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Marburg Tischbein und die Öfen
Marburg Tischbein und die Öfen
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15:58 19.06.2021
Eine Ausstellung im Kloster Haina zeigt Illustrationen des Gothe-Malers Wilhelm Tischbein für Kachelöfen.
Eine Ausstellung im Kloster Haina zeigt Illustrationen des Gothe-Malers Wilhelm Tischbein für Kachelöfen. Quelle: privat
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Haina

Im späten 12. Jahrhundert begannen Zisterzienser mit dem Aufbau des Klosters Haina – fernab im Kellerwald gelegen. Die Kirche zählt zu den bedeutendsten frühgotischen Baudenkmälern in Deutschland. Das Kloster selbst ist eine der besterhaltenen und kunsthistorisch bedeutsamsten mittelalterlichen Klosteranlagen in Deutschland. Heute beherbergt das Kloster ein Zentrum für Soziale Psychiatrie.

Der Verein Freunde des Klosters Haina bemüht sich seit vielen Jahren um „das versteckte Kleinod in der Heimat der Brüder Grimm“ – mit Führungen, der Pflege des Stamfordschen Gartens, der das Kloster umgibt, und vor allem mit Ausstellungen. Mit Haina eng verbunden ist etwa die umfangreiche Malerdynastie der Tischbeins. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829) ist wohl der berühmteste Spross dieser Maler-Familie wegen seines berühmten Porträts des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe.

Die WG der Dichter und Denker

Der Maler lebte und arbeitete mehr als 16 Jahre in Italien und nahm 1786 in seiner Wohnung in Rom den Dichter Goethe auf. Es war eine frühe Wohngemeinschaft – Tischbein, Goethe inkognito und andere deutsche Künstler wohnten zusammen. In dieser Zeit entstand das Porträt, das Goethe mit hellem Mantel und großem Hut vor antiken Ruinen zeigt.

Diesem Tischbein widmet der Verein nun eine neue Ausstellung, die am heutigen Samstag eröffnet wird: „Eingeheizt! Tischbein und die Öfen“. Gezeigt werden Motive aus der römischen und griechischen Antike von Tischbein, die auf Kachelöfen als Schmuck Verwendung fanden. Diese Kunstwerke würden zum ersten Mal einem breiten Publikum vorgestellt, teilte Klaus Brill von den Freunden des Klosters Haina mit. „Es handelt sich um interessante Beispiele von Gebrauchskunst, die dazu dienen sollten, den Alltag zu verschönern und zu bereichern“, sagt die Kasseler Kunsthistorikerin Caroline von der Osten-Sacken, die die Präsentation kuratiert hat.

Die Motivfindung

Als Vorlage für die Ofendekore dienten unter anderem Illustrationen, die Tischbein im Auftrag des englischen Gesandten in Rom, Sir William Hamilton, anfertigte, sowie Illustrationen für sein eigenes Werk „Homer nach Antiken gezeichnet“. Die Motive stammten oft von antiken Vasen.

Präsentiert wird ein historischer Ofen aus der Sammlung der Allendorfer Firma Viessmann. Zudem werden originale Kacheln, hochwertige Fotos von Eutiner Öfen sowie Reproduktionen anderer Tischbein-Werke gezeigt, die der Künstler nach der „Ilias“ und der „Odyssee“ des Dichters Homer und nach Fresken aus Pompeji gestaltet hat.

In der Ausstellung ist auch der Stammbaum der Familie Tischbein zu sehen, deren Stammeltern der Hainaer Klosterbäcker Johann Heinrich Tischbein (1683-1764) und seine Frau Susanna Margaretha geb. Hinsing (1690-1772) waren. Aus ihrer Ehe gingen in drei Generationen mehr als zwei Dutzend namhafte Malerinnen und Maler hervor. Die bekanntesten waren neben dem „Goethe-Tischbein“ dessen Onkel, der langjährige Kasseler Hofmaler und Akademie-Direktor Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722-1789), und sein Cousin Johann Friedrich August Tischbein (1750-1812), der seine Karriere in Arolsen begann, als Porträtist an zahlreichen Fürstenhöfen weilte und schließlich Akademiedirektor in Leipzig wurde.

Die Ausstellung

Die Ausstellung wird am Samstag, 19. Juni, um 11 Uhr eröffnet und ist bis zum 31. Oktober zu sehen. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Jeden Sonntag finden um 14 Uhr Führungen durch das Kloster und die Ausstellung statt. Der Eintritt kostet 4 Euro, bei Führungen 7 Euro. Haina liegt knapp 40 Kilometer nördlich von Marburg.

Von Uwe Badouin