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Marburg Hund erlegt Schwan an der Lahn
Marburg Hund erlegt Schwan an der Lahn
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18:01 14.06.2020
Ein Schwan landet in der Lahn. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Manch ein Fußgänger kennt das Gefühl, wenn einem zum Beispiel beim Spaziergang im Wald oder an der Lahn unvermittelt ein Hund gegenübersteht und vom Besitzer nichts zu sehen ist. Während solche Begegnungen für Menschen meistens ohne Zwischenfälle ausgehen, können Aufeinandertreffen von freilaufenden Hunden mit Wildtieren auch tödlich enden.

Von einem solchen Fall, der sich kürzlich in den Lahnauen ereignete, berichteten Augenzeugen gegenüber Mitgliedern des Naturschutzbundes Deutschland. Den Schilderungen zufolge fiel ein Hund bei Wehrda einen Schwan an und verfolgte diesen gar bis in die Lahn. Die herbeieilenden Hundebesitzer waren von der Attacke ihres Hundes offenbar überrascht und außerstande, ihren Vierbeiner zurückzuhalten. Der Schwan verendete an den Folgen der schweren Bissverletzungen.

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Bodenbrüter und Jungvögel besonders gefährdet

Da Hundehaltung und Naturschutz kein Widerspruch sein sollten, ruft der NABU-Kreisverband Marburg alle Hundebesitzer dazu auf, ihre Hunde an den Ufern der Lahn und anderer Gewässer anzuleinen. Wenn Hunde freilaufen, besteht immer die Gefahr, dass sie Witterung von wilden Tieren aufnehmen, erklärt der Nabu-Vorsitzende Eberhard Lübbecke. Ihr Jagdinstinkt veranlasse die Hunde, nicht mehr auf ihren Besitzer zu hören und die Wildtiere zu verfolgen. Dadurch würden auch andere Tiere aufgescheucht und aus ihrem Lebensraum vertrieben. Besonders Bodenbrüter und Jungvögel, aber auch Kleinsäuger seien gefährdet. Schwäne, Entenvögel, Teichhühner und viele andere Vögel brüten an Ufern von Gewässern. Auch streng geschützte Kleinsäuger, wie die vom Aussterben bedrohte Wasserspitzmaus, benötigen eine ungestörte Uferzone.

Eine solche sollte in den Lahnauen sein, die mit ihren Uferböschungen, Seitenarmen, Tümpeln und Feuchtwiesen einen „ganz besonders sensiblen und schützenswerten Lebensraum“ bilden. Dieser ist Rückzugs- und Nahrungsraum, Brut- und Rastplatz für mehrere Tierarten. Gleiches gilt für andere Naturschutzgebiete wie zum Beispiel die „Kleine Lummersbach“ bei Cyriaxweimar oder der Dammelsberg. Auch dort dürfen Hunde grundsätzlich nur angeleint laufen, erinnert Lübbecke.

Tod eines Schwans kann für Partner fatale Folgen haben

Der Tod des Schwans in den Lahnauen kann für den Partner und derer beider Brut fatale Folgen haben. Die lebenslang währende Partnerschaft ist jäh beendet, worauf der überlebende Partner mit Trauer und Unruhe reagiert. Manchmal verlassen sie auch ihre Brut, die aus bis zu acht Eiern bestehen kann, die sie in rund 35 Tagen gemeinsam ausbrüten.

von Gianfranco Fain