Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Theater feiert KUSS
Marburg Theater feiert KUSS
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:50 31.01.2020
„Fragile“ ist eines von 20 ausgewählten Stücken, die bei der 25. Hessischen Kinder- und Jugend­theaterwoche in Marburg zu sehen sind. Quelle: Jean-Louis Sagot
Anzeige
Marburg

Als Jürgen Sachs 1996 als Dramaturg am Hessischen Landestheater Marburg die erste Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche organisiert hatte, dachte er noch, es sei eine einmalige Sache. Damals startete das Landestheater im frisch sanierten Theater am Schwanhof seine Kinder- und Jugendsparte.

Sachs sollte sich gewaltig irren. 25 Jahre später hat sich das kleine, aber feine Kinder- und Jugendtheaterfestival bundesweit etabliert und selbst in Europa einen Namen gemacht. Und er ist immer noch Festivalleiter. „Wir finden es gigantisch, dass das Festival seit 25 Jahren veranstaltet und von der Stadt und dem Land unterstützt wird“, sagte Intendantin Eva Lange am Donnerstag (30. Januar) bei der Vorstellung des Programms. Ihre Mit-Intendantin Carola Unser ergänzte: „Das Festival ist auch mit 25 noch immer ganz Kind und jugendlich.“

Anzeige

Etat auf 90.000 Euro erhöht

Rund 500 Vorstellungen hat das Festival in den vergangenen Jahren präsentiert und damit nach Auskunft von Sachs rund 70.000 Zuschauer erreicht.

Das Jubiläumsfestival ist nun noch einmal eine Spur größer geworden. Der Etat wurde von Stadt, Land und Landkreis von 65.000 auf rund 90.000 Euro angehoben. In diesem Jahr kommen vier Ensembles aus dem Ausland nach Marburg: Das TOF Théâtre aus dem belgischen Genappe, die Dauerpreisträger vom Agora-Theater aus St. Viith in Belgien, Le Clan des Solonges aus Toulouse im Süden Frankreichs und die Hungry Sharks aus Salzburg und Wien.

Erstmals in Marburg zu Gast ist das Badische Staatstheater Karlsruhe. Zudem wurden mit der Schauburg München, dem JES – Junges Ensemble Stuttgart und dem Bremer MOKS herausragende deutsche Ensembles aus dem Bereich Kinder- und Jugendtheater eingeladen. Aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland hatten sich 22 Gruppen mit ihren Produktionen beworben, eine dreiköpfige Jury hat sieben Stücke für das Festival ausgewählt.

Aus 15 Workshops wurden 100

Eine Woche lang bietet das Kinder- und Jugendtheaterfestival die Chance, in Marburg herausragende Produktionen für alle Altersgruppen und aus unterschiedlichsten Theater­sparten zu sehen – vom Puppentheater über Performance und Tanz bis zu Autorenstücken.

Begleitet wird das Festival unter dem Motto „Theater sehen– Theater spielen“ von Beginn an von Theaterworkshops an Schulen, in Kindergärten und anderen Einrichtungen. Organisiert werden sie vom Verein SchulKultur und dem Staatlichen Schulamt. „Wir haben 1996 mit 15 Workshops begonnen, heute sich es rund 100“, sagte der Koordinator Paul Möllers.

Diese Kombination von Theater sehen und Theater spielen ist nach Meinung von Festivalleiter Sachs einer der Gründe für den Erfolg des Festivals. „Die Idee war damals revolutionär“, sagte er rückblickend. „Wir waren zur richtigen Zeit mit der richtigen Idee am richtigen Ort und haben gute Partner“, sagte er mit Blick auf Stadt, Land, Schulamt und den Landkreis.

Spies: "Theater muss sein"

Marburgs Oberbürgermeister und Kulturdezernent Dr. Thomas Spies (SPD) machte deutlich: „Theater muss sein.“ Es greife in bemerkenswerter Weise aktuelle Themen auf, stelle sie zur Diskussion. Das Festival sei für den Magistrat der Stadt Marburg und den Aufsichtsrat des Landestheaters ein „Besonderes Highlight“. Es führe Kinder und Jugendliche an das Theater heran. „Die Nähe zum Darsteller ist etwas ganz anders als die Surrogate der digitalen Bilderproduktion.“ Das Theater ermögliche Kindern und Jugendlichen „andere Blicke auf die Welt“, so Spies.

Das Festival endet am Samstag, 28. März, traditionell mit der Verleihung des Festivalpreises. Der mit 2.000 Euro dotierte Preis wird zum 23. Mal vom Freundeskreis des Hessischen Landestheaters gestiftet. Dessen Vorsitzender Jürgen Bandte sagte: „Erst mit dem überregional anerkannten Preis wurde aus der Kinder- und Jugendtheaterwoche ein richtiges Festival.“

von Uwe Badouin