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Marburg Testlauf mit Schul-Schnelltests in Marburg
Marburg Testlauf mit Schul-Schnelltests in Marburg
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18:58 12.03.2021
Testlauf an der Richtsberg-Gesamtschule zur Einführung von Corona-Schnelltests in Marburg: Sarah Hille zeigt Schülern wie Jonathan Zienkiewicz (links) und Jan Ednard, wie der Test funktioniert.
Testlauf an der Richtsberg-Gesamtschule zur Einführung von Corona-Schnelltests in Marburg: Sarah Hille zeigt Schülern wie Jonathan Zienkiewicz (links) und Jan Ednard, wie der Test funktioniert. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

„Drama“ steht mit großen Lettern auf der Tafel. Doch das, was Sarah Hille und Lena Wetterling im Klassenraum der Richtsberg-Gesamtschule am Freitagmorgen (12. März) zeigen, soll sich für die Kinder letztlich eher als eine Komödie herausstellen.

„Es kitzelt in der Nase, ist aber gar nicht schlimm und tut nicht weh. Das ist anders als mit den langen Stäbchen, vor denen hatte ich ein bisschen Angst“, sagt Jonathan Zienkiewicz, als er den Corona-Schnelltest selbst macht und mit einem Lächeln auf den Lippen das Negativ-Ergebnis erfährt.

Testlauf für eine kommunale Teststrategie

Der 12-Jährige ist einer von rund 200 Schülern, die in Marburg erstmals in der Schule getestet worden sind – als Testlauf für eine mögliche kommunale Teststrategie, wie Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) kurz vor der Kommunalwahl an diesem Sonntag sagt. „Testen, testen, testen – das ist jetzt angesagt.“ Die Forderungen, die Appelle nicht zuletzt von Experten wie Uniklinik-Professor Harald Renz in der OP seien eindeutig.

Hille und Wetterling sind dabei laut Spies Teil eines 120-köpfigen Testteams, das die Stadt in den vergangenen Wochen aufgebaut, für Schnelltest-Anwendung und Auswertung beim DRK geschult hat. Die beiden Ordnungsamtsmitarbeiterinnen wiederum bringen den Richtsberg-Schülern bei, den Test bei sich selbst anzuwenden. Für den OB klar: Tests dürften nicht verpflichtend sein, eine Einverständniserklärung der Eltern muss vorliegen – und eine Nicht-Testung dürfe wiederum nicht zum Ausschluss vom Unterricht führen.

Schüler: „Ich habe kaum etwas gespürt“

Die Richtsberger – und bereits am Vortag bei 41 Besuchern der Abendschule – seien ein „Pilotprojekt“, man wolle vor einer möglichen flächendeckenden Teststrategie Erfahrungen über Durchführbarkeit und Organisation sammeln. Im Laufe der nächsten Woche solle dann mit dem Gesundheitsamt das weitere Vorgehen besprochen werden. Heißt: Ob und wie eine flächendeckende Umsetzung aussehen könnte, entscheidet sich anhand der RGS-Erfahrungen.

Hille und Wetterling stehen derweil in weißen Overalls im Klassenraum, vor ihnen Dutzende Test-Kits mit Stäbchen, Kanülen und Plastikschalen. Sie erklären den Kindern Schritt für Schritt, wie die Tests funktionieren und wie man sie anwenden muss – denn es sind die Schüler selbst, die sich die kleinen Stäbchen in die Nase stecken und somit testen.

Kein Problem für die Schüler

„Zwei Zentimeter in beide Nasenlöcher einführen, ein paar Mal drehen und möglichst viel Sekret an das Wattestäbchen lassen“, sagt Hille zu dem 13-jährigen Jeremy Singer. Gesagt, getan. „Das war ja einfach, ich habe bis auf das Kribbeln kaum etwas gespürt“, sagt er.

„Wenn es das braucht, damit ich meine Freunde sehen und zur Schule gehen, auf Homeschooling verzichten kann, ist das kein Problem“, sagt er. Das sieht Jonathan Zienkiewicz genauso: „Ich möchte, dass die Schule offen ist. Und meine Eltern müssen ja auch arbeiten, haben viel zutun. Ich fände es gut, wenn man das über so einen leichten Test sicherstellen kann.“

Hesmert: Dürfte Lehrern den Arbeitstag erleichtern

Anette Hesmert, stellvertretende RGS-Leiterin, sagt: „Das ist gut für den Kopf, für das Gefühl. Wenn das vorübergehend zur Regel wird, dürfte das allen Lehrern den Arbeitstag erleichtern.“

Hintergrund

Schon seit einem Monat fordern Oppositionspolitiker der FDP eine eigene Marburger Teststrategie, angesichts des bereits seit zwei Wochen laufenden Unterrichtswechselmodells speziell für Schüler und Lehrer. Als Vorbilder für ein kommunales Corona-Testsystem – auch und vor allem in Seniorenheimen – gelten neben Österreich auch deutsche Städte und Regionen wie Tübingen, Böblingen oder Rostock (die OP berichtete). Dort sind die für die Lockdown-Politik maßgeblichen Inzidenzwerte seit Langem relativ niedrig, liegen aktuell um den Wert 30.

Von Björn Wisker

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