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Marburg Swingend unter dem Tannenbaum
Marburg Swingend unter dem Tannenbaum
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22:00 26.12.2019
Jan Luley (von links). Ulla Keller, Dirk Kunz, Wilhelm Bräutigam und Thomas L‘Etienne sorgen für eine Weihnachtsatmosphäre der besonderen Art – und das alle Jahre wieder. Quelle: Ina Velte
Marburg

Von „White Christmas“ keine Spur vor der Waggonhalle. Da hilft auch „Let it Snow“ auf die Schnelle nicht. Dennoch, „Weihnachten kann kommen“, findet Pianist und Sänger Jan Luley, der auch die Anmoderation für die zehnte Auflage von „Swinging Christmas“ in Marburg übernimmt. Nicht viele Neulinge sind unter den knapp 200 Zuhörern.

Ein kurzes Handheben beweist es: Etwa ein Drittel ist zum ersten Mal da, die übrigen sind Wiederholungstäter. Wer sich abseits der Plätschermusik der Kaufhäuser und Märkte auf Weihnachten einstimmen will, kommt an den fünf Musikern nicht vorbei.

Gute handgemachte Musik, gewürzt mit originellen Arrangements – dafür stehen Sängerin und Gesangslehrerin Ulla Keller, Wilhelm Bräutigam und Jan Luley. Auf dem Programm stehen am Freitag, Samstag und Sonntag ihre Weihnachtsfavoriten, begleitet von Martin Müller am Schlagzeug. Dirk Kunz ist Pulsgeber am Bass.

Federndes, rhythmisches Swing-Ambiente

Bekannte und weniger bekannte Titel deutscher und amerikanischer Weihnachtslieder holen die Zuhörer raus aus dem Vorweihnachtsstress in ein federndes, rhythmisches Swing-Ambiente. „Leise rieselt der Schnee“ als Bossa Nova ist zu hören, ebenso Songs im typischen „Christmas in New Orleans“-Style oder die musikalische Antwort auf die Frage „Is that you, Santa Clause?“.

Dazwischen gibt‘s immer wieder kleine Anekdoten, ebenso ein fröhlich-schräges Heine-Gedicht über „Die Launen der Verliebten“. Das Publikum fühlt sich prächtig unterhalten. Special Guest des Jubiläumskonzertes ist der international renommierte Saxofonist und Klarinettist Thomas l’Etienne. Von samtig-weich bis explosiv-bluesig zeigt er solo oder im Verbund mit den anderen alle Facetten seines Könnens. Dafür bekommt er immer wieder Zwischenapplaus.

Schlagzeug und Bass halten den Groove am Laufen. Das Publikum tippt mit den Füßen, wippt im Takt, schnippt mit den Fingern. Die Musiker spielen sich immer wieder die Bälle zu. Jeder brilliert in einzelnen Soli. Ulla Keller mit hellem Sopran im roten Kleid singt mal alleine, mal im Duett – sie kann es klassisch oder im Stil von Jazz-­Legende Ella Fitzgerald. Der Marburger Wilhelm Bräutigam ist ein Entertainer wie er im Buche steht.

Jubiläums-Gast Thomas l’Etienne 

In weißem Sakko mit rotem Einstecktuch flirtet er mit Ulla Keller, geht auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Der schmelzende Charme seiner Stimme wickelt wirklich jeden um den Finger. Im Duett singen beide „Baby, it‘s cold outside“, was man ihnen auch bei frühlingshaften Temperaturen fast abnehmen möchte.

Jubiläums-Gast Thomas l’Etienne singt sich mit einem seiner Lieblingstitel von Nat King Cole mitten in die weit geöffneten Herzen der Zuhörer. Gefühlvoll haucht er „The little boy that Santa Clause forgot“ ins Mikrofon. „Auf die Phrasierung kommt es an“, erklärt Bräutigam den Swing. „Hänschen klein“ muss herhalten, um den Charakter und die Rhythmik des populären Jazz-Stils zu erläutern.

Es gibt so manchen Lacher, als das Kinderlied zunächst im Vierviertel-, dann im Dreivierteltakt erklingt, ehe es mit Offbeat-Akzenten in den Swing übergeht. Mit „Jingle Bells“ erreicht der Abend seinen Höhepunkt und gleichzeitig den Abschluss. Ulla Keller und ihre Männer auf der Bühne baden im Applaus.

von Ina Velte