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Marburg Ubbelohde-Haus wird Autorenresidenz
Marburg Ubbelohde-Haus wird Autorenresidenz
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16:00 27.08.2019
Das idyllisch gelegene Otto-Ubbelohde-Haus in Goßfelden wird Autorenresidenz. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Der Verein „Zwei ­Raben: Literatur in Oberhessen“ ist noch jung, hat aber große Pläne. Er will „die Region zwischen Lahn und Dill, von der schon Rainer Maria Rilke schwärmte und in der Peter Kurzeck und Paulus Böhmer lebten, zurück ins literarische Bewusstsein bringen“.

Die Idee zu diesem Verein entwickelten die Marburger Germanistin Dr. Erika Schellenberger-Diederich, die beim Marburger Schulamt tätig ist, und der in Berlin lebende und in Treis im Landkreis Gießen ­geborene Schriftsteller Thomas Hettche. „Wir erhielten vom Land Hessen den Auftrag, ein Konzept für Literatur im ländlichen Raum zu entwickeln.“ Zwei Jahre lang haben Schellenberger-Diederich und Hettche daran getüftelt und bei der Otto-Ubbelohde-Stiftung, dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und der Gemeinde Lahntal ­offene Türen gefunden. Der Verein „Zwei Raben – Literatur in Oberhessen“ war geboren.

2.500 Euro Förderung monatlich

Die Idee: Zweimal im Jahr sollen Autorinnen und Autoren für jeweils drei Monate die frisch sanierte Wohnung im Obergeschoss des Otto-Ubbelohde-Hauses beziehen und dort in Ruhe mitten in der Natur arbeiten und schreiben. Finanziert wird dieses Autorenstipendium vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst mit 2.500 Euro monatlich. Das Ministerium zahlt auch die Miete für die Wohnung.
„Es ist eine hervorragende Idee“, sagt auch Lahntals Bürgermeister Manfred Apell. „Ich begrüße das Projekt sehr, denn es erhöht auch den ideellen Wert des Ubbelohde-Hauses in Goßfelden.“

Der Maler und Grafiker Ubbelohde ist gleich in mehrfacher Hinsicht präsent: Einerseits durch sein wunderschönes Haus an der Lahn und im Logo des Vereins, das zwei Raben zeigt, die Vögel, die Ubbelohde immer wieder zeichnete.

Die Autorenstipendien sind ein ambitioniertes Projekt, das an die vielen Stadtschreiber-Programme erinnert, die es in zahlreichen deutschen Städten gibt. Etwa in Mainz, in Bergen-Enkheim, in Dresden, Rheinsberg, Tübingen oder Bayreuth, um nur einige zu nennen. Immer wird eine Wohnung gestellt und ein monatliches Stipendium gezahlt.

Zum Auftakt zieht im September die renommierte deutsche Autorin Marion Poschmann in die Wohnung ein. Marion Posch­mann wurde am 15. Dezember 1969 in Essen geboren. Sie gehört nach Ansicht der Jury,­ die die Autoren auswählt, „zu den prägnantesten Stimmen einer Generation, die das Naturgedicht in aufsehenerregender Weise erneuert hat“.

Poschmann hat für ihre ­Gedichtbände und ihre Romane zahlreiche Preise und Stipendien erhalten und war bereits Stadtschreiberin in Rheinsberg und in Tübingen. Mit „Die Sonneninsel“ und „Die Kieferninseln“ war sie 2013 und 2017 für die sogenannten Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert. Mit „Die Kieferninseln“ (An Pine Island) gelang ihr in diesem Jahr der Sprung auf die Shortlist für den ­renommierten Man Booker International Prize.

  • Um das Stipendium können sich deutschsprachige Schriftsteller aller­ Sparten bewerben, die mindestens zwei Buchveröffentlichungen in Publikumsverlagen vorzuweisen haben. Es wird erwartet, dass sie während der Zeit in Goßfelden ihre Arbeit in einer Lesung öffentlich vorstellen und sich mit dem Werk Otto Ubbelohdes und der besonderen historisch-ästhetischen ­Situation des Atelierhauses in seiner Landschaft auseinandersetzen. Zum Abschluss erbittet der Verein einen kurzen literarischen Text.
  • Mehr auf der Homepage: www.literaturinoberhessen.de.
  • Am 21. September lädt der Verein „Zwei Raben“ um 16 Uhr zu einer Lesung und zum Sommerfest mit Marion Poschmann in den Garten des Ubbelohde-Hauses ein.

von Uwe Badouin