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Marburg Hilfenetz für arme Fischerfamilien
Marburg Hilfenetz für arme Fischerfamilien
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11:00 25.12.2021
Mit einfachsten Mitteln arbeiten die Fischerfamilien auf Sherbro Island im Süden Sierra Leones. Die Hilfsorganisationen Terra Tech und Send wollen für bessere Ausrüstung und mehr Unabhängigkeit sorgen.
Mit einfachsten Mitteln arbeiten die Fischerfamilien auf Sherbro Island im Süden Sierra Leones. Die Hilfsorganisationen Terra Tech und Send wollen für bessere Ausrüstung und mehr Unabhängigkeit sorgen. Quelle: Fotos: Terra Tech/Send
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Marburg

Die heimische Hilfsorganisation Terra Tech setzt sich seit fünf Jahren mit seinen Partnern für in Not geratene Menschen in Sierra Leone ein. Nun erhielt die NGO seltenen Besuch von der Partnerorganisation aus dem westafrikanischen Staat und Neuigkeiten zur gemeinsamen Projektarbeit.

Vor wenigen Tagen besuchte Joseph Ayamga, Länderdirektor der Hilfsorganisation Send aus Sierra Leone, die Stadt Marburg und nutzte die Reise nicht nur für einen Stadtrundgang, sondern auch zum Austausch über ein wichtiges Projekt und für die Unterstützung junger Mädchen, die es vielleicht einmal in die Wissenschaft zieht.

Im Osten von Sierra Leone wurde im Oktober die landesweit erste weiterführende Mädchenschule mit Oberstufe eröffnet – 300 Schülerinnen besuchen nun die Schule im Kenema Distrikt, berichten die Partner. Der Bildungsschwerpunkt liegt auf Naturwissenschaften wie Biologie, Physik, Chemie sowie auf Computerkenntnissen. Es sind Fächer, in denen Mädchen in der Region sonst nicht unterrichtet werden. Darüber hinaus initiierten Terra Tech und Send spezielle Förderprogramme für erwachsene Frauen, die darin unterstützt werden, eigenständig für ihre Rechte einzutreten und sich politisch zu engagieren. Schulungen in nachhaltiger Landwirtschaft erhöhen zudem die Einkommen der Haushalte.

Auf wirtschaftliche Unabhängigkeit zielt wiederum das neue Projekt für Fischerfamilien auf Sherbro Island im Süden Sierra Leones ab. Viele Menschen leben dort in extremer Armut, die Fischer nutzen gezwungenermaßen schlechte Netze, fangen kaum Fisch. Mangels Lager- und Kühlmöglichkeiten kann der Fang zudem nicht über weitere Strecken transportiert werden. Die Notlage der Bewohner würden große Handelsunternehmen ausnutzen, den Fisch zu Dumpingpreisen kaufen. Dagegen wehren können sich die Fischer ohne Rückhalt und Ausrüstung nicht.

Kühlkette ist Grundlage

für Selbstständigkeit

Das wollen die Hilfsorganisationen ändern und starteten nun eine Kampagne, um den Familien Selbstbestimmung zurückzugeben, wie Terra Tech berichtet: Sie etablierten vor Ort Schulungen über Buchhaltung, Geschäfts- und Sparpläne. Neu gegründete, lokale Finanzgruppen verleihen zudem auf Grundlage der Solidarität Geld, etwa für neue Netze und Bootsmotoren, um Strecken zu erweitern und Fangerträge zu steigern.

Für rund 66 000 Euro entsteht zudem ein Kühlhaus auf York Island für die Lagerung des Fangs. Eine Eis-Maschine sichert die Kühlkette für die Fischerfamilien, die weitere Strecken fahren können – die Kühlung ermöglicht außerdem den Transport der Fänge nach Yagoi, zum größten Markt der Region. Dort erzielen die Fischer bessere Preise.

Der rege Austausch mit Joseph Ayamga über die jüngsten Erfolge in Sierra Leone und künftige Projekte sei für den Verein durchaus aufregend gewesen. Wegen der Entfernung zwischen beiden Ländern, auch wegen der Pandemie, muss die Zusammenarbeit meist über Videokonferenzen stattfinden. Ein persönliches Treffen sei jedoch etwas Besonderes: „Gute, persönliche Beziehungen sind die Grundlage für unsere Projektarbeit – unser Anspruch, eine Kooperation auf Augenhöhe, wird durch diese Form des Nord-Süd-Austauschs unterstrichen“, erklärt Gangolf Seitz, Vorsitzender von Terra Tech. Ein Verständnis für die Kultur des anderen fördere Vertrauen. Die seltene Gelegenheit wurde genutzt, um dem Besucher das weihnachtlich leuchtende Marburg zu zeigen. „Meine Zeit in Marburg war unvergesslich, ich bedanke mich beim Terra-Tech-Team für die herzliche Aufnahme“, freute sich Ayamga. Für ihn bedeute der persönliche Austausch viel, er sei „eine gute Grundlage, um zukünftig noch erfolgreichere Hilfsprojekte für Kinder, Frauen und Männer zu planen“.

Weitere Informationen unter www.terratech-ngo.de

Von Ina Tannert