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Marburg Klinikum: Weitere Pflegekräfte vor dem Absprung
Marburg Klinikum: Weitere Pflegekräfte vor dem Absprung
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21:07 07.10.2021
Trügerische Idylle: Am UKGM gibt es offenbar weitere Kündigungen von Pflegekräften.
Trügerische Idylle: Am UKGM gibt es offenbar weitere Kündigungen von Pflegekräften. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Nach dem Bekanntwerden der Massenkündigungen von Pflegekräften auf einer chirurgischen Station am UKGM haben sich weitere Fragen ergeben. So berichtet der Betriebsrat des Klinikums, dass die Situation auf der Station lange bekannt gewesen sei. Wann die Pflegedienstleitung von den Problemen auf der Station erfahren hat, wann die Geschäftsführung und wann die Ärztliche Direktorin, konnte oder wollte das UKGM gestern auf Anfrage der OP nicht beantworten, sondern verwies auf den Freitag.

Wann hat die Geschäftsführung davon Kenntnis erlangt? Auch die Frage, warum vonseiten des Klinikums nicht schneller auf das Thema Überlastungen und insgesamt auf die Probleme auf der Station reagiert wurde, blieb gestern unbeantwortet. Der Betriebsrat hatte im Gespräch mit der OP betont, dass auch eine Sperrung von Betten eine Möglichkeit gewesen wäre und weiterhin sei, für Entlastung auf der Station zu sorgen – das sei aber nicht erfolgt. Die Frage, warum nicht, blieb gestern auch ohne Antwort.

Kündigungen auf weiterer chirurgischer Station

Gespannt darf man sein, ob und wann für die Station eine wirksame Entlastung geschaffen wird. Für den Betriebsrat steht fest, dass Pflegekräfte nicht so ohne Weiteres kündigen, „weil sie ihren Beruf lieben und die Verantwortung für die Patienten tragen“. Umso bemerkenswerter sei es, wenn eine ganze Abteilung nahezu geschlossen gehe.

Unterdessen scheinen sich Befürchtungen des Betriebsrats zu bestätigen, dass die Massenkündigungen auf der chirurgischen Station als Signal von unzufriedenen Mitarbeitern verstanden werden und somit weitere Kündigungen nach sich ziehen könnten. Nach Informationen der OP gibt es auch auf einer weiteren chirurgischen Station – der Station 131 – mehrere Kündigungen. Und auch auf einer so genannten IMC-Station, die gemessen am Pflegeaufwand zwischen Intensivstation und Normalstation angesiedelt ist, ist die Rede von „Massenbewegungen“. Ein „gewisser Erschöpfungsfaktor aufgrund der zusätzlichen Belastung durch Corona“, so formuliert es Betriebsratschef Frank Eggers, mag dazu beitragen. Doch er stellt auch klar: „Corona kann nicht die Entschuldigung für alles sein.“

Das alles verunsichert weite Teile der Belegschaft, auch vor dem Hintergrund, dass der Vertrag des ärztlichen Geschäftsführers Professor Harald Renz, der zum 1. Oktober ausgelaufen war, nicht verlängert und ein Nachfolger noch nicht öffentlich vorgestellt wurde. Man sei mit mehreren Bewerbern im Gespräch, hieß es vonseiten der Geschäftsleitung vor knapp vier Wochen.

Weitere Ausgliederungen befürchtet

Der Betriebsrat fürchtet unterdessen, dass der neue Eigentümer des UKGM, der Medizinkonzern Asklepios, weitere Bereiche ausgliedern möchte. Nicht im medizinischen Bereich – hier laufen Berufungsverhandlungen für die Kinderklinik und für die Urologie, eine Stelle in der Neuroradiologie sei neu besetzt, und für die Direktion in der Strahlentherapie seien für die derzeitige Stelleninhaberin zwei Nachfolgende gefunden. Dass aber bei den technischen Berufen, beim Hol- und Bringedienst oder beim Transportdienst offenbar Einsparungen geplant seien, geistert seit Wochen durchs Haus auf den Lahnbergen und trägt, so der Betriebsrat, „nicht zur Beruhigung der Lage bei“.

Immerhin: Dass Teile der Aufgaben von Marburg nach Gießen verlagert werden sollen, darüber hat der Betriebsrat keine Kenntnis. Die Fallzahlenentwicklung und die Zahl der Patienten seien gut, es gebe keinen Grund für eine solche Verlagerung.

Von Till Conrad und Andreas Schmidt

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