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Marburg Trauerbriefe verschwinden auf dem Postweg
Marburg Trauerbriefe verschwinden auf dem Postweg
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13:00 30.01.2022
Trauerpost
Trauerpost Quelle: Carsten Beckmann
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Marburg

Stirbt ein Mensch, ist es eine Geste, Hinterbliebenen Geld zu schenken – eine Tradition, die fast so weit verbreitet ist, wie durch einen Kranz oder ein Grabgesteck der verstorbenen Person zu gedenken. Häufig werden Karten mit Geldzuwendungen den Hinterbliebenen während oder nach Trauerfeiern überreicht. Doch häufig werden diese Karten und Briefe auch mit der Post verschickt –meistens dann, wenn nach dem Todesfall kein persönlicher Kontakt zustande kommt.

So geschah es im Fall einer älteren Frau aus Wehrda (Name ist der Redaktion bekannt), die im November vergangenen Jahres ihren Mann verlor. Wenige Tage nach dem Todesfall verschickte die Witwe 70 Trauerbriefe, um Familienmitglieder, Freunde und Bekannte über das Ableben ihres Ehemannes zu unterrichten. Viele der Adressaten antworteten, doch als mehrere dieser Schreiben geöffnet – und ohne Geld – bei der Frau im Briefkasten landeten, wurde sie misstrauisch. Nachfragen bei mehreren angeschriebenen Personen ergaben, dass einige abgeschickte Briefe gar nicht in Wehrda zugestellt wurden. Die Absender hatten ihren Wohnsitz im Raum Kassel, in Herborn, aber auch in angrenzenden Bundesländern. Das machte es wahrscheinlich, dass die Sendungen auf „der letzten Meile“ verschwanden.

Die Frau aus dem Marburger Stadtteil wandte sich an den Kundenservice der Post und schilderte ihren Verdacht – angeboten wurden ihr zehn Briefmarken als Ersatz für möglicherweise verloren gegangene Briefe. Damit gab sich die Witwe natürlich nicht zufrieden, sondern erzählte ihre Geschichte der OP-Redaktion. Recherchen bei den Kollegen in der Pressestelle der Post AG erhärteten den Verdacht, den die Frau aus Wehrda hegte: „Unsere internen Konzernsicherheitsmitarbeiter vor Ort recherchieren gerade sehr intensiv und verfolgen eine konkrete Spur“, antwortete Postsprecher Thomas Kutsch Anfang Januar auf eine entsprechende OP-Anfrage. Eine gute Woche später folgte dann das Ergebnis der Recherche – Kutsch teilte mit: „Wir sind tätig geworden und haben eine/n Mitarbeiter/in von seiner/ihrer Tätigkeit entbunden, so dass er/sie ab sofort nicht mehr für uns tätig ist.“ Das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer/in sei massiv gestört gewesen, so dass eine Weiterbeschäftigung nicht mehr möglich gewesen sei, so der Postsprecher weiter.

Weiter erklärte Kutsch: „Wir sind in engem Kontakt mit dem von Sendungsverlusten betroffenen Personenkreis in dem relevanten Bereich in Wehrda.“

Er betonte jedoch: „Dieser geschilderte Fall ist ein Einzelfall, nach wie vor machen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen tadellosen und klasse Job nicht nur im Raum Marburg.“

Leider, so Kutsch, sei auch die Post nicht zu 100 Prozent vor krimineller Energie geschützt: „Ebenso wie alle anderen gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Bereiche oder Unternehmen sich davor nicht zu 100 Prozent schützen können.“

Auch bei der Einstellung der jetzt gekündigten Person seien alle Kriterien bei der Einstellung eingehalten worden. Abschließend sagte der Postsprecher: „Wir setzen alles daran, die Ursache für diese Verluste lückenlos aufzuklären – dies kann aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.“

Allen Postkundinnen und Postkunden rät Kutsch aus gegebenem Anlass: „Geld oder andere Wertgegenstände gehören nicht in einen gewöhnlichen Standardbrief.“ Wenn dies auch zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder Geburtstagen oder auch bei Trauerfällen praktiziert werde, sei dies nicht durch die allgemeinen Geschäftsbedingungen gedeckt und somit von der Haftung ausgeschlossen. Solle Geld verschickt werden, sei der sogenannte Wertbrief die sichere Variante: „Der Wertbrief erlaubt, auch Bargeld bis 100 Euro zu versenden. Dieser kostet zu den normalen Portogebühren noch zusätzlich 4,45 Euro zusätzlich, sichert aber den versendeten Wert bei Verlust.“ Ein wertvoller Tipp, insbesondere bei Trauerpost – der schwarze Rand auf dem Umschlag macht es wahrscheinlich, dass der Brief Geld enthält.

Von Carsten Beckmann

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