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Marburg Tatsächliches und virtuelles Wasser
Marburg Tatsächliches und virtuelles Wasser
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07:58 17.02.2021
In der ersten Fastenwoche geht es um das Thema Wasser.
In der ersten Fastenwoche geht es um das Thema Wasser. Quelle: foto: Patrick Pleul
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Marburg

Und auf einmal war wieder Aschermittwoch. Hat in diesem Jahr kaum jemand so richtig gemerkt, weil es keine „tollen Tage“ gab mit Prunksitzungen, Bützche, Kamelle und Rosenmontagsumzügen. Und dann jetzt auch noch Fasten? Sieben Wochen ohne? Zugegeben, leicht fällt es in Pandemiezeiten nicht, neben dem Verzicht auf soziale Kontakte, Kino- und Friseurbesuche auch noch auf Schokolade, Rotwein oder Zigaretten verzichten zu sollen. Aber es geht auch anders: Die evangelischen Kirchen in Deutschland laden ab heute unter dem Stichwort „Soviel du brauchst...“ dazu ein, bis Ostern auszuloten, in welchen Lebensbereichen wir eventuell mehr haben, als wir brauchen. Im einzelnen geht es um Punkte wie diese: Verbrauchen wir zu viel Wasser? Zu viel Energie fürs Heizen und warmes Wasser? Essen wir zu viel Fleisch? Verbringen wir zu viel Zeit mit digitalen Kommunikationsmedien? Besitzen wir zu viele Dinge, die wir nicht brauchen? Gehen wir zu wenig zu Fuß und fahren dafür zu viel mit dem Auto?

Ein Liter Milch „verbraucht“ 1 000 Liter Wasser

Die Redaktion der OP wird diese Aktion ab heute mit vielen Informationen und Erfahrungsberichten begleiten – eigenen Erfahrungen sowie Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern, die sich ebenfalls an „Soviel du brauchst...“ beteiligen. Los geht’s in dieser Woche mit dem Thema Wasser. Statistisch gesehen verbraucht jeder Mensch in Deutschland 120 Liter Trinkwasser – täglich!

Doch der tatsächliche Wasserverbrauch ist sehr viel höher, denn in vielen Lebensmitteln, Konsumgütern und Dienstleistungen steckt jede Menge sogenanntes virtuelles Wasser. Das fängt an beim Liter Milch, für dessen Produktion 1 000 Liter Wasser notwendig sind. Dieser enorme Bedarf ergibt sich aus der Futtermittelproduktion, der Tierversorgung sowie der Weiterverarbeitung der Milch. Nicht weniger als 10 000 Liter Wasser schlagen zu Buche für die Produktion eines einzigen Personalcomputers oder einer Jeanshose.

Spartasten und Fleischverzicht

Viele Waren des täglichen Bedarfs, deren Herstellung mit einem hohen Wasserverbrauch einhergeht, werden aus Ländern importiert, in denen sauberes Wasser für die dort lebenden Menschen Mangelware ist.

In dieser Woche geht es bei der Fastaktion darum, folgende Dinge zu ergründen: Wie steht es um meinen persönlichen Wasserfußabdruck? Wie hoch ist mein Trinkwasserverbrauch? Was kann ich dafür tun, um den Verbrauch virtuellen Wassers zu senken? All das hat nicht nur etwas mit der Spartaste an der Toilettenspülung zu tun, sondern zum Beispiel auch mit der bewussten Entscheidung, auf Fleisch und tierische Produkte zu verzichten, um in den Herstellungsregionen den Wasserverbrauch zu senken. Und wenn der Computer gerade eingeschaltet sein sollte, lohnt es, sich auf den Webseiten von Organisationen wie Vivaconagua, Brot für die Welt, Misereor oder waterfootprint über den Kampf um sauberes, frei zugängliches Trinkwasser für alle zu informieren.

Zwei Minuten Trällern unter der Dusche

So, und damit es nicht nur um Verzicht geht, zum Schluss noch etwas, das bestimmt Spaß macht: Singen unter der Dusche. Nein, nicht sämtliche Opernarien aus „La Traviata“, sondern einen maximal zweiminütigen Lieblingssong. Wenn der zu Ende ist, wird das Wasser abgedreht. Funktioniert garantiert mit ein bisschen Übung. Und auf Vollbäder wird selbstverständlich komplett verzichtet, auch wenn’s gerade im kalten Winter außerordentlich gemütlich ist, sich in 150 bis 180 Litern wohltemperiertem Wasser zu aalen.

Die Broschüre zur Fastenaktion „Soviel du brauchst...“ findet sich zum Download auf der Seite www.ekd.de sowie auf den Webseiten der evangelischen Landeskirchen und unter www.klimafasten.de im Internet. Wie klappt’s bei Ihnen in der ersten Fastenwoche mit dem persönlichen Wasserfußabdruck und dem Singen unter der Dusche? Schreiben Sie uns unter dem Stichwort „Klimafasten“ an redaktion@op-marburg.de eine E-Mail.

Von Carsten Beckmann