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Marburg Alarmstufe rot am UKGM
Marburg Alarmstufe rot am UKGM
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19:00 31.07.2022
Am Universitätsklinikum Gießen werden Corona-positive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesetzt. Kommt das in Marburg auch?
Am Universitätsklinikum Gießen werden Corona-positive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesetzt. Kommt das in Marburg auch? Quelle: Thorsten Richter
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Gießen

Das UKGM setzt ab sofort Corona-positive Mitarbeiter ein, um die Patientenversorgung in Gießen aufrechtzuerhalten. Der ärztliche Direktor Professor Werner Seeger begründet die Entscheidung mit einem „nie dagewesenen Personalausfall“. Kritiker halten die Maßnahme indes nicht für zielführend.

Es war keine leichte Entscheidung für den Krisenstab des Universitätsklinikums Gießen-Marburg, ab sofort Corona-positive Mitarbeitende heranzuziehen, um die Patientenversorgung am Standort in Gießen zu gewährleisten. „Wir haben zurzeit einen noch nie dagewesenen Personalausfall. Nicht nur in der Pflege und der Ärzteschaft, sondern in verschiedensten Bereichen, die für die Versorgung der Patienten gleichermaßen relevant sind“, sagt Seeger. Es sei die Verantwortung des UKGM, hierauf zu reagieren und auf der Basis einer Risikoabwägung die Möglichkeiten, die der entsprechende Erlass des Landes Hessen biete, entsprechend zu nutzen. „Dies haben wir mit diesem Schritt getan“, stellt Seeger klar.

Seit Mittwoch können Corona-positive Mitarbeitende, die sich arbeitsfähig fühlen, auf freiwilliger Basis trotz bestehender Infektion an die Arbeitsstelle zurückkehren und unter FFP2-Maskenpflicht in der Patientenversorgung eingesetzt werden.

In Sterilisation fehlten 60 Prozent der Mitarbeiter

Damit greift die Klinik auf den „Erlass zur Aufrechterhaltung der Patientenversorgung in den hessischen Krankenhäusern bei quarantäne- bzw. isolationsbedingtem Personalausfall“ der Landesregierung zurück.

Am Freitagnachmittag verdeutlichte Seeger in einem Frage- und Antworten-Stück den drastischen Personalausfall an einem Beispiel: So seien am Mittwoch in der zentralen Sterilisation – „einem patientenfernen, aber für das Funktionieren eines Klinikums der Maximalversorgung unerlässlichem Bereich“ rund 60 Prozent der Mitarbeitenden ausgefallen – 38 Prozent wegen Krankheit. „Dieses führte zu einer dramatischen Funktionseinbuße des Sterilisationsbereiches mit der Konsequenz, das gesamte OP-Programm zu stoppen und weitestgehend nur auf die Durchführung der absoluten Notversorgungseingriffe auszurichten“, so Seeger. Ein solcher Funktionsverlust sei „unausweichlich mit Patientengefährdung verbunden“, er müsse also „unter Einsatz aller Reserven“ behoben werden.

Nächster Warnstreik am UKGM

Am Dienstag und Mittwoch (2./3. August) findet erneut ein Warnstreik am UKGM statt, zu dem Verdi aufgerufen hat – das Ziel sei „ein Tarifvertrag Beschäftigungssicherung“, so Gewerkschaftssekretär Fabian Dzewas-Rehm. 

Man nehme also eine Risikoabwägung vor: Es sei „eindeutig weniger Patientengefährdung zu erwarten“, wenn in diesem Bereich „unter Wahrung aller Schutzmaßnahmen symptomfreie Mitarbeiter mit Coronainfektion eingesetzt werden, als dass auf diese Maßnahme verzichtet wird – mit hieraus resultierender Unterversorgung kritischer Patienten“, so Seeger.

Ist der Einsatz von an Covid erkrankten Mitarbeitern auch am UKGM in Marburg denkbar? „Nein“, versichert Pressesprecher Frank Steibli. „Der Corona-Krisenstab in Marburg hat getagt und sich dagegen ausgesprochen.“ Jedoch handele es sich natürlich um eine dynamische Lage – daher könne nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass die Entscheidung auch irgendwann anders ausfallen werde.

Von Marc Schäfer und Andreas Schmidt

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