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Marburg Die Summen werden größer: 350.000 Euro Schaden in nur einem Fall
Marburg Die Summen werden größer: 350.000 Euro Schaden in nur einem Fall
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21:51 27.04.2022
Eine 86 Jahre alte Frau aus dem Landkreis hat vor kurzem 40.000 Euro an Telefonbetrüger verloren. Sie ist damit nicht allein - wie die Zahlen der Polizei zeigen. (Symbolfoto)
Eine 86 Jahre alte Frau aus dem Landkreis hat vor kurzem 40.000 Euro an Telefonbetrüger verloren. Sie ist damit nicht allein - wie die Zahlen der Polizei zeigen. (Symbolfoto) Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Marburg

Telefonbetrug ist ein mittlerweile ein ernsthaftes Problem: 793.622 Fälle von Betrug wurden in Deutschland im Jahr 2021 angezeigt - darunter auch tausende Fälle von Telefonbetrug. Besonders ältere Menschen werden dabei im wahrsten Sinne des Wortes übers Ohr gehauen - und teilweise um große Teile ihres Ersparten gebracht. So wie bei der Seniorin, die im März auf Betrüger hereinfiel und ihnen 40.000 Euro zahlte.

Eine Summe von 350.000 Euro sind allein bei einem einzelnen Fall im Landkreis im Jahr 2020 an einen Telefonbetrüger gezahlt worden. Die Dunkelziffer der Betrogenen ist nach Polizeiangaben hoch, die Schadenssummen auch. Nach Zahlen des Landeskriminalamtes (LKA) in Wiesbaden brachten Kriminelle ihre Opfer im vergangenen Jahr um insgesamt mehr als 21,74 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch rund 8,5 Millionen Euro gewesen. 

Doch die Opfer sind nicht allein - wie das Polizeipräsidium Mittelhessen betont und Zahlen vorlegt (siehe Tabelle). Dabei handelt es sich lediglich um die vollendeten und der Polizei bekannten Taten. Das Polizeipräsidium Mittelhessen vermutet eine hohe Dunkelziffer an weiteren Taten. Alleine für das Jahr 2021 gibt es 17 prallgefüllte Ordner mit Hinweisen zu versuchten Telefonbetrugsfällen im Landkreis, berichtet Polizeisprecherin Yasemine Hirsch.


Aufgeführt sind in der Grafik nur die Taten, wo es tatsächlich zu einer Vollendung, sprich Geldübergabe, kam. Die vertretenen „Maschen“ waren Enkeltrickbetrug, Schockanruf und Anruf eines falschen Polizeibeamten. Denn bei diesen Maschen findet laut Polizei üblicherweise eine persönliche Geldübergabe statt und keine Überweisung. 


Die hohe Summe für das Jahr 2020 ergibt sich laut Polizei dadurch, dass bei einem einzelnen Fall ein Schaden von 350.000 Euro entstand. Die Polizei vermutet eine hohe Dunkelziffer an weiteren Taten und damit auch deutlich höhere Schadenssummen. "Vermutlich schämen sich die Betrugsopfer teilweise aber zu sehr, um Anzeige zu erstatten", erklärt Sprecherin Hirsch.

Tipps der Polizei

Bei unbekannten Whats-App-Nachrichten

  • Speichern Sie nicht sofort die unbekannte Nummer ab. Überprüfen Sie erst, ob es sich bei der neuen Nummer tatsächlich um die Ihres Kind oder Ihres Verwandten handelt. Hierzu eignet sich nicht die Chatfunktion. Besser ist ein persönliches Treffen, geht das nicht hilft ein selbst gewählter Rückruf über die bekannte alte Rufnummer oder optimaler Weise ein Video-Anruf.
  • Überweisen Sie niemals Geld, ohne vorher mit dem betreffenden Angehörigen bestenfalls bei einem Treffen gesprochen zu haben.
  • Falls Sie mit Festnetz- oder Handynummer im Telefonbuch stehen, veranlassen Sie das Löschen der Nummern. So erschweren Sie Betrügern das Leben.
  • Reden Sie mit Freunden, Verwandten, Angehörigen über die Betrugsmaschen und sprechen Sie Vorgehens- und/oder Verhaltensweisen ab.
  • Informieren Sie die Polizei, wenn Sie Opfer eines Betrugs geworden sind! Der Verzicht auf eine Anzeige hilft nur den Betrügern.
  • Keine Anzeige zu erstatten, hilft nur den Tätern! Die Polizei verurteilt niemanden, der auf die sehr professionellen Maschen reinfällt. Nur mit bekannten, angezeigten Taten kann die Polizei besser informieren und warnen und im besten Fall auch Ermittlungsansätze zur Aufklärung der Straftat erkennen.

Bei Schock-Anrufen oder Anrufen vermeintlicher Polizisten

  • Seien Sie wachsam, misstrauisch und besprechen Sie sich mit einer Vertrauensperson, bevor Sie überhaupt an eine Abhebung von Bargeld oder Überweisung oder die Übergabe des daheim gelagerten Geldes denken.
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen.
  • Geben Sie niemals vertrauliche Informationen preis. Behörden und seriöse Unternehmen agieren nicht in dieser Form und fragen niemals am Telefon nach sensiblen Daten.
  • Die Polizei ruft niemals an, um über Festnahmen oder ähnliches zu berichten oder um Vermögen zur Sicherung abzuholen. Die Polizei fordert erst recht keine Kaution zur Abwendung von irgendwelchen Maßnahmen.
  • Rufen Sie zurück. Aber verwenden Sie dabei niemals Rufnummern, die man Ihnen mitteilt oder die sie auf dem Display sehen, sondern immer nur die selbst herausgesuchten Telefonnummern. Wählen Sie bewusst neu. Benutzen Sie nicht die Rückruftaste.
  • Wählen Sie die Notrufnummer 110 oder die Festnetznummer der zuständigen Polizei, die Sie im Telefonbuch oder über das Internet ermitteln können.

Hinweise und Tipps zu den Vorgehensweisen und zum Schutz vor Betrügern am Telefon wie zum Beispiel zu den Betrugsphänomenen Anrufe falscher Polizeibeamter, Enkeltrick oder Schockanrufe finden Sie auch im Internet unter www.polizei-beratung.de oder auf der Präventionsseite unter www.polizei.hessen.de/Prävention

von Katharina Kaufmann-Hirsch

27.04.2022
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