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Marburg UKGM erhält weitere Millionen
Marburg UKGM erhält weitere Millionen
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09:00 09.02.2022
Das UKGM wird knapp 19 Millionen Euro aus dem „Krankenhauszukunftsfonds“ erhalten.
Das UKGM wird knapp 19 Millionen Euro aus dem „Krankenhauszukunftsfonds“ erhalten. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

In den kommenden zehn Jahren könnte das UKGM bis zu einer halben Milliarde Euro an Landesmitteln erhalten – denn eine entsprechende Absichtserklärung, einen so genannten „Letter of Intent“ (LOI) haben Land und Konzern vor drei Wochen vorgestellt (die OP berichtete). Im ersten Schritt sollen dieses Jahr bis zu 45 Millionen Euro an Investitionszuschüssen fließen – jedoch muss zuvor noch eine detaillierte Vorhabenliste erarbeitet werden.

Doch auch, wenn die Summe sehr hoch erscheint: Dr. Christian Höftberger, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG, hatte bereits bei der Vorstellung des LOI angekündigt, dass die Summe nicht ausreichen werde. Zwar ließ er den Bedarf offen, doch hatte Professor Werner Seeger, Ärztlicher Direktor am UKGM Gießen, während der Pressekonferenz gesagt, der Investitionsstau an den beiden Häusern liege bei „sicherlich 100 Millionen Euro“.

Es gebe grundsätzliche Schätzungen des Verbandes der Universitätsklinika, „dass für bauliche und gerätetechnische Investitionen etwa 10 Prozent des Umsatzes zur Verfügung stehen sollten – das wären für Gießen und Marburg zusammen 80 Millionen pro Jahr“, rechnete Seeger vor.

Das UKGM wird zusätzlich noch weitere Mittel aus dem „Krankenhauszukunftsfonds“ erhalten – und zwar knapp 19 Millionen Euro. Ein Betrag, den auch Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) in Reaktion auf das Interview mit Rhön-Chef Höftberger angesprochen hatte. Dazu gibt es nun weitere Details.

Insgesamt fließen 220 Millionen Euro aus diesem Fonds vom Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) nach Hessen, wie auf der Webseite des Amts ersichtlich ist. „Die Corona-Pandemie macht deutlich, dass in den letzten Jahren zu wenig in die Digitalisierung und in eine moderne technische Ausstattung der Krankenhäuser investiert wurde“, heißt es dazu vonseiten des BAS. Mit dem sogenannten „Krankenhauszukunftsgesetz“ sollen demnach notwendige Investitionen gefördert werden. Das Fördervolumen des Bundes beträgt drei Milliarden Euro, das der Länder insgesamt 1,3 Milliarden Euro.

Die Techniker Krankenkasse (TK) teilt zudem mit, nach Prüfung aller Projektanträge habe das Land Hessen Ende vergangenen Jahres beim BAS für die hessischen Krankenhäuser Gelder in Höhe von fast 220 Millionen Euro beantragt. Das Hessische Sozialministerium sowie das Hessische Wissenschaftsministerium beteiligen sich zusätzlich mit 52 Millionen Euro. Einen weiteren Teil der Kosten tragen die hessischen Krankenhäuser selbst. Sie können die Fördermittel unter anderem für den Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur und Informationssicherheit verwenden.

„Ja, das Universitätsklinikum Gießen und Marburg hat Förderanträge in Höhe der zur Verfügung stehenden Mittel – 18,8 Millionen Euro – beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst fristgerecht zum 30. Juni 2021 eingereicht“, bestätigt Pressesprecher Frank Steibli auf Anfrage der OP. Das Ministerium habe nach Prüfung der Anträge „diese nach unserem Kenntnisstand zum Jahresende 2021 an das BAS weitergereicht. Die Anträge werden derzeit auf Ebene des BAS geprüft. Wann diese Prüfung abgeschlossen ist und mit Förderbescheiden zu rechnen ist, ist derzeit nicht absehbar“, so Steibli.

Dazu hatte Dorn Ende Dezember gesagt, dass „die Entlastung aus dem Krankenhauszukunftsfonds längst bekannt ist, selbstverständlich auch Herrn Höftberger. Für das UKGM sind gut 18 Millionen Euro vorgesehen. Diese Förderung kommt zustande, weil das Land explizit die Uni-Klinika mit aufgenommen hat und das Land die Bundesmittel in vollem Umfang kofinanzieren wird.“

Doch wofür soll das Geld verwendet werden? Laut Steibli, um die Digitalisierung, insbesondere an der Schnittstelle zu Medizintechnik und IT, weiter voranzutreiben. Exemplarisch führt der Pressesprecher fünf Beispiele auf, für die die knapp 19 Millionen Euro eingesetzt werden sollen – nämlich zunächst für die Beschaffung radiologischer Großgeräte für den Bereich der Notaufnahme, „mit der Möglichkeit zur Integration in die IT-Strukturen der Klinika, um die Akutversorgung unserer Patienten zu verbessern und einen nahtlosen Behandlungsablauf direkt ab (Not-)Aufnahme zu ermöglichen“, so Steibli. Darüber hinaus solle am UKGM die „digitale Medikation und Pflegekurve“ eingeführt werden. Dies diene laut Pressesprecher nicht nur der Erhöhung der Behandlungssicherheit, sondern habe auch das Ziel, dass Daten nur einmal erfasst werden müssten.

Darüber hinaus sollen die Mittel verwendet werden, um ein Patientenportal aufzubauen, „um den Austausch von Dokumenten – zum Beispiel Befunden – im vor- und nachstationären Bereich zu erleichtern. Mit dem Patientenportal einhergehend werden Möglichkeiten zur elektronischen Terminvereinbarung, Videosprechstunde und Aufklärung von Patienten mittels digitaler Medien geschaffen“, so Steibli. Robotik-basierte Operationsverfahren sollen erweitert und auch neu geschaffen werden – und auch die „Umsetzung baulicher Maßnahmen zur verbesserten Reaktion auf Epidemien und Pandemien“, stehen laut Pressesprecher auf der Investitionsliste für die Mittel aus dem Krankenhauszukunftsfonds.

Von Andreas Schmidt