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Marburg UKGM-Beschäftigte fordern Landesticket für Reinigungskräfte
Marburg UKGM-Beschäftigte fordern Landesticket für Reinigungskräfte
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20:11 14.02.2022
Während der „aktiven Mittagspause“ forderten Beschäftigte des UKGM, dass es das kostenlose RMV-Landesticket auch für die Mitarbeiter der ausgegliederten Reinigungsgesellschaft gibt.
Während der „aktiven Mittagspause“ forderten Beschäftigte des UKGM, dass es das kostenlose RMV-Landesticket auch für die Mitarbeiter der ausgegliederten Reinigungsgesellschaft gibt. Quelle: Andreas Schmidt
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Die Resonanz auf den Verdi-Aufruf zu einer aktiven Mittagspause, um den Forderungen nach der Ausweitung des kostenlosen RMV-Landestickets auf die Reinigungskräfte der ausgegliederten Service-Gesellschaft Gehör zu verschaffen, war mit rund einem Dutzend Teilnehmenden gering. Doch Fabian Dzewas-Rehm, zuständiger Verdi-Sekretär, verdeutlichte, dass gerade für die Reinigungskräfte dieses kostenlose Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel „ein echter Gewinn“ wäre.

Der Hintergrund: Seit Jahresbeginn ist der neue Haustarifvertrag am UKGM in Kraft getreten. „Es ist uns gelungen, das RMV-Ticket für die Beschäftigten nach jahrelangem Kampf zu erstreiten“, so Dzewas-Rehm. Doch gebe es ein Manko: „Die Kolleginnen und Kollegen der ausgegliederten Bereiche – namentlich der Reinigung – haben eben kein Ticket. Dabei ist es kein Geheimnis, dass die Arbeitsbedingungen dort besonders schlecht sind.“ Niedrige Löhne, harte Arbeit – da wäre es „ein großes Ding und eine echte finanzielle Entlastung“, wenn die Beschäftigten das Ticket bekämen. „Und wir wissen alle, dass das den Arbeitgeber nicht viel kostet“, er könne mit einem „Akt der Wertschätzung Größe zeigen“. Es sei ein Hohn, dass der Chefarzt, der ohnehin mit seinem großen Auto ans Klinikum fahre, das Ticket bekäme – die Reinigungskraft aber nicht. „Das ist eine soziale Ungerechtigkeit“, so Dzewas-Rehm. Am 1. März gingen die Tarifverhandlungen zu den Eingruppierungen der Beschäftigten am UKGM weiter, „da werden wir das Thema auch noch einmal auf den Tisch packen“.

Gewerkschafterin Bettina Böttcher verdeutlichte, dass es an der Zeit sei, „dass sich die Beschäftigten aller Berufsgruppen im Krankenhaus solidarisieren und gegen eine Spaltung verweigern“. An der Klinik greife jedes Rädchen ins andere, „das gilt vom Chefarzt bis zur Reinigungskraft“, so Böttcher. Für sie steht fest: „Wirtschaftsbosse und Politiker dürfen sich in ihrem Handeln nicht länger hinter dem Argument des Kostenfaktors verstecken.“

Mit dem „Letter of Intent“, der Absichtserklärung, dass binnen zehn Jahren bis zu einer halben Milliarde Euro Landesmittel an das UKGM fließen, bestehen für Böttcher „Ungereimtheiten. Damit ist die Verunsicherung und Angst um unseren Arbeitsplatz und die daraus resultierenden Arbeitsbedingungen für uns alle Beschäftigte nicht weniger geworden“ – es gelte, Flagge zu zeigen und Widerstand zu leisten, denn: „Soziale Verantwortung darf keine Wortblase sein. Wir wollen, dass die Menschlichkeit und der Respekt in unserem Betrieb den Stellenwert einnehmen, denn das größte Kapital eines Betriebs sind wir Beschäftigten.“

Daher forderte Böttcher Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) auf, offenzulegen, „was der Umfang von Ausgliederungsverbot und Kündigungsschutz beinhaltet – oder hat man ein Türchen bei den Verhandlungen des Ausgliederungsverbots offengehalten?“, fragte sie. „Wir haben ein Recht auf Aufklärung.“

Der Betriebsratsvorsitzende Frank Eggers sagte: „Ich wollte mir nicht vorstellen, wie es hier im Klinikum aussähe, wenn wir keinen Reinigungsdienst hätten.“ Die Mitarbeiter des Reinigungsdienstes verdienten „Respekt und Anerkennung. Es muss klar sein, dass sie unbedingt zum Team dazu gehören – auf Station ebenso wie in Bereichen, in denen besonders empfindlich auf Hygiene geachtet werden muss.“ Die Arbeit sei äußerst anspruchsvoll. „Im OP zum Beispiel liegt Sterilgut – oh weh, wenn der Reinigungsdienst nicht weiß, dass das nicht nass werden soll“, führte Eggers vor Augen. Doch würde der Reinigungsdienst die Arbeit gründlich und sorgfältig ausführen – damit das so bleibe, sei es nur richtig, dass sie auch vom RMV-Ticket profitieren können.

Der ehemalige Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Hanschur sprach als Vertreter des Aktionsbündnisses „Wir für unser Klinikum“: „Ich halte es für unerträglich, dass Menschen, die unter einem Dach arbeiten, unterschiedliche Arbeitgeber haben und auch noch zu unterschiedlichen Bedingungen arbeiten müssen“, sagte er. „Und gerade die, die das geringste Einkommen haben, dürfen nicht von einem Jobticket profitieren“ – dabei seien besonders diese Mitarbeiter auf den ÖPNV angewiesen. Dass also auch die Kolleginnen und Kollegen des Reinigungsdienstes von dem Ticket profitierten, „dafür steht auch das Aktionsbündnis – das ist sofort und ohne Wenn und Aber umzusetzen“, so Hanschur. Asklepios habe sich als der Arbeitgeber bestätigt, dem die Beschäftigten egal seien. „Daher sind solche Aktionen wie diese hier wichtig: um dem Arbeitgeber immer wieder ein Stoppschild zu zeigen.“

Von Andreas Schmidt