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Marburg Gemüse selbst anbauen: Darauf sollten Sie achten
Marburg Gemüse selbst anbauen: Darauf sollten Sie achten
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06:57 14.05.2022
„Es ist einfach die Vielfalt, was zu machen, draußen zu sein und sich die Hände schmutzig zu machen“, sagt Manuel Reuter (links). Er hat mit Jutta Greb (rechts) die „Gartenwerkstadt“ gegründet.
„Es ist einfach die Vielfalt, was zu machen, draußen zu sein und sich die Hände schmutzig zu machen“, sagt Manuel Reuter (links). Er hat mit Jutta Greb (rechts) die „Gartenwerkstadt“ gegründet. Quelle: Felix Hamann
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Marburg

Sie ernten Tomaten, Kohlrabi, Blumenkohl aus dem eigenen Garten? Glückwunsch. Selbst angebaut schmeckt meist besser und Sie sparen auch jede Menge Geld. Denn die meisten Gemüse- und Obstsorten in Super- und Wochenmärkten sind dramatisch teuer geworden.

Der Preis von Tomaten etwa stieg um satte 27 Prozent im März im Vergleich zum Vorjahr. Nur ein Beispiel von vielen. Auch setzen immer mehr Deutsche auf Obst und Gemüse aus dem eigenen Anbau. Laut Statista waren es bereits im Jahr 2021 rund 37 Millionen Menschen, die zumindest einen Teil für die Selbstversorgung anbauen. Und der Trend hält an.

Obst und Gemüse anbauen kann übrigens jeder, auch wenn er keinen eigenen Garten besitzt. Oft reicht schon ein Hochbeet oder ein großer Kübel. Für alle, die gärtnern möchten, sich bislang aber noch nicht trauten, gibt die Gartenwerkstadt Marburg Tipps für das richtige Anbauen.

Am wichtigsten ist Zeit

Und die beginnen mit der richtigen Auswahl der Gemüse- und Obstsorten, denn die ist immer jahreszeitenabhängig. Mit den ersten Frühlingsstrahlen begann auch in Marburg die Gartensaison. Spargel, Mangold, Spinat, Knoblauch oder auch Schnittsellerie – mehr als 70 verschiedene Gemüsearten, alleine 18 verschiedene Tomatensorten, werden über das Jahr verteilt von der Gartenwerkstadt auf dem Gelände des Gesundheitsgartens in Marburg angebaut. Und auch die nächsten Gemüsesorten warten hier schon in wenigen Wochen auf ihren Auftritt: Kartoffeln, Bohnen und Rote Beete.

Seit 2019 schult Manuel Reuter zusammen mit Gartenwerkstadt-Mitbegründerin Jutta Greb Workshop-Gruppen im bewussten Umgang mit Pendelhacke, Unkrautstecher, Schaufel oder Gießkanne. „Der Kurs dient dazu, dass die Menschen lernen, wie man Gemüse anbaut. Dabei ist das Wichtigste, dass beim Gärtnern ausreichend Zeit eingeplant wird“, sagt Reuter. Bevor jedoch der Samen in die Erde kommt, sollten vor allem beispielsweise bei Tomaten die sogenannten „Eisheiligen“ abgewartet werden, da hier aufkommender Frost die Ernte schnell zerstören kann.

Die Eisheiligen wären normalerweise an diesem Wochenende. Ein Blick aus dem Fenster verrät: Dieses Jahr blieben Hobbygärtner verschont. Grundsätzlich empfiehlt sich aber, Setzlinge zu Hause hochzuziehen, bevor man sie schließlich in die Erde setzt. „Ich habe gerade 100 Tomatenpflanzen bei mir zu Hause“, erzählt Jutta Greb.

