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Marburg Jugendliche reden über Politiker-Reden
Marburg Jugendliche reden über Politiker-Reden
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18:41 26.06.2017
Ein preisgekröntes Marburger Theaterprojekt hat Premiere im G-Werk. Quelle: German Stage Service
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Marburg

Was die Reden der Politiker mit der Lebenswelt Jugendlicher zu tun haben und wie diese Reden funktionieren, dem haben neun junge Leute im Theaterprojekt „Über Reden reden“ nachgespürt, das diesen Mittwoch um 20 Uhr im Marburger G-Werk auf den Afföllerwiesen Premiere feiert.

Das Stück ist ein Anschlussprojekt an „Deine Welt“, bei dem 2015 junge Geflüchtete zusammen mit jungen Marburgern eine Performance entwickelt haben. Am Sonntag wurde es bei den Hessischen Theatertagen in Darmstadt mit dem Preis in der Kategorie „Fühlen“ ausgezeichnet – einem von fünf Preisen der Theatertage. Der Preis ist mit 1500 Euro dotiert.

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Das Team, das zum Teil aus den Mitwirkenden von damals und zum Teil aus neuen Darstellern besteht, hat zusammen mit der Regisseurin und Theaterpädagogin Katrin Hylla und der Choreographin Joana Tischkau „Über Reden reden“ entwickelt. Einige der jungen Leute im Alter von 16 bis 21 stammen aus Eritrea und Afghanistan, doch Katrin Hylla ist es wichtig, dass es diesmal kein Stück ist, bei dem die Herkunft der Akteure eine Rolle spielt.

Eintritt frei!

„Erstaunlich ist aber, wie dieselben jungen Leute, die vor drei Jahren kaum Deutsch konnten, heute so gut mit der Sprache umgehen und eigene Texte schreiben“, sagt sie. Und deshalb steht diesmal das Reden im Zentrum. Die Gruppe hat Reden von deutschen, französischen oder afghanischen Politikern analysiert, hat darüber nachgedacht, was die Politik mit ihrer Lebenswelt zu tun hat. Und natürlich haben die geflüchteten Jugendlichen andere Erfahrungen mit Politik gemacht als die deutschen, haben die Auswirkungen von Diktatur und Krieg erlebt.

Die Gesten der Politiker haben sie als Material für Tanz und Bewegung benutzt, haben selbst Reden geschrieben, teilweise mit ganz konkreten Themen, teilweise eher abstrakt. Sie haben Politiker wie Angela Merkel und Frauke Petry mit ihren Lieblingssongs synchronisiert und auf diese Weise so einiges an Angst und Respekt verloren.

Das Stück ist eine Koproduktion der freien Theatergruppe German Stage Service, dem Hessischen Landestheater Marburg und dem St. Elisabethverein Marburg. Es wird aus Mitteln der Initiative Assitej, die Teil des Bundesprogramms „Kultur macht stark – Wege ins Theater“ ist, finanziert.

Der Eintritt ist frei, um Reservierungen unter 06421/62582 wird gebeten. Weitere Aufführungen gibt es am 29. und 30. Juni jeweils ab 20 Uhr.

von Heike Döhn

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