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Marburg Tischler zeigen ihre Gesellenstücke
Marburg Tischler zeigen ihre Gesellenstücke
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16:00 20.07.2022
Lennard Goronzy (Innenausbau Rabe) gewann mit seinem Sideboard aus Fenix und Zebrano den Wettbewerb "Die gute Form" und wird die Tischler-Innung ;arburg im Herbst beim Hessenwettkampf vertreten.
Lennard Goronzy (Innenausbau Rabe) gewann mit seinem Sideboard aus Fenix und Zebrano den Wettbewerb "Die gute Form" und wird die Tischler-Innung ;arburg im Herbst beim Hessenwettkampf vertreten. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Auf den ersten Blick vergleichsweise unscheinbar hängt das Gesellenstück von Lennard Goronzy an der Wand: Ein schwarzes Sideboard, das nach rund zwei Dritteln schräg von Zebrano-Holzleisten durchbrochen wird. Edel schaut es aus. Und dann schiebt Marburgs bester Nachwuchs-Tischler das Möbelstück auf: Die schwarzen Flächen gleiten auseinander, die Holzflächen entpuppen sich als Lamellen – und das Innenleben bietet zwei verschiebbare Regalböden und jede Menge Stauraum.

Außerdem ist an der rechten Stirnseite noch eine Tür mit verdecktem Öffnungsmechanismus angebracht. „So stört kein Griff oder Beschlag den wunderbaren, minimalistischen Aufbau“, lobt Tischler-Obermeister Stephan Becker die Arbeit des Ex-Azubis. Becker war Teil der Jury im Wettbewerb „Die gute Form“ des Tischler-Handwerks, bei dem das beste Gesellenstück ausgezeichnet wird. „Die Verbraucher bekommen jede Woche Möbelprospekte ins Haus, die versuchen, über Formensprache, Materialien und Beschläge alles Erdenkliche in ein Möbelstück zu packen – das ist nie gute Gestaltung“, sagt er.

„Gute Gestaltung ist reduziert: Weniger ist immer mehr“, steht für den Tischlermeister fest. Goronzy habe diesen Minimalismus „in Perfektion geschafft: Ein schwarzer Kubus mit Massivholz-Einlage, an dem das Auge einen Punkt hat, an dem es sich orientieren kann“, lobt er. Hinzu komme das Überraschungsmoment, wenn sich die äußere, schlichte Hülle öffne. „Dann kann man innen auf Entdeckungstour gehen.“

Dabei seien es nur „Nuancen“ gewesen, die den Unterschied zum Zweitplatzierten Johannes Meier mit dessen Sideboard ausgemacht hätten. „Beide lagen eng beieinander“, sagt Becker. Das liege auch an den Ausbildungsbetrieben – Rabe Innenausbau im Fall von Lennard Goronzy und Fus + Sohn bei Johannes Meier. „Es sind beides innovative Betriebe, die Gestaltungskompetenz haben, diese zeigen – und sie ihren Auszubildenden mit auf den Weg geben. Daher kommen immer sehr gute Prüfungsstücke dabei heraus.“

Sieben Azubis haben Prüfung abgelegt

Sieben Azubis haben die Gesellenprüfung abgelegt – alle hätten eine „wirklich solide Leistung“ gezeigt, freut sich der Obermeister.

Und wie kam der Gewinner auf die Idee zu seinem hängenden Sideboard? „Ein wandhängendes Möbel, das sich aufschiebt und von oben bedienbar ist, war von Anfang an meine Idee“, sagt der Top-Geselle. Über Lamellen, „die derzeit ja auch im Außenbereich stark im Trend liegen“, habe er sich dem Design angenähert. „Aber das Möbel sollte schon komplett geschlossen sein“, erzählt Goronzy. Also entwickelte er die Idee der „Zähne“, die ineinanderlaufen „und das Möbel dann abschließen“.

Auf die Mischung schwarzes Fenix – eine kunststoffbeschichtete, unempfindliche Platte – und Zebrano-Holz sei er recht spontan gekommen, „die Materialien passen perfekt zueinander", sagt er. Fand auch die Jury – und zeichnete die Arbeit des Gesellen mit dem Spitzenplatz aus.

Im Herbst muss sich Lennard Goronzy gegen 23 weitere Innungsbeste aus Hessen beweisen. Ist er schon aufgeregt? „Erstmal bin ich erleichtert, dass die Prüfung durch ist“, sagt er lachend. Die Aufregung vor dem Wettbewerb „wird bestimmt dann erst kommen“.

Dabei hat Lennard Goronzy quasi starke Ex-Konkurrenz im eigenen Haus: Die Firma Rabe hat schon mehrfach nicht nur Landes-, sondern auch Bundessieger hervorgebracht.

Von Andreas Schmidt

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