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Marburg Unsere Erzieherin ist jetzt ein Star!
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15:57 12.11.2019
Marburg

TJ ist immer noch total aufgeregt. Kein Wunder. Schließlich hat der Fünfjährige „seine Frau Treude“ im Fernsehen gesehen. Und das sogar nach seiner offiziellen Schlafenszeit! „Das war total cool“, sagt der Kleine und strahlt Noemi Treude an.

Seitdem die 25-Jährige bei „The Voice of Germany“ aufgetreten ist, will das Strahlen gar nicht mehr aus ihrem Gesicht weichen. „Ich bekomme ständig von wildfremden Menschen total liebe Nachrichten – das ist einfach der Wahnsinn“, freut sich die ­Erzieherin der evangelischen Kita in Ockershausen.

Dass die Ausstrahlung ihres­ Auftrittes in der Pro7-Show so hohe Wellen schlägt, damit ­hätte Noemi nicht gerechnet. „Es ist überwältigend, wie super nett die Kinder, Eltern und Kollegen darauf reagieren“, sagt sie gerührt. Für Noemi war es der erste Auftritt auf so einer großen Bühne – und vor einem Millionenpublikum an den TV-Geräten ohnehin. In der zweiten Sendung der neunten Staffel der Erfolgsshow sitzen die Musikstars Sido, Rea Garvey, Mark Forster und Alice Merton mit dem Rücken zu den Gesangstalenten und beurteilen deren Auftritt. Eine Situation, die für Noemi eine echte Überwindung war.

„Ich wollte mich endlich meiner Angst stellen, von fremden Menschen kritisiert zu werden“, erinnert sie sich lächelnd daran, was sie bewog, sich bei der Castingshow zu bewerben. Ihre Nervosität legte sich dann erst, nachdem sie in der Vorauswahl weitergekommen war und es letztlich bis in die im TV ausgestrahlte „Blind Auditions“ schaffte. „Das war ein wahnsinniges Gefühl“, erinnert sie sich.

Ganz bewusst hatte sie sich dann entschieden, „Reckoning Song“ von Asaf Avidan zu singen und sich selbst dabei am Klavier zu begleiten. Mit leidenschaftlicher Hingabe interpretierte sie den Song – und siehe da – nach nur wenigen Sekunden schlug Alice Merton auf den erlösenden Buzzer. Denn der bedeutet: du bist weiter! Auch Mark Forster ließ nicht lange auf sich warten, drückte – und sein Stuhl drehte sich zu Noemi um.

„Meine Eltern waren extra aus Spanien angereist“

Hinter den Kulissen, wo ihre ­Familie mitfieberte, fielen sich Mama, Papa und ihr Ehemann Timon glücklich in die Arme. „Meine Eltern waren extra aus Spanien angereist, was mir total viel bedeutet hat“, betont Noemi lächelnd. Die Jury war voll des Lobes: „Die Stimmung, die du erzeugt hast, war einfach unglaublich, du hast mich komplett geflasht“, sagte Alice Merton, die mit „No Roots“ monatelang in den Charts war. Für sie entschied sich Noemi schließlich – und durfte dann sogar noch mit dem Superstar zusammen singen. Zuvor jedoch konnte sich Noemi einen Herzenswunsch erfüllen: Sie durfte ihren selbst komponierten Song präsentieren. Ein Lied über ihren Glauben, der ihr sehr viel bedeutet.

Der Song darüber, dass es in Zeiten des Zweifels jemanden gibt, der über einen­ wacht, begeisterte dann schließlich selbst die anderen Jury-Mitglieder, es gab stehende Ovationen: „Ich bin ein sehr gläubiger Mensch und ich bin sehr dankbar, dass du deinen Song für uns gespielt hast“, sagte ein sichtlich bewegter Rae Garvey.

Die Leidenschaft hat sie von ihren Eltern geerbt. „Mein Papa hat in einer Band gespielt, meine Mama im Chor gesungen – mein Papa hat sich zuerst in die Stimme meiner Mama verliebt“, erzählt sie lachend und erinnert sich an lange Autofahrten in ihrer Kindheit. „Auf dem Weg von Spanien nach Deutschland wurde durchgehend gesungen.“

Viele Auftritte in Marburg hatte Noemi noch nicht, einmal habe sie sich als Straßenmusikantin am Richtsberg versucht. „Für größere Auftritte im KFZ oder so hat mir bisher immer der Mut gefehlt“, sagt sie und schüttelt lachend den Kopf.
Diese Scheu vor Publikum dürfte sich in den kommenden Wochen legen. Denn dann geht es für die 25-Jährige im Team von Alice Merton weiter. Als Nächstes stehen die „Battles“ an. Noemi weiß, wie es ausgeht, darf es aber noch nicht verraten. Dann wäre ja auch der Spaß hinüber – und ihre Kita-Kinder freuen sich ja jetzt schon drauf, wenn „ihre Frau Treude“ wieder im Fernsehen singt.

von Nadine Weigel