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Marburg Spielzeug oder sinnvoller Nutzen?
Marburg Spielzeug oder sinnvoller Nutzen?
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14:58 28.08.2021
Statt Videokonferenzen könnten Besprechungen mittels Datenbrille auch im virtuellen Raum stattfinden - doch bringt das Vorteile? Das testet die Marburger Inosoft AG derzeit. 
Statt Videokonferenzen könnten Besprechungen mittels Datenbrille auch im virtuellen Raum stattfinden - doch bringt das Vorteile? Das testet die Marburger Inosoft AG derzeit.  Quelle: Foto: Inosoft
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Marburg

„Ist das, was technisch machbar ist, auch wirklich brauchbar?“ lautet die zentrale Frage, die die Mitarbeiter der Marburger Inosoft AG derzeit umtreibt. Hintergrund für diese fast philosophisch anmutende Problematik ist die Entwicklung eines virtuellen Experimentierraums, in dem sich getrennt voneinander sitzende Kollegen virtuell treffen und zusammenarbeiten können.

Lässt sich, wenn man eine Datenbrille trägt, überhaupt ein Gefühl der Zugehörigkeit zur anwesenden Gruppe herstellen? Lässt sich ausblenden, dass man Avataren gegenübersteht und nicht dem Kollegen in Fleisch und Blut? Und – wie kreativ und produktiv kann man unter diesen Umständen sein?

Mit diesen Fragen setzen sich die Inosoft-Mitarbeiter aktuell im internen Projekt „Virtueller Experimentierraum“ auseinander. Dabei wird versucht zu klären, ob mithilfe der Virtual-Reality-Technologie eine kreative Zusammenarbeit überhaupt möglich ist.

„Mit viel Liebe zum Detail wurde ein virtueller Raum entwickelt und eingerichtet, zu dem alle Mitarbeiter – über eine marktgängige Virtual-Reality-Datenbrille – Zutritt haben“, teilt Thomas Winzer von der Inosoft-Geschäftsleitung mit. Dabei sei es egal, ob kleine Gruppen für die Projektarbeit zusammenkämen oder es um ein kurzfristig einberufenes Brainstorming gehe.

Soweit die Theorie. Aber – an diesem Punkt beginne die spannende Realität: Welche Hilfsmittel, Software-Tools und Ähnliches sind notwendig und inwieweit wird die Ergebnisfindung beeinflusst durch den Umstand, dass die Teilnehmer durch die Datenbrille vollständig auf die virtuelle Umgebung fokussiert sind?

„Und nicht zuletzt: Wollen die Kollegen so arbeiten? Wird der Raum als wirkliches Werkzeug für den Arbeitsalltag angenommen werden, oder nur ein nettes Spielzeug sein für Gelächter, wenn man mal wieder ,im Kollegen steht’ oder durch die Treppe gefallen ist?“, fragt Winzer. Die Experimentierphase laufe noch bis zum Ende der Sommerferien – bis dahin werde sich zeigen, wie sich die Thematik entwickele.

Auch wenn der Test noch nicht abgeschlossen sei, zieht Thomas Winzer im Gespräch mit der OP ein erstes Fazit: „Die Meetings im virtuellen Raum werden Videokonferenzen oder gar persönliche Treffen nicht gänzlich ablösen.“ Denn: Im Virtuellen würden sich Avatare gegenüberstehen – künstlich geschaffene Wesen. Denen fehle jedoch das, was ein wesentlicher Bestandteil der Kommunikation unter Menschen sei: Gestik und Mimik.

„Wenn es darum geht, dass man in dem virtuellen Raum beispielsweise über Gegenstände oder Problemlösungen spricht, für die man dann virtuelle Gegenstände, Modelle oder gar digitale Zwillinge zur Verdeutlichung verwendet, dann funktioniert das prima und die Umgebung hat einen immensen Nutzen“, verdeutlicht Thomas Winzer. Für weitere Themenfelder müsse sich dieser Nutzen jedoch zunächst noch beweisen.

Von Andreas Schmidt