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Marburg Nichts bezahlen und keine Daten verraten
Marburg Nichts bezahlen und keine Daten verraten
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11:00 18.10.2021
Eine ältere Frau telefoniert mit einem schnurlosen Festnetztelefon. In ganz Hessen und auch in Marburg-Biedenkopf werden viele Seniorinnen und Senioren durch Telefonbetrüger um ihr Erspartes gebracht.
Eine ältere Frau telefoniert mit einem schnurlosen Festnetztelefon. In ganz Hessen und auch in Marburg-Biedenkopf werden viele Seniorinnen und Senioren durch Telefonbetrüger um ihr Erspartes gebracht. Quelle: Foto: Karl-Josef Hildenbrand
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Landkreis

Schockanrufe, falsche Lottogewinne, falsche Bankangestellte und immer neue Maschen der Telefonbetrüger reißen einfach nicht ab – der Landkreis wird regelrecht geflutet von dreisten Anrufen diverser Täter, die es vor allem auf das Ersparte von Senioren abgesehen haben. Die Polizei nimmt fast jeden Tag neue Anzeigen wegen Betruges auf und richtet einen dringenden Appell an alle Menschen, am Telefon äußerste Vorsicht walten zu lassen.

„Die Tricks und Vorgehensweisen der Betrüger sind sehr vielschichtig, variabel, flexibel und sehr breit gefächert und sie gehen skrupellos vor“, betont Martin Ahlich, Sprecher der Polizei Marburg. Die Anrufer sind geschickt und wohl geschult, geben sich als immer wieder neue Personen aus, wollen Vertrauen wecken: Die Geschichten der angeblichen Verwandten, Ärzte, Professoren oder falschen Polizisten am Telefon klingen alle logisch und äußerst glaubwürdig, für jede Nachfrage gibt es eine plausible Erklärung. Und doch folgt für viele Betroffene danach der eigentliche Schock.

Die Polizei klärt über die immer neuen Maschen auf allen Kanälen auf, doch die Betrüger reagieren darauf und verändern sofort ihre Geschichten. Das mache eine Prävention auch so extrem schwer, erklärt Ahlich.

Goldene Regel bei Betrugsversuch

Aus der Erfahrung heraus lasse sich aber der beste Schutz davor, Opfer von Betrügern zu werden, auf eine goldene Regel zusammenfassen: „Niemals aufgrund eines unerwarteten Anrufs, einer unvorhergesehenen elektronischen Nachricht oder eines Briefs oder bei einem unbestellten Besuch für irgendetwas bezahlen und keine Daten preisgeben. Erst selbst recherchieren – dann helfen.“

Neben Enkeltrick und Schockanrufen über angebliche schwere Unfälle von Verwandten geben sich die Täter neuerdings als Ärzte oder Professoren aus und versuchen, mit der vorgetäuschten Geschichte der Notwendigkeit für ein speziell einzufliegendes Medikament zur Behandlung der Krankheit des eingelieferten Angehörigen an das Geld ihrer Opfer zu kommen. „Leider waren diese Betrüger in Mittelhessen mehrfach erfolgreich und erbeuteten teilweise hohe fünfstellige Beträge.“

Oder aber Betrüger nutzen das Telefon für eine automatisierte Ansage, angeblich vom Bundessozialministerium, und lockten ihre Opfer mit dem Hinweis auf den Missbrauch der Sozialversicherungsnummer auf eine kostenpflichtige Servicenummer. Die verursacht bei Gebühren von zehn Euro die Minute schnell hohe Kosten.

Dann gibt es die falschen E-Mails von Banken, etwa der Postbank: Vor wenigen Tagen wurde darüber ein Mann per Mail zur Eingabe des mitgelieferten Passwortes auffordert. Er kam dem nach, was letztlich zu einer unbeabsichtigten Überweisung von 3 000 Euro führte. Dasselbe gibt es als SMS-Betrug: Zuletzt drückte eine 52-Jährige auf den mitgesendeten Link, angeblich, um die Registrierung der Secure-App der Bank zu verlängern. Der Link führte auf eine täuschend echt aussehende Seite, die alle Zugangsdaten zum Konto und auch eine TAN zur Freigabe erfragte. Betrüger nutzten die so abgefischten Daten für eine Überweisung eines vierstelligen Betrags.

Es sind nur einige von unzähligen Maschen, über die Betrüger das Blaue vom Himmel herab lügen und ihre Opfer ausnehmen. „Die Fälle zeigen deutlich das gemeine, perfide und vor allem skrupellose Vorgehen der Betrüger sowie die Vielfalt von Betrugsmaschen – und leider gibt es davon noch viel mehr“, sagt Ahlich. Er betont: „Schützen Sie sich davor, Opfer von Betrügern zu werden, indem Sie eben nicht sofort reagieren, sondern erstmal selbst nachfragen oder recherchieren und dann helfen. Geben Sie nie Daten preis und überweisen oder übergeben Sie niemals aufgrund unerwarteter Nachrichten oder Anrufe Geld.“

Die Polizei Marburg ist erreichbar unter 064 21 / 40 60

Von Ina Tannert