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Marburg Trio der Gemeindeschwestern ist komplett
Marburg Trio der Gemeindeschwestern ist komplett
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13:00 30.01.2021
Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies freut sich über das komplettierte Trio der Marburger Gemeindeschwestern 2.0 (vorne von links): Sina Gattinger, Silke Plessl und Martina Heinzer.
Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies freut sich über das komplettierte Trio der Marburger Gemeindeschwestern 2.0 (vorne von links): Sina Gattinger, Silke Plessl und Martina Heinzer. Quelle: Foto: Gianfranco Fain
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Marburg

Die Menschen werden immer älter. Diese positive Entwicklung hat aber auch Schattenseiten. „Deshalb müssen wir darauf achten, dass sie auch gut leben“, meint Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies beim Vorstellen von Silke Plessl, die das Team der Gemeindeschwestern der Stadt Marburg komplettiert. Bisher kümmerten sich schon Sina Gattinger und Martina Heinzer um Belange älterer Mitbürger.

Gerade ältere Menschen kennen eventuell den Begriff Gemeindeschwester noch, gab es unter diesem Namen bis zum Ende der 1980er Jahre schon ein Hilfsangebot. Damals handelte es sich um das Unterstützen der Menschen in medizinischen Dingen, heutzutage ist die Tätigkeit der „Gemeindeschwester 2.0“ anders geartet. Ihre Arbeit richtet sich vor allem gegen das Vereinsamen – ein Schicksal, welches älteren Mitbürgern drohen kann.

Um dies zu verhindern, fand Sina Gattinger die Idee, alte Menschen zu unterstützen, „ganz toll“. Die 41-Jährige beschreibt ihre Tätigkeit als abwechslungsreich und spannend. Während ihrer Besuche bei älteren Mitbürgern hat sie „Zeit ihnen zuzuhören, kann ihnen helfen, die Bürokratie zu meistern und individuelle Angebote für sie zu finden“. Zum Beispiel, indem sie Informationen zu Sport im Allgemeinen oder Rehabilitationsangeboten im Besonderen gibt. Denn es geht darum, die Teilhabe am täglichen Leben aufrechtzuerhalten.

Silke Plessl Quelle: Gianfranco Fain

Der Hilfsbedarf ist von Stadtteil zu Stadtteil unterschiedlich. In den kleineren achten die Menschen immer noch mehr aufeinander als in den größeren, stellte Gattlinger fest. Aber ganz gleich, ob großer oder kleiner Ort: Gattinger wie auch Martina Heinzer gehen trotz Corona auch jetzt noch auf Hausbesuch – wenn es gewünscht ist und die AHA-Regeln eingehalten werden können. Denn: „Die Nähe ist durch die Verbreitung des Virus erschwert“, wissen beide. Auch deshalb freuen sich die Menschen umso mehr, wenn Besuch kommt und sicherlich ebenfalls, weil das Angebot „kostenlos und unverbindlich ist“. Dennoch ist es nicht selbstverständlich einen Kontakt aufzubauen. „Es ist eine Sache der Empathie“, weiß die 57-jährige Heinzer aus Erfahrung. Danach sei das Gespräch wichtig, um eine Beziehung zum hilfesuchenden Menschen aufzubauen. Für dieses gibt es keine festgelegte Zeitdauer. „Je nach Situation kann es schnell gehen oder auch länger dauern, zum Beispiel bei einer Trauerbegleitung“, berichtet Heinzer. Ein Hindernis sei oft, dass gerade ältere Menschen sich scheuen, Hilfe zu erbitten oder diese, wenn angeboten, auch anzunehmen. „Viele wollen nicht zur Last fallen“, hat Heinzer oft festgestellt.

Martina Heinzer Quelle: Gianfranco Fain

Diese Erfahrungen wird Silke Plessl noch machen, weiß aber, dass sie auf das zurückgreifen kann, was ihre beiden Kolleginnen schon erarbeitet haben. Die 46-Jährige stellte während ihres Studiums fest, gern mit älteren Menschen zu arbeiten. Nun ist sie seit dem 1. Januar in das Team eingestiegen und befindet sich noch in der Einarbeitungsphase.

Oberbürgermeister Spies freut sich, dass das Team nun komplett ist, liegt ihm das vom Land geförderte, gemeinsame Projekt mit der Altenhilfe St. Jakob doch „sehr am Herzen“. Es ist eingebettet in das Konzept der Altenplanung, mit dem die Stadt Marburg im Jahr 2010 „Maßstäbe setzte“, wie er sagt.

Daraus entstand in Marburg eine einzigartige Kooperation, die im Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt (BiP) eine zentrale Anlaufstelle hat, ergänzt Dr. Petra Engel, Leiterin der städtischen Altenplanung,

Sina Gattinger wirkt in den westlichen Stadtteilen Marburgs – Cyriaxweimar, Dagobertshausen, Dilschhausen, Elnhausen, Haddamshausen, Hermershausen, Michelbach und Wehrhausen. Die 41-jährige Erzieherin absolviert derzeit eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin. Sie ist seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit tätig und lebt mit ihrer fünfköpfigen Familie in der Gemeinde Lohra.

Sina Gattinger Quelle: Gianfranco Fain

Martina Heinzer ist Ansprechpartnerin in Bauerbach, Ginseldorf, Moischt und Schröck. Sie war viele Jahre als Krankenschwester tätig und hat sich zur Wohnberaterin fortgebildet. Die 57-Jährige lebt mit ihrer Familie in Niederweimar.

Silke Plessl wird ebenfalls in den westlichen Stadtteilen Marburgs tätig sein. Als Familienlotsin berät sie junge Familien und steht vor dem Ende ihres Studiums der Sozialen Arbeit. Die 46-Jährige lebt mit ihrer Familie in Großseelheim.

Das Projekt Gemeindeschwester 2.0 ist Teil der seit dem Jahr 2010 begonnenen Altenplanung der Stadt beziehungsweise des Konzepts „Gut Älterwerden in Marburg“. Die Gemeindeschwestern sind Soziallotsinnen, die auf Anfrage alte Menschen, die keine Leistungen aus der Pflegekasse beziehen, in ihren Lebenssituationen beraten oder unterstützen und dazu ihre Netzwerke nutzen.

Sie geben zum Beispiel Tipps zur sozialen Teilhabe, Wohnen und Gesundheit, erkundigen sich nach Bedürfnissen der Menschen, ihren Anliegen und Sorgen. Dies kann im persönlichen Gespräch oder auch telefonisch erfolgen. Für den Erstkontakt können Ratsuchende die Rufnummer 0 64 21 / 2 01 14 62 nutzen. Unter dieser Nummer sind die Gemeindeschwestern kostenfrei und unverbindlich Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr sowie Donnerstag zusätzlich von 14 bis 17 Uhr zu erreichen.

Das Büro befindet sich im Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt am Rudolphsplatz in der Innenstadt. Dort sind Anbieter wie zum Beispiel die Altenhilfe und der Seniorenbeirat, die Alzheimer Gesellschaft, die Freiwilligenagentur, der Marburger Betreuungsverein SuB oder auch die Pflegebüros vertreten.

Von Gianfranco Fain

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