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Marburg Wie Chefs durch die Krise kommen
Marburg Wie Chefs durch die Krise kommen
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09:58 02.04.2020
Manuela Brehmen coacht Unternehmensleitungen und Führungskräfte. Quelle: Louis Ziehn
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Marburg

Führungskräfte stehen derzeit vor großen Herausforderungen. Das weiß auch Manuela Brehmen, die sich auf das coachen und beraten im Bereich „Gesunde Führung und Selbstführung“ spezialisiert hat. „Die wirtschaftlichen Probleme stehen sicher bei vielen an erster Stelle. Niemand weiß, wo die Reise hingeht“, sagt sie im OP-Gespräch und zählt weiter auf: „Es herrscht Personalmangel und die Mitarbeiter, die da sind, haben Ängste und fühlen Unsicherheiten. Genau diese Ängste hat die Chefin oder der Chef aber auch. Und das ist durchaus legitim.“

Wichtig in diesen herausfordernden Zeiten ist eine gesunde Selbstführung. Deswegen sollte sich jeder, der Verantwortung trägt, selbst fragen: „Was tut mir gut, wo kann ich Entspannung finden. Das ist gerade jetzt sehr wichtig. Man muss auch abschalten können“, rät Manuela Brehmen. Führungskräfte sind oft einsam. Deswegen rät die Gesundheitsmanagerin, sich kollegiale Kontakte zu suchen – entweder im Unternehmen oder außerhalb. Dabei spiele die Branchenzugehörigkeit keine Rolle. „Zu merken, man ist nicht allein mit diesen Problemen, kann helfen. Sich austauschen, nachfragen, wie andere in gleicher Position agieren. Was klappt, aber auch mit welchen Ideen sie gescheitert sind“, erklärt die Gesundheitsmanagerin, die an die Führungskräfte appelliert, „das Konkurrenzdenken außen vor zu lassen und sich lieber gegenseitig zu unterstützen, damit möglichst viele Unternehmen am Ende die Krise überstehen.“ Und vielleicht ergeben sich ja Chancen, auch nach der Krise noch zu kooperieren.

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Bei aller Sorge um die Rettung des Unternehmens und der Selbstfürsorge sollten Chefs aber ihre Mitarbeiter nicht vergessen und vor allem deren Engagement nicht als selbstverständlich sehen. „Gerade in schweren Zeiten müssen sie ernst genommen, unterstützt und auch motiviert werden. Denn sie sorgen dafür, dass das Produkt weiter hergestellt wird, dass der Kontakt zu den Kunden nicht abreißt“, sagt Manuela Brehmen. In enger Zusammenarbeit mit der Belegschaft sollten Kernaufgaben verifiziert, eine Art Rangliste erarbeitet werden: welche Projekte müssen, welche Projekte können umgesetzt werden. Es sollten Mitarbeiter für Kernaufgaben benannt werden und deren Stellvertreter. „Das gibt der Belegschaft Sicherheit und sorgt für eine gewisse Routine. Und das wiederum sorgt für Entlastung und Erleichterung bei den Mitarbeitern“, weiß die Beraterin, die noch hinzufügt: „Gerade zu den Mitarbeitern im Home Office sollte ein enger Kontakt gehalten werden. Die fühlen sich oft abgeschnitten und außen vor gelassen. Diese Ängste kann man ihnen mit klarer und motivierender Kommunikation nehmen.“

Wenn es Konflikte gibt, sollten diese nicht bagatellisiert, aber auch nicht unnötig aufgebauscht werden. Auf Befindlichkeiten sollte eingegangen werden, „aber auch klar gesagt werden, dass sich das Unternehmen gerade in einer Krise befindet. Oberstes Ziel sollte immer sein“, so Manuela Brehmen, „Lösungen zu finden, und das gemeinsam. Werden diese aufdoktruiert, dann fühlen sich Mitarbeiter oft nicht ernst genommen, was wiederum zu Konflikten führen kann.“ Führungskräfte sollten auch aufpassen, dass ihre Mitarbeiter nicht ausbrennen. Viele stehen aufgrund der besonderen Belastung im Unternehmen und zuhause ständig unter Strom. „Wenn körperliche Anzeichen zu merken sind, sollte unbedingt für Entlastung gesorgt werden.“ Das könnte auch bedeuten, dass die Chefin oder der Chef Aufgaben, beispielsweise in der Produktion, übernimmt.

Und was kann noch helfen? „Sich für den Mitarbeiter Zeit nehmen, Rückmeldung geben, Interesse zeigen und vor allem Ruhe bewahren“, rät Manuela Brehmen. Führungskräfte sollten trotz der unsicheren Lage unbedingt Sicherheit ausstrahlen. Das hilft auch der Belegschaft. Deswegen bleibe zwar die Belastung, aber sie wird nicht mehr als solche empfunden. „Wertschätzung kostet nichts, ist aber sehr effektiv“, betont die Gesundheitsmanagerin, die auch noch einmal betont: „So eine Krise kann auch zusammen schweißen, was wiederum für die Zukunft sehr nützlich sein kann.“

Von Katja Peters

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