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Marburg Überfall mit Pistole: 53-Jährige vor Gericht
Marburg Überfall mit Pistole: 53-Jährige vor Gericht
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21:00 06.05.2020
Im Marburg steht eine 53-Jährige Frau wegen versuchten Raubes vor Gericht. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft soll die Frau mit einer täuschend echt aussehenden Pistole auf einen 26-Jährigen gezielt, ihn bedroht und in der Gisselberger Straße überfallen haben – für eine Beute von weniger als zwei Euro in kleinen Geldmünzen.

Während die Angeklagte, die von Ärzten diagnostiziert wohl seit etwa 20 Jahren unter Schizophrenie leidet, zu der Tat schweigt, schilderte das Opfer den Ablauf. „Ich lief von meiner Wohnung mit Kopfhörern los und sah jemanden auf mich zukommen, der einen Gegenstand in der Hand hielt, in meine Richtung streckte und irgendetwas zu sagen schien. Ich nahm dann meine Kopfhörer ab“, erzählte der Student.

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In dem Moment wo er die Worte vernahm – „Hände hoch oder ich schieße“ – habe er auch die Pistole wahrgenommen, die auf ihn, seinen Oberkörper gerichtet war. „In klassischer Schusshaltung“, wie er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Dr. Frank Oehm bestätigte. „Ich war komplett verwirrt von der Situation, ich ging auf jeden Fall davon aus, dass die Waffe echt ist“, sagte der 26-Jährige. Die mutmaßliche Täterin habe ihn an der Einmündung zur Straße Am Schwanhof aufgefordert, ihm Bargeld zu geben – wovon er aber bis auf einige Cent-Münzen nichts im Portemonnaie hatte.

26-Jähriger stürzt sich auf seine Angreiferin

Umgehend habe sie nach allen EC- und anderen Karten verlangt, die Pistole dabei aber etwas gesenkt, nur noch in einer Hand gehalten und „irgendwie abgelenkt gewirkt“, wie das Opfer sagte. Da die 53-Jährige mittlerweile schon sehr nah an ihm stand habe er sich prompt auf sie gestürzt, die Waffe weggedrückt und ihr aus der Hand geschlagen. Erst da habe er bemerkt, dass es sich um eine Softair-Pistole – also eine unechte Waffe – handelte. Nach einem Gerangel auf dem Gehweg sei die Frau in Richtung Südviertel geflohen. Auf Nachfrage von Strafverteidigerin Nadine Nitz sagte der Student aus, er habe kurz vor seinem Entschluss, sich auf die Angreiferin zu stürzen, geglaubt, es könne eine Softair-Waffe sein. Warum? „Weil sie die Pistole irgendwie lasch und leicht in der Hand hielt.“ Ihm sei dann auch aufgefallen, dass die Frau barfuß vor ihm stand. Er habe sich trotz der Bedrohung auch „nicht wehrlos gefühlt“ und keine Schwierigkeiten gehabt, das Erlebnis zu verarbeiten. Einzig eine Narbe an der Hand vom Gerangel, vom Aufprall auf dem Gehweg sei dauerhaft geblieben. 

Eine 24-jährige Zeugin, die an dem frühen Oktobermorgen auf dem Weg zum Zug war, bestätigte die Eindrücke von der mutmaßlichen Täterin. Sie sei Minuten vor dem Überfall wenige Meter vom Tatort entfernt an ihr vorbeigelaufen und von ihr mit einer auf den Boden gerichteten Pistole in der Hand angesprochen worden: „Gehen Sie ruhig weiter, hat sie gesagt. Nicht drohend, aber wohl war mir natürlich nicht“, sagte die Studentin. Sie habe die Situation „als bedrohlich wahrgenommen, aber mich nicht direkt bedroht gefühlt, auch nicht durch den Satz, den sie sagte.“ Trotzdem habe sie die Polizei gerufen und ihre Beobachtung – die spätere Tat selbst sah sie nicht – gemeldet.

Ein Urteil wird für Ende Mai erwartet.

von Björn Wisker

06.05.2020
07.05.2020
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