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Marburg Katzenbabys wurden halb verhungert ausgesetzt
Marburg Katzenbabys wurden halb verhungert ausgesetzt
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09:00 29.06.2020
Die kleinen Kätzchen sind nur drei von 40, die gerade im Tierheim Marburg aufgepäppelt werden. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Es wäre fast gestorben. So wie seine Mutter und seine Geschwister. Das kleine Tigerkätzchen „Dot“ aber hatte riesiges Glück. Jemand hatte das knuddelige Katzenbaby bei Wohratal an einer Straße entdeckt und das Tierheim Marburg informiert. Maresi Wagner, Leiterin des Tierheims, zögerte nicht und machte sich sofort auf den Weg in den Ostkreis. Die 30-Jährige musste nicht lange suchen. Das kleine Kätzchen kam ihr nach kurzem Locken durchs hohe Gras entgegengehüpft – so ausgehungert und einsam war es. „Es stellte sich leider raus, dass Mutter und Geschwister schon einige Tage vorher im Feuerlöschteich ertrunken waren“, erklärt Wagner. Das damals circa vier Wochen alte Katzenbaby hätte wohl nicht viel länger auf sich selbst gestellt überleben können, wäre es nicht gerettet worden. Dementsprechend dankbar zeigte sich die kleine „Dot“ sodann im Tierheim. „Im Warmen zu sein, regelmäßig essen zu bekommen und gestreichelt zu werden war für sie quasi ein Himmelsgeschenk“, freut sich Wagner.

Das Tigermädchen ist eines von rund 40 Katzenbabys, die derzeit im Tierheim Cappel aufgepäppelt werden. Zwar muss das Tierheim, das für den gesamten Landkreis Marburg-Biedenkopf zuständig ist, jeden Frühsommer mit einer Kätzchen-Schwemme kämpfen, aber „40 Katzenbabys zu diesem Zeitpunkt ist schon recht viel“, bestätigt Wagner. Ähnlich wie in jedem Jahr ist, dass die Katzenkinder zum Teil dramatische oder herzzerreißende Schicksale haben. Besonders schockierend war der jüngste Fund in der vergangenen Woche. Im Wald bei Holzhausen im Hinterland wurden zehn Katzenkinder aus offensichtlich zwei Würfen in einem Karton im Wald ausgesetzt. „Wären sie nicht gefunden worden, wären sie nach wenigen Stunden gestorben“, betont Maresi Wagner und beschreibt, wie unterernährt die Kitten waren.

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Doch mittlerweile geht es dank umsichtiger Menschen den Katzenkindern besser. Da die geschwächten Immunsysteme der Kätzchen sehr anfällig sind, mussten sie schnellstmöglich woanders untergebracht werden. Vier der ausgehungerten Findelkinder wurden von der Katzenbabyrettung Mittelhessen übernommen.

Die sechs anderen Kätzchen werden auf einer Pflegestelle aufgepäppelt. „Dafür sind wir sehr dankbar, denn uns ist es aus Zeitgründen nicht möglich, Katzenbabys mit der Flasche aufzuziehen“, bedauert Wagner.

Sie und ihr Team haben genug zu tun, denn auch die anderen Katzenkinder brauchen viel Pflege. Deshalb ist das Tierheim dringend auf der Suche nach Pflegestellen (siehe Infokasten unten).

„Aber auch Spenden helfen uns, denn Katzenkinder sind kostenaufwendig“, so Wagner. Die Kätzchen müssen entwurmt, geimpft und eventuell gegen Krankheiten behandelt werden. Einzig gute Nachricht derzeit: Nachdem das Tierheim mehrere Wochen unter Corona-Lockdown stand, dürfen nun auch Katzenkuschler wieder zu den liebesbedürftigen Samtpfoten.

Damit aber Katzen – und insbesondere Katzenkinder gar nicht erst im Tierheim landen, appelliert Maresi Wagner an alle Katzenbesitzer ihre Schützlinge dringend kastrieren zu lassen. Denn sie befürchtet, dass es sehr viele Kätzchen gibt, die eben nicht gefunden werden und die dann unbemerkt elendig zugrunde gehen. Nicht alle haben so viel Glück wie „Dot“ und die Hinterländer Karton-Kätzchen.

Pflegestellen gesucht

Um den kleinsten Schützlingen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, sucht das Tierheim Marburg momentan zwei Arten von Pflegestellen:

  • Pflegestellen für verwaiste Kätzchen, teils scheu, die selbstständig fressen, bis zur Vermittlung bzw. bis zur Erstimpfung/Einzug in eine Kätzchengruppe im Tierheim. Hier werden liebe Menschen gesucht, die sie betreuen, pflegen, mit ihnen spielen und den scheuen Kätzchen die Angst vor Menschen nehmen.
  • Pflegestelle für tragende oder säugende Katzenmütter und ihre Babies, darunter auch scheue Katzen. Gesucht werden Menschen, die sich die Betreuung während Trächtigkeit, Geburt und Aufzucht der Katze und ihrer Babies bis zur Erstimpfung/Vermittlung bzw. bis zum Einzug zur Vermittlung im Tierheim zutrauen.

Alle, die sich vorstellen könnten, Kätzchen, die noch nicht selbstständig fressen, mit der Flasche aufzuziehen, mögen sich bei der Katzenbabyrettung Mittelhessen melden, die sich um solche Fälle kümmern.

Das Tierheim sieht sich in diesem Jahr leider wieder mit unzähligen Kätzchen konfrontiert, die kein Zuhause haben, dringend Hilfe benötigen und die eigenen Kapazitäten übersteigen. Bereits jetzt ist das Tierheim an den Grenzen seiner Möglichkeiten.

Es werden daher tierliebe Menschen gesucht, die auch verstehen, dass viele der Katzen und Kätzchen, die im Tierheim eintreffen, noch nie bei Menschen gelebt haben und anfangs scheu und schreckhaft sein können. Besonders sie brauchen jetzt Menschen, die sich um sie kümmern und ihnen Geborgenheit und gute Pflege schenken.

Die Pflegestellen sollten in der näheren Umgebung von Marburg sein und mobil sein, damit sie im Notfall einen Tierarzt aufsuchen können. Futter, Ausstattung und tierärztliche Versorgung/Medikamente werden über das Tierheim gestellt, Verwaltung und Vermittlung geschehen selbstverständlich auch über das Tierheim.

Zeitlich sollte man, je nach Alter der Katzen und Art der Pflegestelle, ein bis drei Monate im Voraus planen und eine zuverlässige und gewissenhafte Versorgung der Katzen gewährleisten können. Berufstätigkeit stellt allerdings kein Problem dar.

Wichtig ist, dass Haustiere im selben Haushalt geimpft und gegen Parasiten behandelt sind und die Kätzchen separiert von ihnen untergebracht werden können. Ein eigenes, ruhiges Zimmer für die Katzen wäre in jedem Fall ideal, bei Mutterkatzen ist es eine Voraussetzung.

(Quelle: Tierheim Marburg)

von Nadine Weigel

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