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Marburg Als Familienunternehmen durch die Krise
Marburg Als Familienunternehmen durch die Krise
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20:58 25.04.2021
Ruhat (links) und Hakan Turgut im Turgut-Markt, den die Familie im ehemaligen Aldi-Gebäude in der Marburger Afföllerstraße eröffnete.
Ruhat (links) und Hakan Turgut im Turgut-Markt, den die Familie im ehemaligen Aldi-Gebäude in der Marburger Afföllerstraße eröffnete. Quelle: Foto: Andreas Schmidt
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Marburg

Im vergangenen April, also kurz nach Beginn der Corona-Pandemie und während des ersten Lockdowns, eröffnete die Familie Turgut ihren Lebensmittelmarkt in Marburg: „Wir wollten schon lange nach Marburg expandieren“, sagt Ruhan Turgut. Die Familie betreibt bereits seit 1995 einen Lebensmittelmarkt in Gießen.

Und als sich dann die Chance bot, den ehemaligen Aldi-Markt in der Afföllerstraße, direkt hinter dem Toom-Baumarkt, zu übernehmen, „da haben wir nicht lange gezögert“. Und das trotz der eigentlich schwierigen Situation. Mit seinen rund 1.000 Quadratmetern bietet der Marburger Markt etwa doppelt so viel Fläche wie sein Pendant in Gießen.

Turgut: „Optimistisch, dass es klappt“

Eröffnen während des Lockdowns, war das nicht riskant? „Wir hatten die Eröffnung bereits von Februar verschoben und dann doch losgelegt. Denn wir waren einfach optimistisch, dass es klappt.“ Hat es auch, „obwohl es am Anfang recht verhalten losging“. Der Anfang sei durch die Corona-Pandemie schon „sehr hart“ gewesen. Denn: Einige Lieferanten seien aufgrund der Pandemie zunächst ausgefallen, „also mussten wir auf Ersatzlieferanten umsteigen oder auf zahlreiche Produkte einfach warten“.

Die Brüder hatten den Lebensmittel-Einzelhandel eigentlich nicht auf dem Plan, „wir sind zwar von klein auf mit dem Markt in Gießen aufgewachsen, haben aber zunächst studiert“, erzählen sie. Doch dann habe der Vater gefragt, ob sie nicht doch in den Markt einsteigen wollten. Wollten sie. Und vor diesem Hintergrund sei die Expansion nach Marburg „genau das Richtige“ gewesen. Verlassen können sich die beiden auf die Expertise des Vaters, der weiterhin aktiv ist. „Er lässt uns agieren, schreitet aber ein, wenn ihm etwas auffällt“, sagen die Brüder lachend.

Ein internationales Angebot

Doch warum Marburg? „Unsere Familie hatte früher bereits den Bereket-Dönerimbiss in Marburg.“ Doch als der Vater mit seinem Bruder in den Lebensmittelmarkt eingestiegen sei, wurde der Imbiss abgegeben. „Aber Marburg war dadurch immer eine Stadt für uns.“ Auch die Kundschaft hätte nachgefragt: „Viele Kunden aus dem Landkreis sind Stammkunden in Gießen und haben dort immer wieder gefragt, ob wir denn nicht nach Marburg kommen könnten.“

Dabei ist das Sortiment bei Weitem nicht auf türkische Lebensmittel beschränkt. „Unser Angebot ist international“, sagt Turgut. Ob türkisch, persisch, asiatisch, lateinamerikanisch oder afrikanisch sowie viele weitere Produkte, „bei uns wird jeder Geschmack bedient“, sagt Turgut.

Schwerpunkt auf frischem Obst und Gemüse

Sein Bruder Hakan verdeutlicht: „Der Schwerpunkt liegt zunächst auf frischem Obst und Gemüse – quasi wie auf dem Markt, die meisten Waren sind der Umwelt zu Liebe unverpackt.“ Außerdem gibt es im Markt eine Bäckereitheke mit frischem Brot, Kleingebäck, „wobei besonders die täglich frischen Baklava-Sorten nicht wegzudenken sind“. An der Fleischtheke gibt es eine große Auswahl von Lamm, Rind und Geflügel – halal, versteht sich.

Zudem gibt es eine Fischtheke, die täglich frisch beliefert wird. Auch gibt es weitere Produkte, die in einem deutschen Supermarkt in dieser Breite meist nicht zu finden seien, so Turgut. Ob Oliven in zahlreichen Variationen oder spezielle Käsesorten: „Wir wollen bewusst andere Produkte anbieten, um uns vom herkömmlichen Supermarkt zu unterscheiden und so Kundschaft anzuziehen.“

Ein gutes erstes Jahr

Daran arbeitet die gesamte Familie – der Vater, sieben Geschwister „und die Mama hält im Hintergrund alles zusammen“. Insgesamt beschäftigt die Familie Turgut 20 Mitarbeiter und zwei Aushilfen in den beiden Märkten.

Das erste Jahr sei trotz der Corona-Umstände „gut gelaufen, wir sind zufrieden und bekommen von unseren Kunden auch ein sehr gutes Feedback“. Zudem würde sich der Kundenstamm stetig erweitern, „vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Eine bessere Werbung als die Empfehlung von Kunden gibt es nicht“, freuen sich die beiden.

Von Andreas Schmidt

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