Weiter empfiehlt Manuel Reuter, über die Wintermonate Laub und Mulch auf die Erde zu legen. „Das verhindert, dass Gras durchwächst“, erklärt er. Ein weiterer Nebeneffekt sei zudem, dass Mikroorganismen die organischen Materialien verspeisen und sich die Erde dadurch deutlich leichter auflockern lässt. „Man sollte den Boden tief auflockern, damit das Wasser gut einziehen kann und sich die Wurzeln gut ausbreiten können“, sagt Reuter.

Dagegen sei das komplette Umschichten des Erdbodens eher kontraproduktiv, da sich das Ökosystem auf diese Umstellung erneut einstellen müsste. Das hat den Hintergrund, dass Mikroorganismen, die weniger Sauerstoff brauchen, in den unteren Erdschichten leben und umgekehrt.

An wechselnden Orten pflanzen

Zum Thema Gießen hat Reuter eine klare Antwort: „Es wird häufig nur wenig gegossen, dabei ist es sinnvoller, seltener, aber dafür viel zu gießen.“ Denn so gelange das Wasser nicht nur in die oberen Schichten, sondern auch bis zu den tieferen Wurzeln. Das hat den Effekt, dass die Wurzeln tiefer wachsen und sobald das Gießen einmal vergessen wird, die Pflanze nicht direkt eingeht. „Die Pflanzen haben dadurch eine höhere Resistenz“, sagt Reuter.

Ebenso wichtig ist die Beachtung der sogenannten Fruchtfolge: „Manche Pflanzen brauchen sehr viele Nährstoffe und wenn man sie auf dieselbe Stelle setzt, laugt das den Boden aus“, erklärt Reuter. Doch auch Schädlinge und Krankheitserreger wie Schnecken merken sich den ursprünglichen Pflanzungsort und können diese sofort befallen. Daher sollten die verschiedenen Gemüsesorten immer an wechselnden Orten angepflanzt werden. Und wenn Sie alles richtig gemacht haben, können Sie schon nach wenigen Wochen das eigene Gemüse ernten.

Die Gartenwerkstadt bietet am 18. Mai von 17 bis 19 Uhr einen weiteren Workshop an: Ein Gemüsegarten auf dem Balkon – was ist möglich? Die Teilnahmegebühr beträgt sechs Euro, eine verbindliche Anmeldung ist bis diesen Sonntag, 15. Mai, unter info@gartenwerkstadt.de möglich.

Einteilung von Gemüse

Starkzehrer entziehen dem Boden viele Nährstoffe. Daher sollten Beete für diese Kulturen schon im Herbst mit Kompost vorgedüngt werden. Zusätzlich brauchen sie während des Anbaus eine regelmäßige Düngung. Zu den Starkzehrern gehören zum Beispiel alle großen Kohlarten, Gurken, Zucchini oder Tomaten.

Mittelzehrer: Diese benötigen weniger Nährstoffe als Starkzehrer, sodass für einige von ihnen die Vorbereitung des Beetes mit Kompost im Herbst ausreicht. Zu den Mittelzehrern gehören Kohlrabi, Rote Bete, viele Salate und einige Doldenblütler wie Karotten und Pastinake.

Schwachzehrer: Sie brauchen nicht viele Nährstoffe, weshalb eine übermäßige Düngung sogar schädlich sein kann. Hierzu gehören beispielsweise Bohnen und Erbsen, die aufgrund einer Symbiose mit stickstofffixierenden Bakterien zu einer Anreicherung von Stickstoff im Boden führen.

Tipps beim Pflanzen

Vorziehen: Damit Gemüsepflanzen im Beet fleißig sprießen, wird empfohlen, sie einige Wochen im Haus hochzuziehen. Nicht nur, dass sich sonst häufig Schnecken über die kleinen Pflänzchen hermachen, auch Trocken- und Kälteperioden, Frost oder viel Regen können den Pflanzen somit nichts anhaben. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass unter anderem Tomaten aufgrund der Wärme in den Innenräumen schneller anfangen zu keimen.

Schädlinge: Es empfiehlt sich, zu später Stunde durch den Garten zu gehen und die Pflanzen nach Schnecken abzusuchen.

Von Felix Hamann

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