben
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18:58 08.01.2022
Feuerwehr-Übungen finden wegen Omikron nicht mehr statt.
Feuerwehr-Übungen finden wegen Omikron nicht mehr statt. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Wie sehr bedroht die Omikron-Variante des Coronavirus die Einsatzfähigkeit der heimischen Feuerwehren? Kreisbrandinspektor Lars Schäfer spricht gegenüber der OP von einer „ernsten Lage“, zeigt sich aber dennoch zuversichtlich. Denn: Die heimischen Wehren haben in den vergangenen zwei Jahren der Pandemie wieder einmal gezeigt, dass auf sie Verlass sei und sie sich an die Vorgaben hielten.

Schäfer verweist in dem Zusammenhang beispielhaft auch auf die hohe Impfbereitschaft. Zahlen belegen diese Aussage. Nach Angaben der Pressestelle des Landkreises gibt es aktuell 4 226 aktive Feuerwehrleute im Landkreis Marburg-Biedenkopf. 90 Prozent von ihnen hätten in jedem Fall zwei Impfungen, 75 Prozent aller Feuerwehrleute seien geboostert, haben also auch die Auffrischungsimpfung.

Sie ist beim Schutz vor dem Coronavirus und im Zusammenhang mit der hochansteckenden Omikron-Variante von zentraler Bedeutung. „Hinzu kommt, dass dem Landkreis viele ehrenamtliche Kräfte zur Verfügung stehen, sodass Teilausfälle gut aufgefangen werden könnten“, erklärt Sascha Hörmann als stellvertretender Sprecher des Landkreises.

Bei allem Vertrauen in die Verlässlichkeit der heimischen Feuerwehrleute hat der Kreis als Brandschutzaufsicht einen Tag vor dem Heiligen Abend dringende Empfehlungen an alle Feuerwehren herausgegeben, zum Teil auch Anweisungen, die besonders für die Katastrophenschutzeinheiten gelten. Der Übungsbetrieb ist einzustellen, alle Präsenzveranstaltungen fallen bis auf Weiteres aus, bei Zusammentreffen wie zum Beispiel im Einsatz sind FFP2-Masken zu tragen. All das gilt auch für die Jugendfeuerwehren.

Fällt eine Einsatzabteilung aus, springt eine andere ein

Feuerwehren sind Sache der Städte und Gemeinden, sie müssen letztlich die Entscheidungen treffen, die Einsatzbereitschaft sicherstellen und auch eigene Pandemiepläne entwickeln. Den einen zentralen Pandemieplan gibt es nicht. Sollte der bisher noch nicht da gewesene Fall eintreten, dass Corona-Infektionen eine komplette Einsatzabteilung lahmlegen, könnte der Kreis allerdings helfen. Dann wäre es möglich, dass eine andere Wehr einspringt und den Schutz einer Stadt oder Gemeinde übernimmt. „Zunächst wird allerdings immer das eigene Potenzial der Kommune zu nutzen sein“, erklärt Sascha Hörmann.

Der Kreis muss seit einiger Zeit die Zahl der ausfallenden beziehungsweise infizierten Einsatzkräfte wöchentlich an das Land melden. In Kirchhain haben die Leiter der Feuerwehren seit langem ihre Einsatzstärken minütlich im Blick. Dort ist eine App im Einsatz, mit der Feuerwehrleute ihren Status weitermelden und über die sie zusätzlich zum regulären Melder auch alarmiert werden könnten. Die Erfahrungen mit der App sind sehr gut, wie Thorsten Thierbach, stellvertretender Stadtbrandinspektor und auch Kreisbrandmeister, der OP berichtet.

In Kirchhain sieht die Leitung der Feuerwehren derzeit keinen Grund, die Hygienekonzepte noch einmal zu verschärfen. FFP2-Masken sind Standard, nach jedem Einsatz gibt es Tests für alle Beteiligten. In der Vergangenheit kam es zu einzelnen Ausfällen. „Einzelne Coronafälle haben bei uns nie zu einer Beeinträchtigung der Einsatzbereitschaft geführt“, sagt Thierbach.

In der Liste der Empfehlungen des Landkreises an die Wehren taucht auch der Hinweis auf, dass es möglich ist, Ungeimpfte aus dem Einsatzdienst zu nehmen. Ob Wehren im Kreis das bereits getan haben, ist nicht bekannt, es wird vom Kreis nicht erfasst, da auch dies Sache der Städte und Gemeinden wäre. Bei der Kirchhainer Wehr ist es noch nicht dazu gekommen, wie Thierbach berichtet.

Der Kreis ist auch Träger des Rettungsdienstes und bedient sich dabei der Rettungsdienst Mittelhessen GmbH, der Malteser und der Johanniter als Dienstleister. Bisher sieht der Kreis seine Dienstleister auch für Omikron gut gerüstet.

Sollte es allen Pandemieplänen zum Trotz doch zu Engpässen kommen, dann gäbe es eine Notfalllösung, Einheiten des medizinischen Katastrophenschutzes.

Von Michael Rinde