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Marburg UKGM-Ärzte befürchten Verschlechterung
Marburg UKGM-Ärzte befürchten Verschlechterung
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20:58 09.06.2020
Im Februar demonstrierten hunderte Mediziner aus ganz Hessen in Marburg – um ihren Tarifforderungen Nachdruck zu verleihen. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Die geplante Übernahme der Rhön-Klinikum AG durch Asklepios löst auch bei den am UKGM beschäftigten Ärzten Befürchtungen aus – so das Ergebnis einer Blitzumfrage der Ärztegewerkschaft Marburger Bund Hessen. An der hatten 256 Ärztinnen und Ärzte des UKGM teilgenommen – insgesamt sind an den beiden Standorten in Marburg und Gießen rund 1 300 Mediziner beschäftigt.

Die Ärzte am UKGM sind überwiegend Beschäftigte des Landes Hessen. Die Übernahme beschäftigt die Mediziner, was auch die Antworten deutlich zeigen: Gut 82 Prozent der Teilnehmer befürchten, dass sich die Arbeitsbedingungen durch die geplante Übernahme verschlechtern werden. Lediglich 5,4 Prozent denken, dass dies nicht der Fall sein wird. Und 12,5 Prozent können die Auswirkungen der Übernahme auf ihre Arbeitsbedingungen nicht einschätzen.

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Knapp 90 Prozent der Umfrageteilnehmer befürchten zudem, dass die geplante Übernahme die derzeit laufenden Tarifverhandlungen mit dem Land Hessen negativ beeinflussen. Gut sechseinhalb Prozent denken, dass dies nicht der Fall sein wird – fünf Prozent der Befragten machten dazu keine Angabe.

Als dritte Frage wollte der Marburger Bund wissen, ob sich die Befragten wünschen, dass sich das Land Hessen stärker für die Belange der Ärztinnen und Ärzte am privatisierten Universitätsklinikum einsetzt – 99,2 Prozent antworteten darauf mit ja, jeweils 0,4 Prozent stimmten mit nein ab oder machten keine Angabe.

„Leider bestätigen die aktuellen Tarifverhandlungen diese Befürchtungen, denn Ärztinnen und Ärzte an den hessischen Unikliniken sollen schlechter gestellt werden als ihre Kolleginnen und Kollegen im restlichen Bundesgebiet,“ sagt Dr. Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes Hessen.

Tarifverhandlungen

werden heute fortgesetzt

„Im nächsten Verhandlungstermin muss die Landesregierung zeigen, dass sie die Arbeit der Ärztinnen und Ärzte tatsächlich wertschätzt und deren Befürchtungen ernst nimmt. Dafür muss sie sich nun energisch für bessere Arbeitsbedingungen auch an einem privatisierten Universitätsklinikum einsetzen“, betont Johna.

Die Tarifverhandlungen werden am Mittwoch in Wiesbaden fortgeführt. Diese ziehen sich bereits seit Monaten hin – und wurden auch von einem Warnstreik mit mehreren hundert Teilnehmern in Marburg flankiert. Das Problem: Hessen gehört nicht zur Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). Somit findet der bereits erzielte Abschluss von Uni-Kliniken außerhalb Hessens mit der TdL in Hessen keine Anwendung. Dabei sei man mit diesem durchaus zufrieden, wie Dr. Christoph Polkowski, Mitglied der Tarifkommission und Arzt am Uni-Klinikum Frankfurt, vor der vergangenen Verhandlungsrunde im Gespräch mit der OP betonte. Auch die kommunalen Krankenhäuser in ganz Deutschland hätten vergangenes Jahr einen Tarifvertrag abgeschlossen – nur Hessen hänge hinterher, die Ärzte fühlten sich abgehängt.

Eine Forderung, die Kerstin Mitternacht, Pressesprecherin des Marburger Bundes Hessen, bekräftigt: „Damit wären wir in der Tat zufrieden“, sagt sie im OP-Gespräch. Die Einigung sieht unter anderem eine Gehaltserhöhung in drei Stufen um insgesamt 6,5 Prozent vor – die letzte Stufe greift im Oktober 2021. Auch bei der Anzahl der Bereitschafts- und Wochenenddienste sowie der Arbeitszeiterfassung gibt es laut diesem Abschluss Änderungen. Und das sind laut Kerstin Mitternacht die größten Knackpunkte bei den Verhandlungen mit dem Land Hessen: So fordern die Ärzte zwei freie Wochenenden im Monat, eine Verbesserung bei der Zahl der Bereitschaftsdienste – und bessere Dienstplanregelungen, „etwa bei Ausgleichen, wenn jemand kurzfristig für Kollegen einspringt“, so die Sprecherin. Insgesamt hoffe man jedoch, „dass wir endlich einen Abschluss erzielen“.

Von Andreas Schmidt

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